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	<title>Wildes Denken &#187; Film</title>
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	<description>Die Welt auf ethnologisch</description>
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		<title>Lasst das Licht an. Gedanken zu Ethnologie und Film.</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Jul 2010 19:09:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedemann Ebelt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[audi-visuelle Anthropologie]]></category>
		<category><![CDATA[Dokumentarfilm]]></category>
		<category><![CDATA[Ethnologie]]></category>
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		<description><![CDATA[﻿﻿Die audio-visuelle Anthropologie (gemeint ist wissenschaftliches Arbeiten über und mit Bild und Ton) hat sich innerhalb der Ethnologie zu einer Trenddisziplin entwickelt. Obwohl oder gerade weil sich Blogs, Seminare, Festivals, Sommerschulen und ganze Masterprogramme auf das Thema konzentrieren, ist die audio-visuelle Anthropologie einem Rechtfertigungsdruck ausgesetzt und muss darum ringen als wissenschaftliches Arbeiten anerkannt zu werden. [...]


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<li><a href='http://www.wildes-denken.de/2009/12/c-copyrights/' rel='bookmark' title='(c) Copyrights: Was willst du? Was wollen die? &#8211; Ein Kommentar zum Film Bad Copy Good Copy'>(c) Copyrights: Was willst du? Was wollen die? &#8211; Ein Kommentar zum Film Bad Copy Good Copy</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>﻿﻿Die audio-visuelle Anthropologie (gemeint ist wissenschaftliches Arbeiten über und mit Bild und Ton) hat sich innerhalb der Ethnologie zu einer <a href="http://www.google.com/search?hl=en&amp;q=visuelle+anthropologie&amp;aq=f&amp;aqi=g1&amp;aql=&amp;oq=&amp;gs_rfai">Trenddisziplin</a> entwickelt. Obwohl oder gerade weil sich Blogs, Seminare, Festivals, Sommerschulen und ganze Masterprogramme auf das Thema konzentrieren, ist die audio-visuelle Anthropologie einem Rechtfertigungsdruck ausgesetzt und muss darum ringen als wissenschaftliches Arbeiten anerkannt zu werden. Dabei geht es um die Frage, warum Film und nicht Text. Der audio-visuellen Anthropologie wird  Euphorie und Skepsis entgegengebracht, was ihr nur helfen kann bewusster mit Bild und Ton umzugehen. In diesem Sinn habe ich mich gefragt, was gegen das Präsentieren ethnologischer Arbeiten in Form von Audiovisionen spricht. Ich freue mich auf jeden Fall auf Kommentare, Links, Beispiele, Fragen und Kritik unter diesen Blogbeitrag und hoffe, dass er noch wächst.</p>
<p style="text-align: justify">Ich habe zwei Beispiele vom <a href="http://www.hkw.de/en/programm/2010/berlin_documentary_forum/projekt_detail.php">Berlin Documentary Forum I</a>, um besser verständlich zu machen, um was es mir geht. Weiter unten werde ich dann genereller und trage mehr oder weniger sortiert ein paar Gedanken zum Thema zusammen.<span id="more-399"></span></p>
<h3><strong>Beispiel 1: Der inszenierende Edgar Morin</strong></h3>
<h4><a href="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/07/6040099.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-394" style="margin-left: 10px;margin-right: 10px" src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/07/6040099-300x225.jpg" alt="" width="206" height="154" /></a></h4>
