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	<title>Wildes Denken &#187; Ethnologie</title>
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		<title>Visuelle Anthropologie: Eine Disziplin die glücklicherweise keine (mehr) ist?!</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Feb 2011 20:02:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Schräpel</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Wissenschaft & Technik]]></category>
		<category><![CDATA[Ethnologie]]></category>
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		<description><![CDATA[Dieser Beitrag ist als Antwort auf die von Thorolf Lipp begonnene Diskussion im Emailverteiler der Arbeitsgruppe Visuelle Anthropologie der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde entstanden. Zugegeben, er kann vielleicht als naiv, unreif oder gar dekonstruktiv gelesen werden. Dafür will ich mich hier schon entschuldigt und vorweg nehmen: eine Ethnologie, die visuell arbeitet liegt mir sehr am Herzen. [...]


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Beitrag ist als Antwort auf die von <a href="http://www.thorolf-lipp.de" target="_blank">Thorolf Lipp</a> begonnene <a href="http://www.ifeas.uni-mainz.de/workingpapers/AP123.pdf" target="_blank">Diskussion</a> im Emailverteiler der <a href="http://visuelle-anthropologie.de" target="_blank">Arbeitsgruppe Visuelle Anthropologie</a> der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde entstanden. Zugegeben, er kann vielleicht als naiv, unreif oder gar dekonstruktiv gelesen werden. Dafür will ich mich hier schon entschuldigt und vorweg nehmen: eine Ethnologie, die visuell arbeitet liegt mir sehr am Herzen. Auch aus diesem Grund sind die folgenden Zeilen entstanden:</p>
<p><strong>Visuelle Anthropologie: Eine Disziplin die glücklicherweise keine (mehr) ist?!</strong></p>
<p>Die Bedingungen für Visuelle Anthropologie sind nicht schlechter geworden. Genaugenommen sollte man sogar konstatieren, dass sie wohl niemals besser waren. Die Gründe dafür sind Vielfältig (ein <a title="Bildkonjunkturen – Unterwegs auf den Schnellstraßen des Ikonischen (Teil I)" href="http://www.wildes-denken.de/2010/02/bildkonjunkturen-teil-i/">neues Bildverständnis</a>, ein Interesse komplexe Zusammenhänge <a href="http://www.demoscience.org" target="_blank">sichtbar zu machen</a> um Globalisierungsprozesse zu verstehen oder die <a href="http://vimeo.com/19712297">Neu(Entdeckung)</a> des Fremden, usw.). Dementsprechend, so meine saloppe Schlussfolgerung, steigt auch die Nachfrage an Produkten mit dem Label Visuelle Anthropologie. Doch was ist das eigentlich? So richtig will diese Frage scheinbar niemand beantworten (deswegen müsste darüber wohl viel eher diskutiert werden). Oft wird sich scheinbar damit verholfen, dass es der Ethnologe oder die Ethnologin ist, die mit einem Fotoapparat oder einer Kamera ausgerüstet loszieht um Ethnologie zu betreiben. Dass diese Definition unzureichend ist, liegt auf der Hand. Noch erschreckender ist es dann, wenn man beginnt sich mit der Visuellen Anthropologie auseinanderzusetzen und erkennt, dass die meisten Filme die sich dem <em>Genre</em> verschriebene haben nicht das halten, was sie versprechen. Das soll keine Fundamentalkritik an bestehen Arbeiten sein, sondern verweist eher auf die strukturellen Problem die man hat, wenn man aus einer Methode/Repräsentationsform eine Disziplin machen will.<span id="more-531"></span></p>
