Am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle finden in regelmäßigen Abständen Konferenzen und Vorträge statt. Der erste Vortrag in diesem Jahr wurde von dem schwedischen Ethnologen Ulf Hannerz gehalten. Unter dem Titel Images of the World, Now and Next: global scenarios as texts and transnational cultural phenomena stellte er eine Reihe von Büchern (oder vielmehr eine Textgattung) vor, in denen (ethnologische) Themen scheinbar populistisch diskutiert werden. Hannerz versuchte zu zeigen, dass zumeist im englischsprachigen Raum immer wieder Werke in den „Buchläden der Flughafen“ liegen, die im politisch-rechten Spektrum eine fragliche Sicht auf die unterschiedlichsten Themen wie kulturelle Vielfalt (Huntington) oder die politische Rolle der USA (Joffe) haben. Vor allem aber, werden in diesen Texten globale Zukunftsszenarien geschaffen, was Hannerz dazu veranlasst diese Bücher als „geocultural“ Literatur zu bezeichnen. weiter lesen…
Gestern habe ich eine Email bekommen, in der gefragt wurde ob es möglich ist Beiträge auf dem Blog zu veröffentlichen. Eilig habe ich zurück geschrieben, dass dies unbedingt so sein sollte. Damit soll auch hier noch einmal die Einladung an alle ausgesprochen werden wild zu denken.
Ständig stolperte ich in den letzten Tagen über Dinge (in der Öffentlichkeit) die mich erfreuten oder verärgerten. Es sind genau diese, die hier neu oder anders besprochen werden sollten.
Wenn du also auch einen solchen Beitrag hast und ihn hier veröffentlichen willst, einfach ein LogIn beantragen, indem du eine Email an post@wildes-denken.de sendest.
Mehr Informationen zur Idee des Blogs findest du hier…
Für wildes-denken.de beginnt in 2010 nun wirklich Jahr 1. Es wird sich zeigen, ob es gelingt regelmäßig Beiträge zu posten. Allen die es auf diese Seiten schaffen wünsche ich ein gesundes neues Jahr.
Was sich 2009 alles in der Ethnologie getan hat, kann man in folgenden Beiträgen nachlesen:
Jede wissenschaftliche Disziplin entwickelt, abhängig von aktuellen Trends, Debatten und Kontroversen, ein bestimmtes Vokabular und bestimmte Traditionen. Thomas Kuhn nannte dies Paradigmen. Auch die Ethnologie zehrt schon seit einigen Jahrzehnten an einem methodologischen Paradigma: der Selbstreflexion. Dabei werden eigen produzierten Texte kritisch hinterfragt und beurteilt. Zumeist hat solch eine Selbstreflexion einen Schutzmechanismus. Bestimmte Kritikpunkte sollen schon bevor sie überhaupt aufkommen benannt und verbannt werden. Außerdem muss sich die Ethnologie fast dreißig Jahre nach der Writing Culture Debatte immer noch ihrer Methode entschuldigen. Die Selbstreflexion ist dabei ein Entschuldigungstext, indem qualitative Forschungsmethoden gerechtfertigt werden und gleichzeitig auf ihre Grenzen hingewiesen wird. weiter lesen…
Achtung ein Experiment: Du drehst ein Video oder schreibst einen Text. Es gefällt dir was du produziert hast und du willst es der Welt zeigen. Zum Glück ist dies dank der neuen Technologien der letzten zehn Jahre beinahe kein Problem mehr. Innerhalb weniger Minuten kannst du dein Produkt weltweit zugänglich machen. Auch wenn die Konkurrenz groß ist, dein Video oder dein Text wird ein Erfolg. Millionen greifen darauf zu, kommentieren, reproduzieren, verändern. Nun die Frage: soll das so sein?

Charles Igwe in Nollywood
Genau hier beginnt die Diskussion um den Schutz und den Anspruch auf den Besitz deines Produktes. Bist du ein multinationaler Konzern, abhängig von den Einnahmen die das Video oder der Text bringen kann, wirst du versuchen dein Produkt zu schützen. Nicht zuletzt musst du ein riesiges Netzwerk aufrechterhalten, welches nur überleben kann, wenn du die ausreichend finanzielle Mittel zu Verfügung stellst. weiter lesen…
Heute ist Weihnachten! Wir lassen uns beschenke, verbringen einige Stunden mit der Familie und freuen uns auf die reiche Symbolik (Weihnachtsbäume, Sterne,…) die den Alltag in den letzten Tagen des Jahres schmückt. Die christlichen Wurzeln des Festes spielen dabei in den meisten Kontexten keine wichtige Rolle mehr. Ein ethnologische Blick (ähnlich die eines Fremden der das Fest nicht kennt) eröffnent die vielen Variationen des Festes (auf der ganzen Welt).
Avatar – Ein ethnologischer Blockbuster oder Von edlen Wilden, Kolonialismus und der Macht um Wissen
Die Geschichte ist schnell erzählt: Auf der Suche nach neuen Ressourcen hat die Menschheit einen Planeten – Pandora – gefunden, auf dem ein wertvolles Gestein vorkommt. Die Kolonialisierung und Ausbeutung des Planten wird von dem gierigen Eroberer Parker Selfridge geleitet, der durch die Armee von Colonel Miles Quaritch unterstützt wird. Die angenommene Überlegenheit durch Technologien und dem Wissen um die wertvollen Mineralien müssen vor allem gegenüber den Na’vi eingesetzt werden. Diese sind menschenähnlichen Bewohner des Planeten und blockieren mit ihrer Behausung (einem riesigen Baum) ein großes Vorkommen des wertvollen Gesteins. Da die Na’vi als primitiv gelten gibt es kein Bestreben ihnen Rechte zu gewährleisten und eine Umsiedlung steht außer Frage. Nur das Format der Umsiedlung ist unklar. Neben einem militärischen Angriff versucht ein Forscherteam mit den Na’vi in Kontakt zu treten, indem sie in die Körper dieser schlüpfen, bzw. in ihre Avatare.
Das alles klingt nach einer klassischen Situation aus der ethnologischen Fachgeschichte. Die primitiven Wilden (oder besser die edlen Wilden) stehen der Kolonialisierung ihres Gebietes entgegen, so dass Wege und Formen gefunden werden müssen, diese aus dem Gebiet zu vertreiben oder sie durch Transformationsprozesse auf die Bedürfnisse der Neuankömmlinge einzustellen. Da das Einsetzen von Gewalt aus verschiedenen Gründen (im Film ethisch und aus PR-Gründen) nicht die angestrebte Lösung sein kann werden Wissenschaftler damit beauftragt so viel wie möglich über die Fremden zu erfahren. Als Methode dient die teilnehmende Beobachtung, dessen oberstes Ziel es ist den „Wald durch die Augen der Na’vi zu sehen“. weiter lesen…
Dieser Blog kommentiert den Alltag. Die Kommentare sind dabei nicht nur Wertungen und Urteile sondern bieten eine Blickrichtung, die in einer breiten Öffentlichkeit zumeist überhaupt nicht wahrgenommen wird. Wildes Denken nähert sich verschiedenen Bereichen wie Politik, Sport, Wissenschaft oder Medien aus einer ethnologischen Perspektive. Dies klingt auf den ersten Blick trivial, doch die Autoren dieses Blogs sind der Meinung, dass die Ethnologie, und das von ihr produzierte Wissen, vielmehr bereitstellt als die wenigen Stereotypen auf die das Fach häufig reduziert wird. weiter lesen…