<p style="text-align: justify">Die Künstler Ayreen Anastas, Rene Gabri (<a href="http://liminalspaces.org/?page_id=11">Kurz CV</a>) und <a href="http://www.vdb.org/smackn.acgi$artistdetail?BUCHERF">Francois Buch</a><a href="http://www.vdb.org/smackn.acgi$artistdetail?BUCHERF">er</a> stellten auf dem Berlin Documentary Forum I ihre filmische Wiederauferstehung von <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Chronique_d%27un_%C3%A9t%C3%A9"><em>Chronicles of a Summer</em></a> von Edgar Morin und Jean Rouch vor. Sie haben Material, was Morin und Rouch im Film selbst nicht verwendetet haben, in Archiven gefunden und wieder in den Film eingefügt und damit sozusagen ein full-footage von <em>Chronicles of a Summer</em> hergestellt. In der restaurierten Abschlussdiskussion der ProtagonisInnen in einem Pariser Kino, die auch den originalen Film abschließt, kritisiert ein Mädchen Edgar Morin. Sie sagt, er habe in der Szene in der alle beim Abendessen zusammen sitzen und diskutieren, vorgegeben, was sie sagen sollten. Edgar Morin antworte darauf in etwa, dass er an dieser Stelle wahrscheinlich etwas zu sehr &#8216;den Rahmen vorgegeben&#8217; habe. Dieser Dialog taucht, obwohl er für einen selbstreflexiven Film durchaus relevant ist, in<a href="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/07/6040118.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-398" style="margin-left: 10px;margin-right: 10px" src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/07/6040118-300x225.jpg" alt="" width="195" height="146" /></a> <em>Chronicles of a Summer</em>, nicht auf.</p>
<p style="text-align: justify">Sind die selektiven Eingriffe in Film einfach zu schwerwiegend, um einer Filmaussage trauen zu können und wenn ja woran liegt das? Kann im Film zu viel verheimlicht, manipuliert und verdeckt werden? Ist Text eine dichtere und sichere Basis für wissenschaftliches Arbeiten?</p>
<p style="text-align: justify">
<h3><strong>Beispiel 2: Frederick Wiseman liest nicht, worüber er filmt.</strong></h3>
<p style="text-align: justify"><a href="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/07/6050146.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-395" style="margin-left: 10px;margin-right: 10px" src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/07/6050146-300x225.jpg" alt="" width="198" height="148" /></a>Es ist nichts neues, dass Frederick Wiseman von sich sagt, keine explizit politischenFilme zu machen. Wer <em>Titticut Follys</em> gesehen hat, mag vielleicht glauben, dass Wiseman <em>Überwachen und Strafen</em> von Michel Foucault oder Ähnliches gelesen hat, um diesen Film zu machen. Aber: im Gespräch nach dem Screening von <em>Primate </em>wurde klar, dass dem nicht so ist. Eyal Sivan fragte Frederik Wiseman nach Michel Foucault und erhielt in etwa die Antwort, dass er versucht habe Foucault zu lesen, er aber nicht das Gefühl hatte es gut zu verstehen und es sein lies. Im nächsten Satz sagte Wiseman über Erving Goffman, dass er so schlecht schreibe, dass er auch seine Bücher sein lies. Frederick Wiseman verkündete <em>Chroniken eines Sommers</em> nie gesehen zu haben und kommentierte das mit: „Is that a crime?“.</p>
<p style="text-align: justify">Mit seinem Pragmatismus brachte Frederick Wiseman die Hälfte der versammelten Intellektuellen zum Lachen und die andere Hälfte stieß er mächtig vor den Kopf.</p>