<p>Hat man dann bei seiner Auseinandersetzung eine Liste der deutschen „Visuellen Anthropologen“ zusammengestellt, ist es erstaunlich das zumeist nur ein oder zwei Filme im Repertoire dieser zu finden sind. Außerdem sind diese Filme dann oft auch Erstlingswerke, die etwa als Abschlussarbeiten in einem Masterstudium (oder einer anderen Ausbildung) entstanden sind. Die weitere Karriere wird dann entweder bestritten indem man über Visuelle Anthropologie schreibt und reflektiert oder indem man als Filmemacher tätig ist, jedoch die Produkte eher nicht als Visuelle Anthropologie bezeichnen will.((Das ist natürlich nur radikale Vereinfachung und damit kann sich niemand persönlich angesprochen fühlen. Trotzdem scheint es erschreckend, mit wie wenig praktischer Erfahrung man zu einem „Visuellen Anthropologen“ wird (und doch scheint es gleichzeitig als wichtiges Kriterium und Aufnahmebedingung).)) Kurz auf den Punkt gebracht – und hier soll auf den Beitrag von Jay Ruby verwiesen werden – <a href="http://www.visuelle-anthropologie-halle.de/component/content/article/10-blog/78-jay-ruby-good-bye-to-all-that" target="_blank">Enough already!</a></p>
<p>Anders als die (Text)Ethnographie, die aus der Ethnologie geboren ist, bleibt das Visualisieren oft bei unzureichenden Versuchen, die darüber hinaus ein sehr spezielles Publikum benötigen und eben nicht den gleichen Grad an Professionalität bieten können, wie Filme von ausgebildeten Filmemachern.</p>
<p>Das heißt nicht, dass Visuelle Anthropologie nicht weiterhin kritisches Potential entwickeln muss: so sollte über Inhalte reflektieren werden oder über methodische Einfälle und Fehlschläge. Filme von Ethnologen sollten jedoch, wie Ethnographie im Allgemeinen, als ein Form des <em>Ethnologie-machens</em> verstanden werden. Sie sollten also nicht von einer (kleinen) Gruppe „ausgebildeter“ Experten beschlagnahmt werden (es würde auch keiner auf die Idee kommen Ethnographie in Form von Text als Disziplin zu bezeichnen). Anders als manchmal vorgeschlagen, würde ich entsprechend jeden empfehlen „auch mal einen Film zu machen“. Damit würden wahrscheinlich nicht nur eine Menge anregender Filme entstehen, sondern auch neue Wege der Reflexion (zumindest letzteres würde fast immer aus solchen Versuchen hervorgehen). Das scheint zunächst wie ein Widerspruch: Visuelle Anthropologen bitte keine Filme mehr machen und alle Ethnologen bitte Visuelle Anthropologie betreiben.</p>
<p>Diese scheinbare Schizophrenie versteht man, wenn man die Diskussion der letzten Monate vor allem als Forderung die Visuelle Anthropologie als Form der Repräsentation von ethnologischem Wissen zu etablieren liest. Zu diesem Punkt muss man sich jedoch eingestanden, dass viele Dokumentarfilme (manchmal sogar „große“ Kinofilme) besser Repräsentationen schaffen (aus Angst hier gleich zu viel Kritikfläche zu schaffen nenne ich vorerst keine Beispiele und verweise auf Filme die aus den eigenen Erfahrungen herangezogen werden können). Solche Filme müssen freilich kritisch betrachten und diskutiert werden, sind aber oft besser Ausgangspunkte als die Werke vieler Ethnologen (das sieht man auch daran, dass in der Ausbildung Visuelle Anthropologie, fast ausschließlich Klassiker herangezogen werden müssen um einen Punkt zu machen). Hier scheint es also wichtig den Staub endlich richtig abzuschütteln und über neue Formen der Repräsentation und damit auch Kooperation nachzudenken um ethnologisches Wissen über visuelle Formen zugänglich zu machen.</p>