<p style="text-align: justify"><a href="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/07/6050183.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-396" style="margin-left: 10px;margin-right: 10px" src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/07/6050183-300x225.jpg" alt="" width="170" height="127" /></a>Ich fragte mich danach, ob die ganze Sozialkritik in Wisemans Filmen, nur eine von vielen Lesarten und nicht definitiv im Film angelegt sei. (Zu seiner Zeit waren Wisemans Filme kaum kritisch.) Ist es möglich ethnologisch wertvolle Filme ohne große Forschung zu machen? Verlieren die Filme von Wiseman dadurch an Wert, dass sie von einem Filmhandwerker und nicht von einem theoretisch und methodisch ausgebildeten Ethnologen gemacht wurden? Und überhaupt: wie kann ethnologisches Wissen in Filme eingebracht werden? Ist das der Grund, warum Text besser geeignet ist, weil er streitbar ist und Missinterpretationen in peniblen wissenschaftlichen Grabenkriegen diskutiert werden?</p>
<h3><strong>Gedankensammlung zur audio-visuellen Anthropologie</strong></h3>
<p style="text-align: justify">Sind die beiden Filme oben, als ethnologische oder wissenschaftliche Filme gescheitert, obwohl sie zu den Dinosauriern der Filmgeschichte zählen? Kann das    	 	 	 	 	überhaupt  sein, oder sind die Ansprüche an ethnologischen Film falsch gesetzt? Zu allem Überfluss gibt es noch mehr <a href="http://www.kunst-der-vermittlung.de/dossiers/bildforschung-farocki/harun-farocki-drueckebergerei-vor-der-wirklichkeit/"><em>Ärger mit den Bildern</em></a>, der es Film schwer macht einen Platz im wissenschaftlichen Arbeitsprozess zu finden, damit meine ich den Austausch von Wissen unter WissenschaftlerInnen und auch mit einem Publikum. Dafür gibt es gute und weniger gute Gründe:</p>
<ul style="text-align: justify">
<li>Film und Video sind zu wenig 	statisch: 24 bzw. 25 Bilder rasen pro Sekunde an den Augen vorbei 	ohne, dass sich das Publikum eine wichtige Stelle markieren kann, 	wie es in jedem Buch möglich ist. Dabei bleibt wenig Zeit zum 	innehalten um Inhalte aufzunehmen.</li>
<li>Ein Film lässt sich schwierig 	zitieren und damit schwierig diskutieren. Wie könnte eine 	Aussage eines Filmes in einem anderen Film ergänzt oder 	angegriffen werden? Kann filmisch überhaupt eine Diskussion, 	oder ein Diskurs geführt werden?</li>
<li>Mit Film wird in der Ethnologie 	noch nicht entsprechend wissenschaftlich umgegangen, wie mit Text. 	Als Beispiel eine Selbstbeobachtung: noch bevor der Film beginnt 	wird es dunkel und ich verrenke mich auf meinem Sitz, versuche meine 	Zettel etwas in Richtung der Leinwand zu drehen damit von ihr etwas 	Licht zum Notieren auf meine Blätter fällt. Schließlich 	sehe ich einen Film auf einem Festival vermutlich nur einmal und 	vertraue meinen (Bild)-gedächtnis nur eingeschränkt. Das 	dabei entstehende Gekritzel kann ich nachher kaum noch entziffern. 	Was ich mit dieser verknoteten Metapher sagen möchte ist: 	„lasst das Licht an“, denn Audiovisionen, im wissenschaftlichen 	Kontext, müssen genauso akribisch zerlegt werden, wie Texte. 	Beim einmaligen Betrachten eines Films bleibt wahrscheinlich genauso 	viel hängen, wie beim schnellen Überfliegen eines Texts in 	der S-Bahn. Film verstehen heißt Film zerlegen. Beim 	Rezipieren gehören Filme auf den Seziertisch, dessen 	Instrumente sich die audio-visuelle Anthropologie entweder bauen, 	oder klauen muss (aus der Film- und Medienwissenschaft?).</li>