<p>Mit diesen Betrachtungen will ich also zwei Erwartungen an die Visuelle Anthropologie aussprechen (die freilich nicht neu sind, jedoch nicht immer ganz klar werden). Die eine, ist sie als <em>Werkzeug </em>zu verbreiten, welches von jedem erlernt, erprobt und angewendet werden sollte (damit wird auch die irreführende Frage, was eine solche Ausbildung für den Arbeitsmarkt bringen könnte aus dem Weg geräumt). Dass dafür ein Korpus an methodologischer Literatur vorhanden sein muss scheint selbstverständlich und sollte Ziel der wissenschaftlichen Auseinandersetzung sein. Die zweite Erwartung an Visuellen Anthropologie, ist es mögliche <em>Repräsentationsform</em> zu finden, die es schaffen ethnographisches Wissen zu visualisieren. Hier muss sich jedoch eingestanden werden, dass die Ethnologie allein dazu nicht in der Lage ist. Auch wenn das Filme machen in den letzten Jahren immer billiger und einfacher wurde, es gehört eben mehr dazu als mit einer Kamera ins Feld zu gehen. Technische, ästhetische und dramaturgische Expertise muss sich aus diesem Grund entweder erkauft werden (und in der Tat muss hier die Förderung reformiert werden) oder in zusätzlichen Ausbildungen mühsam und langsam erlernt werden.</p>
<p>All das lässt zum Schluss auf folgende Aussage schließen: die Visuelle Anthropologie ist zurecht keine Disziplin. Vielmehr Methode oder Repräsentationsform die glücklicherweise immer häufiger im Repertoire von Ethnologen zu finden ist oder zumindest dort aufgenommen werden soll. Ein wirklicher Beitrag wäre es nicht sie weiter zu schließen sondern sie weit über die Fächergrenzen zu öffnen. Wie das gelingen kann, sollte in vielen weiteren fruchtbaren Diskussionen gemeinsam erarbeitet werden.</p>
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		<title>Kommentar zur Ausschreibung der Universitätsprofessur W2 (Ethnologie) in Hamburg</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Aug 2010 18:19:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Florian Mühlfried</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Liebe Lesende, mit diesem Eintrag möchte ich meiner Verwunderung über die aktuelle Ausschreibung einer W2-Professur am Hamburger Institut für Ethnologie Ausdruck verliehen und versuchen, eine Debatte zu diesem Thema anzustoßen (Ausschreibung angehängt). Da soll mal also in Lateinamerika UND in Afrika südlich der Sahara geforscht haben und noch eine Reihe weiterer Kriterien erfüllen. Eine solch [...]


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Lesende,</p>
<p>mit diesem Eintrag möchte ich meiner Verwunderung über die aktuelle Ausschreibung einer W2-Professur am Hamburger Institut für Ethnologie Ausdruck verliehen und versuchen, eine Debatte zu diesem Thema anzustoßen (Ausschreibung angehängt). Da soll mal also in Lateinamerika UND in Afrika südlich der Sahara geforscht haben und noch eine Reihe weiterer Kriterien erfüllen. Eine solch enge Ausschreibung macht einen ausgewogenen, weitgehend objektiven Auswahlprozess doch sehr schwierig, um es vorsichtig zu sagen. Ob die Berufungskommission da wohl mitmacht?</p>
<p>Und dann gibt es da ja auch noch (mindestens) eine Vorgeschichte: Zum 1.10.2010 war eigentlich eine Juniorprofessur (W1) ausgeschrieben, sehr offen übrigens. Das Verfahren ist dann aber erstmal zum Stillstand gekommen, und jetzt gibt es also diese neue Stellenausschreibung …</p>
<p>Die Stellensituation für EthnologInnen ist (mit ganz wenigen Ausnahmen, z.B. Brasilien) sowieso ja schon mal einfach grauenhaft. Viele potentielle BewerberInnen kommen auf ohnehin schon sehr wenige verfügbare Stellen. Wenn dann die Stellenausschreibungen noch so verengt werden, dass nur ein quasi handverlesener Kreis (wenn überhaupt) in Frage kommt, dann schlägt das schon aufs Gemüt, oder?</p>