<li>Die wirklich relevanten Themen 	sind nicht einfach spannende Verfilmungen von &#8216;exotischen&#8217; Thesen, 	sondern die Erkenntnisse die durch die Bearbeitung eines Themas mit 	Bild und Ton entstehen. Zum Beispiel sind das Fragen der 	Repräsentation und Darstellung. Wie kann ich mit einer Kamera 	losziehen und zu Rassismen filmen, ohne dabei automatisch in 	rassistische Muster und Denkschienen zu verfallen? Wie sind 	Rassismen zufilmen, ohne mit der Kamera Jagd auf Andersaussehende zu 	machen? In einer Welt in der Wissen zu großen Teilen 	audiovisuell vermittelt wird (Bild und Ton in Wissenschaft, Technik, 	Werbung, Freizeit&#8230;), sind solche Fragen wichtige Schnittstellen 	zwischen ethnologischem Inhalt und audiovisueller Form.</li>
<li>Mit Bildern des Fremden und des 	Eigenen wird ungleich umgegangen. Seit einiger Zeit laufen große 	Debatten zu den Themen &#8216;Rechte am eigenen Bild&#8217;, &#8216;Recht auf 	informationelle Selbstbestimmung&#8217; und &#8216;Datensicherheit&#8217;. Wer sich 	dieser Dinge bewusst ist, wird sehr genau achten, welche privaten 	Informationen er von sich selbst in sozialen Netzwerken im Internet 	veröffentlicht. Mit Rücksicht darauf werden in 	wissenschaftlichen Texten (z.B. Ethnografien), wenn nötig, 	InformantInnen anonymisiert. Auf der Suche nach Nähe zu einem 	Protagonisten, die aus einem noch nicht geklärten Grund oft als 	Ziel ethnologischer Filme gilt, besteht die Gefahr diese Rechte zu 	verletzten. Auch im Film haben Menschen ein Recht darauf ihre 	Persönlichkeit vor dem Zugriff eines unbekannten Publikums in 	unbekannten und unvorhersehbaren Rezeptionssituationen zu schützen. 	Das gilt besonders, wenn Bilder zwischen Kulturen bewegt werden. 	Eine klassisch-kritische Debatte innerhalb der visuellen Ethnologie 	ist die Frage, ob Bilder von Frauen, für die es nicht schamhaft 	ist oben unbekleidet zu sein, ohne weiteres in Europa gezeigt werden 	sollten.</li>
<li>Film wird zu stark als Endprodukt 	verstanden. Film ist zum 	geringsten Teil Licht, was von einem Projektor auf eine Leinwand 	fällt, Film ist was vor- und nachher geschieht. Der Beitrag den 	ein Film zu einem Thema leisten kann wird minimiert, wenn der 	Produktionsprozess (Drehbedingungen, Entscheidungen in Dramaturgie, 	Schnitt, Szenenauswahl, Auswahl der Aussagen nicht zu diskutieren 	etc.) und der Rezeptionsprozess (Kontextwissen, Filmgeschichte, 	Filmanalyse etc.) nicht als Teil des Films verstanden werden.</li>
<li>„Viele Filme &#8216;funktionieren&#8217; 	einfach nicht, sie sind nicht &#8216;gut&#8217;.“ Mit solchen Aussagen ist 	gemeint, dass ein Film nicht spannend ist oder er &#8216;komisch&#8217; wirkt, 	weil wir ihn nicht intuitiv als angenehmes/verstehbares Seherlebnis 	empfinden. Dieser Umgang mit Film ist problematisch, wenn lediglich 	der Unterhaltungswert des Films aus einer Konsumentenperspektive 	beurteilt wird. Wissenschaftliche Texte werden im Idealfall auch 	nicht nach ihrem Funktionieren oder Unterhalten bewertet.</li>
</ul>
<h3><strong>Gibt es ein Fazit?</strong></h3>
<p style="text-align: justify">Selbst wenn die Argumentation Text sei streitbarer, expliziter, fokussierter und langlebiger und erlaube bessere theoretische Entfaltung als Film (was ich nicht glaube), ist es kein Weg die Bedeutung von Audiovisionen für die Gegenwart zu ignorieren. Wahrscheinlich hat jede Veränderung von Medien- und Kommunikationsgewohnheiten bei KritikerInnen Bedenken hervorgerufen. In der Lesesucht-Debatte des 18. Jahrhunderts wurde hinlänglich bekannt, dass Bücherlesen eine extreme Form des Eskapismus ist und die Lesekranken den Bezug zur realen Welt verlieren, wenn sie in die Welt der Drucklettern eintauchen. Platon kritisierte an der Schrift, sie trockne das Gedächtnis aus, weil sie die Tugend des Auswendiglernens unterwandere. Malerei zerstört die Phantasie, Fotografie zerstört die Malerei, der Spielfilm vernichtet das Theaterstück und SMS machen konversationsimpotent. Diese Erkenntnisse ziehe ich als Sicherheit heran, um zu behaupten, dass es nicht um eine Frage des Informationsträgers (Papier, miniDV oder Festplatte) geht, sondern um Kompetenzen im Umgang mit ihnen. Bilder und Ton pauschal ablehnen, weil sie irgendwie anders sind als Text, halte ich für eine bildungsresistente Haltung, die einer Geisteswissenschaft nicht steht. In diesem Sinne ist es erfrischender sich nach Gilles Deleuze einen Filmemacher als einen Philosophen vorzustellen, der mit Bildern und Tönen denkt. Der Druck, der auf audio-visueller Anthropologie lastet, rüht auch daher, dass audio-visuelle Rezeptionskompetenzen gegenüber einer ausgereiften wissenschaftlichen Schriftkultur schlicht aufgeholt werden müssen: sprachliche Stilfiguren sind Schulstoff, Paralellmontagen nicht.</p>
<p style="text-align: justify">Das Anliegen dieses Blogbeitrags in einem Satz, denke ich, lautet: audio-visuelle Anthropologie muss, um sich qualitativ entfalten zu können, den impressionistischen Wert von Filmen, jedes Genres, den auch Literatur hat, als Beitrag für Wissenschaft aufnehmen und gleichzeitig die theoretischen, analytischen und diskursiven Kompetenzen im Umgang mit Audiovisionen ausbauen.</p>
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<p style="margin-bottom: 0cm">zählen</p>
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		<title>Avatar – Ein ethnologischer Blockbuster oder Von edlen Wilden, Kolonialismus und der Macht um Wissen</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Dec 2009 18:19:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Schräpel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst & Musik]]></category>
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		<category><![CDATA[Film]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Geschichte ist schnell erzählt: Auf der Suche nach neuen Ressourcen hat die Menschheit einen Planeten – Pandora – gefunden, auf dem ein wertvolles Gestein vorkommt. Die Kolonialisierung und Ausbeutung des Planten wird von dem gierigen Eroberer Parker Selfridge geleitet, der durch die Armee von Colonel Miles Quaritch unterstützt wird. Die angenommene Überlegenheit durch Technologien [...]


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			<content:encoded><![CDATA[<p><em><strong><img class="size-medium wp-image-26 alignright" style="margin-left: 4px; margin-right: 4px;" title="Avatar" src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/avatar-300x168.jpg" alt="" width="300" height="168" /> </strong></em>Die Geschichte ist schnell erzählt: Auf der Suche nach neuen Ressourcen hat die Menschheit einen Planeten – Pandora – gefunden, auf dem ein wertvolles <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Unobtainium" target="_blank">Gestein</a> vorkommt. Die Kolonialisierung und Ausbeutung des Planten wird von dem gierigen Eroberer Parker Selfridge geleitet, der durch die Armee von Colonel Miles Quaritch unterstützt wird. Die angenommene Überlegenheit durch Technologien und dem Wissen um die wertvollen Mineralien müssen vor allem gegenüber den <a href="http://james-camerons-avatar.wikia.com/wiki/Na%27vi" target="_blank">Na’vi</a> eingesetzt werden. Diese sind menschenähnlichen Bewohner des Planeten und blockieren mit ihrer Behausung (einem riesigen Baum) ein großes Vorkommen des wertvollen Gesteins. Da die Na’vi als primitiv gelten gibt es kein Bestreben ihnen Rechte zu gewährleisten und eine Umsiedlung steht außer Frage. Nur das Format der Umsiedlung ist unklar. Neben einem militärischen Angriff versucht ein Forscherteam mit den Na’vi in Kontakt zu treten, indem sie in die Körper dieser schlüpfen, bzw. in ihre Avatare.</p>