<p>Würde mich sehr freuen, wenn eine breitere Diskussion zu diesem – und ähnlichen – Verfahren zu Stande käme &#8211; es geht um unsere Zukunft!</p>
<p>Mit besten Grüßen aus Halle,</p>
<p>Florian Mühlfried.</p>
<p>_____</p>
<p>Hier gibt es die offizielle Ausschreibung als <a href="http://www.wildes-denken.de/uploads/Professur_HH.pdf">Download</a>.</p>
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		<title>Lasst das Licht an. Gedanken zu Ethnologie und Film.</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Jul 2010 19:09:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedemann Ebelt</dc:creator>
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		<category><![CDATA[audi-visuelle Anthropologie]]></category>
		<category><![CDATA[Dokumentarfilm]]></category>
		<category><![CDATA[Ethnologie]]></category>
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		<category><![CDATA[Visuelle Anthropologie]]></category>

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		<description><![CDATA[﻿﻿Die audio-visuelle Anthropologie (gemeint ist wissenschaftliches Arbeiten über und mit Bild und Ton) hat sich innerhalb der Ethnologie zu einer Trenddisziplin entwickelt. Obwohl oder gerade weil sich Blogs, Seminare, Festivals, Sommerschulen und ganze Masterprogramme auf das Thema konzentrieren, ist die audio-visuelle Anthropologie einem Rechtfertigungsdruck ausgesetzt und muss darum ringen als wissenschaftliches Arbeiten anerkannt zu werden. [...]


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<li><a href='http://www.wildes-denken.de/2009/12/c-copyrights/' rel='bookmark' title='(c) Copyrights: Was willst du? Was wollen die? &#8211; Ein Kommentar zum Film Bad Copy Good Copy'>(c) Copyrights: Was willst du? Was wollen die? &#8211; Ein Kommentar zum Film Bad Copy Good Copy</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>﻿﻿Die audio-visuelle Anthropologie (gemeint ist wissenschaftliches Arbeiten über und mit Bild und Ton) hat sich innerhalb der Ethnologie zu einer <a href="http://www.google.com/search?hl=en&amp;q=visuelle+anthropologie&amp;aq=f&amp;aqi=g1&amp;aql=&amp;oq=&amp;gs_rfai">Trenddisziplin</a> entwickelt. Obwohl oder gerade weil sich Blogs, Seminare, Festivals, Sommerschulen und ganze Masterprogramme auf das Thema konzentrieren, ist die audio-visuelle Anthropologie einem Rechtfertigungsdruck ausgesetzt und muss darum ringen als wissenschaftliches Arbeiten anerkannt zu werden. Dabei geht es um die Frage, warum Film und nicht Text. Der audio-visuellen Anthropologie wird  Euphorie und Skepsis entgegengebracht, was ihr nur helfen kann bewusster mit Bild und Ton umzugehen. In diesem Sinn habe ich mich gefragt, was gegen das Präsentieren ethnologischer Arbeiten in Form von Audiovisionen spricht. Ich freue mich auf jeden Fall auf Kommentare, Links, Beispiele, Fragen und Kritik unter diesen Blogbeitrag und hoffe, dass er noch wächst.</p>
<p style="text-align: justify">Ich habe zwei Beispiele vom <a href="http://www.hkw.de/en/programm/2010/berlin_documentary_forum/projekt_detail.php">Berlin Documentary Forum I</a>, um besser verständlich zu machen, um was es mir geht. Weiter unten werde ich dann genereller und trage mehr oder weniger sortiert ein paar Gedanken zum Thema zusammen.<span id="more-399"></span></p>
<h3><strong>Beispiel 1: Der inszenierende Edgar Morin</strong></h3>
<h4><a href="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/07/6040099.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-394" style="margin-left: 10px;margin-right: 10px" src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/07/6040099-300x225.jpg" alt="" width="206" height="154" /></a></h4>