<p>Das alles klingt nach einer klassischen Situation aus der ethnologischen Fachgeschichte. Die primitiven Wilden (oder besser die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Edler_Wilder" target="_blank">edlen Wilden</a>) stehen der Kolonialisierung ihres Gebietes entgegen, so dass Wege und Formen gefunden werden müssen, diese aus dem Gebiet zu vertreiben oder sie durch Transformationsprozesse auf die Bedürfnisse der Neuankömmlinge einzustellen. Da das Einsetzen von Gewalt aus verschiedenen Gründen (im Film ethisch und aus PR-Gründen) nicht die angestrebte Lösung sein kann werden Wissenschaftler damit beauftragt so viel wie möglich über die Fremden zu erfahren. Als Methode dient die teilnehmende Beobachtung, dessen oberstes Ziel es ist den „Wald durch die Augen der Na’vi zu sehen“.<span id="more-6"></span></p>
<p>Diese letzten Sätze könnten leicht die Einleitung einer Ethnographie sein. Aus diesem Grund lohnt es sich den Film auf seine ethnologische Tiefe zu überprüfen. Dabei bleibt er freilich eine Hollywood-Produktion, ausgestattet mit einer bestimmten Dramaturgie über Liebe, Kriege und Intrigen. Zwei Fragen die auf die Probleme und Erfolge der Wissensproduktion um das Fremde hinweisen, sollen hier aber gestellt werden. Jack Sully, der Protagonist des Films, schafft es das Vertrauen der Na’vi zu bekommen. Anfänglich soll er dieses Nutzen um möglichst viele Informationen für einen Angriff zu sammeln, sollte eine Umsiedlung nicht gelingen. Dieses<em> going native</em> wird für ihn jedoch eine intensive Erfahrung, die ihn auf die Seite der Na’vi schlägt. Jetzt kämpft er gegen die Eindringlinge und versucht alles um die feindliche Übernahme zu verhindern. An dieser Stelle steht die Frage, welche Rolle die gesammelten Daten von Jake Sully für beide Seiten spielen. Tatsächlich kann damit der militärische Angriff vorbereitet werden, weil nun die Schwachstellen und mögliche Angriffspunkte bekannt sind. Viel wichtiger jedoch ist das Sully erst den ausschlaggebenden Punkt für den Angriff gibt. Nach mehreren Monaten bei den Na’vi eröffnet er in seinem Feldtagebuch (bzw. Video-Log), dass eine Umsiedlung nicht funktionieren wird. Damit wird eine &#8216;diplomatische Lösung&#8217; unmöglich und der Angriff beginnt. Auf der anderen Seite verliert Sully durch den Verat das vertrauen der Na’vi, weiß jedoch relativ schnell, wie er dieses zurück bekommen kann. Er nutzt eine vorher erlernte Symbolik, indem er schafft auf den größten aller Vögel (Toruk) zu fliegen und wird damit Anführer des Kampfes (und zu <a href="http://james-camerons-avatar.wikia.com/wiki/Toruk_Makto" target="_blank">Toruk Makto</a>). Sully hat sich einen Vorsprung gegenüber beiden Seiten geschaffen. Er weiß wie es um die Technologien und Waffen der Menschen gestellt ist und er weiß wie er die Na’vi motivieren kann sich gegen die Angreifer zu wehren. Dies ist eine klassische Situation innerhalb der Ethnologie. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hat ein solcher Wissensvorsprung  dazu geführt das Kolonien durch eine Minderheit unterdrückt und regiert werden konnten. Diese historische Negativbesetzung hängt dem Fach noch immer an, obwohl längst versucht wird solche multiplen Perspektiven zur Verfügung zu stellen um bessere politische oder wirtschaftliche Entscheidungen zu erzeugen.</p>
<p>Die Geschichte ist also alt und man kann ihr sogar vorwerfen, dass sie im Film immer wieder an Komplexität verliert. Wenn sie nicht gerade in den Klassikern der Ethnologie gesucht wird, kann sie auch in den Büchern Karl Mays gefunden werden. In einer Rezension auf <a href="http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,666842,00.html" target="_blank">Spiegel Online</a> liest man:</p>
<blockquote><p>Denn natürlich muss in einem Indianerfilm weniger geforscht als gekämpft werden. Auch wenn sich Sully, wie Old Shatterhand, schließlich auf die Seite der Wilden schlägt. Nicht zuletzt deshalb weil er sich wie Old Shatterhand in eine von ihnen verliebt.</p></blockquote>
<p>Ist eine Geschichte erst einmal so angelegt begibt man sich auf einen schmalen Grad. Avatar bietet verschieden Angriffspunkte, die von Kommentatoren breit diskutiert werden. Auf der einen Seite ist da die Anklage des Rassismus. Die „edlen Wilden“ bzw. ihre computeranimierten Remakes werden fast ausschließlich von Afroamerikanern oder Schauspielern dessen Vorfahren Indianer waren gespielt (siehe: <a href="http://blogs.telegraph.co.uk/news/willheaven/100020488/james-camerons-avatar-is-a-stylish-film-marred-by-its-racist-subtext/" target="_blank">Heaven</a> &amp; <a href="http://filmkinotrailer.com/2009/11/avatar-rassistisch.html" target="_blank">filmkinotrailer.com</a>) . Diese Kritik scheint etwas weit hergeholt, nicht zuletzt, weil der Zuschauer nur schwer in der Lage sein wird dies mitzubekommen. Eine zweite Kritik von <a href="http://io9.com/5422666/when-will-white-people-stop-making-movies-like-avatar" target="_blank">Annalee Newitz</a> hinterfragt die Sichtweise aus der die Geschichte erzählt wird. Hier kann – wie oben beschrieben – tatsächlich hinterfragt werden, warum Jake Sully als Protagonist ausgewählt wurde und nicht etwa eine Na’vi Perspektive. Somit kommt sie zu dem Punkt:</p>
<blockquote><p>„Science fiction is exciting because it promises to show the world and the universe from perspectives radically unlike what we&#8217;ve seen before. But until white people stop making movies like <em>Avatar</em>, I fear that I&#8217;m doomed to see the same old story again and again.“</p></blockquote>
<p>Doch auch solch eine Kritik ist zu leicht. Avatar spielt mit den unterschiedlichen Perspektiven. Schließlich schlüpft Jake Sully in die Rolle der Na’vi (und das im wörtlichen Sinne, denn er bekommt auch ihren Körper) um dann mehrer Male kläglich zu Scheitern bevor er langsam versteht in was für einem Kontext er sich befindet. Gleichzeitig werden (auch wenn unzureichend) die verschiedenen Sichtweisen der Na’vi klar. Und so ist es tatsächlich ein Science Fiction Film, der es schafft die Probleme aber auch die Notwendigkeit um das Wissen des Fremden massentauglich zu machen. Und nicht zuletzt ist das Ende des Films ein Sieg über den Kolonialismus (im Gegensatzen zu den vielen Beispielen aus den Gesichtsbüchern) welcher nur durch das Schaffen und Zusammenbringen der verschiedenen Perspektiven ermöglich wird, eben durch die Nutzbarmachung ethnologischen Wissens.</p>
<p>+++</p>
<p>Mehr über die Beziehung des Films zur Ethnologie schreibt <a href="http://savageminds.org/2009/12/24/avatar/#more-2975" target="_blank">Kerim Friedman</a> &amp; <a href="http://www.counterpunch.org/price12232009.html" target="_blank">David Price</a></p>
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<p style="text-align: left;">Der Trailer zum Film:</p>
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