<p style="text-align: justify">Die Künstler Ayreen Anastas, Rene Gabri (<a href="http://liminalspaces.org/?page_id=11">Kurz CV</a>) und <a href="http://www.vdb.org/smackn.acgi$artistdetail?BUCHERF">Francois Buch</a><a href="http://www.vdb.org/smackn.acgi$artistdetail?BUCHERF">er</a> stellten auf dem Berlin Documentary Forum I ihre filmische Wiederauferstehung von <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Chronique_d%27un_%C3%A9t%C3%A9"><em>Chronicles of a Summer</em></a> von Edgar Morin und Jean Rouch vor. Sie haben Material, was Morin und Rouch im Film selbst nicht verwendetet haben, in Archiven gefunden und wieder in den Film eingefügt und damit sozusagen ein full-footage von <em>Chronicles of a Summer</em> hergestellt. In der restaurierten Abschlussdiskussion der ProtagonisInnen in einem Pariser Kino, die auch den originalen Film abschließt, kritisiert ein Mädchen Edgar Morin. Sie sagt, er habe in der Szene in der alle beim Abendessen zusammen sitzen und diskutieren, vorgegeben, was sie sagen sollten. Edgar Morin antworte darauf in etwa, dass er an dieser Stelle wahrscheinlich etwas zu sehr &#8216;den Rahmen vorgegeben&#8217; habe. Dieser Dialog taucht, obwohl er für einen selbstreflexiven Film durchaus relevant ist, in<a href="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/07/6040118.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-398" style="margin-left: 10px;margin-right: 10px" src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/07/6040118-300x225.jpg" alt="" width="195" height="146" /></a> <em>Chronicles of a Summer</em>, nicht auf.</p>
<p style="text-align: justify">Sind die selektiven Eingriffe in Film einfach zu schwerwiegend, um einer Filmaussage trauen zu können und wenn ja woran liegt das? Kann im Film zu viel verheimlicht, manipuliert und verdeckt werden? Ist Text eine dichtere und sichere Basis für wissenschaftliches Arbeiten?</p>
<p style="text-align: justify">
<h3><strong>Beispiel 2: Frederick Wiseman liest nicht, worüber er filmt.</strong></h3>
<p style="text-align: justify"><a href="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/07/6050146.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-395" style="margin-left: 10px;margin-right: 10px" src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/07/6050146-300x225.jpg" alt="" width="198" height="148" /></a>Es ist nichts neues, dass Frederick Wiseman von sich sagt, keine explizit politischenFilme zu machen. Wer <em>Titticut Follys</em> gesehen hat, mag vielleicht glauben, dass Wiseman <em>Überwachen und Strafen</em> von Michel Foucault oder Ähnliches gelesen hat, um diesen Film zu machen. Aber: im Gespräch nach dem Screening von <em>Primate </em>wurde klar, dass dem nicht so ist. Eyal Sivan fragte Frederik Wiseman nach Michel Foucault und erhielt in etwa die Antwort, dass er versucht habe Foucault zu lesen, er aber nicht das Gefühl hatte es gut zu verstehen und es sein lies. Im nächsten Satz sagte Wiseman über Erving Goffman, dass er so schlecht schreibe, dass er auch seine Bücher sein lies. Frederick Wiseman verkündete <em>Chroniken eines Sommers</em> nie gesehen zu haben und kommentierte das mit: „Is that a crime?“.</p>
<p style="text-align: justify">Mit seinem Pragmatismus brachte Frederick Wiseman die Hälfte der versammelten Intellektuellen zum Lachen und die andere Hälfte stieß er mächtig vor den Kopf.</p>
<p style="text-align: justify"><a href="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/07/6050183.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-396" style="margin-left: 10px;margin-right: 10px" src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/07/6050183-300x225.jpg" alt="" width="170" height="127" /></a>Ich fragte mich danach, ob die ganze Sozialkritik in Wisemans Filmen, nur eine von vielen Lesarten und nicht definitiv im Film angelegt sei. (Zu seiner Zeit waren Wisemans Filme kaum kritisch.) Ist es möglich ethnologisch wertvolle Filme ohne große Forschung zu machen? Verlieren die Filme von Wiseman dadurch an Wert, dass sie von einem Filmhandwerker und nicht von einem theoretisch und methodisch ausgebildeten Ethnologen gemacht wurden? Und überhaupt: wie kann ethnologisches Wissen in Filme eingebracht werden? Ist das der Grund, warum Text besser geeignet ist, weil er streitbar ist und Missinterpretationen in peniblen wissenschaftlichen Grabenkriegen diskutiert werden?</p>
<h3><strong>Gedankensammlung zur audio-visuellen Anthropologie</strong></h3>
<p style="text-align: justify">Sind die beiden Filme oben, als ethnologische oder wissenschaftliche Filme gescheitert, obwohl sie zu den Dinosauriern der Filmgeschichte zählen? Kann das    	 	 	 	 	überhaupt  sein, oder sind die Ansprüche an ethnologischen Film falsch gesetzt? Zu allem Überfluss gibt es noch mehr <a href="http://www.kunst-der-vermittlung.de/dossiers/bildforschung-farocki/harun-farocki-drueckebergerei-vor-der-wirklichkeit/"><em>Ärger mit den Bildern</em></a>, der es Film schwer macht einen Platz im wissenschaftlichen Arbeitsprozess zu finden, damit meine ich den Austausch von Wissen unter WissenschaftlerInnen und auch mit einem Publikum. Dafür gibt es gute und weniger gute Gründe:</p>
<ul style="text-align: justify">
<li>Film und Video sind zu wenig 	statisch: 24 bzw. 25 Bilder rasen pro Sekunde an den Augen vorbei 	ohne, dass sich das Publikum eine wichtige Stelle markieren kann, 	wie es in jedem Buch möglich ist. Dabei bleibt wenig Zeit zum 	innehalten um Inhalte aufzunehmen.</li>
<li>Ein Film lässt sich schwierig 	zitieren und damit schwierig diskutieren. Wie könnte eine 	Aussage eines Filmes in einem anderen Film ergänzt oder 	angegriffen werden? Kann filmisch überhaupt eine Diskussion, 	oder ein Diskurs geführt werden?</li>
<li>Mit Film wird in der Ethnologie 	noch nicht entsprechend wissenschaftlich umgegangen, wie mit Text. 	Als Beispiel eine Selbstbeobachtung: noch bevor der Film beginnt 	wird es dunkel und ich verrenke mich auf meinem Sitz, versuche meine 	Zettel etwas in Richtung der Leinwand zu drehen damit von ihr etwas 	Licht zum Notieren auf meine Blätter fällt. Schließlich 	sehe ich einen Film auf einem Festival vermutlich nur einmal und 	vertraue meinen (Bild)-gedächtnis nur eingeschränkt. Das 	dabei entstehende Gekritzel kann ich nachher kaum noch entziffern. 	Was ich mit dieser verknoteten Metapher sagen möchte ist: 	„lasst das Licht an“, denn Audiovisionen, im wissenschaftlichen 	Kontext, müssen genauso akribisch zerlegt werden, wie Texte. 	Beim einmaligen Betrachten eines Films bleibt wahrscheinlich genauso 	viel hängen, wie beim schnellen Überfliegen eines Texts in 	der S-Bahn. Film verstehen heißt Film zerlegen. Beim 	Rezipieren gehören Filme auf den Seziertisch, dessen 	Instrumente sich die audio-visuelle Anthropologie entweder bauen, 	oder klauen muss (aus der Film- und Medienwissenschaft?).</li>
<li>Die wirklich relevanten Themen 	sind nicht einfach spannende Verfilmungen von &#8216;exotischen&#8217; Thesen, 	sondern die Erkenntnisse die durch die Bearbeitung eines Themas mit 	Bild und Ton entstehen. Zum Beispiel sind das Fragen der 	Repräsentation und Darstellung. Wie kann ich mit einer Kamera 	losziehen und zu Rassismen filmen, ohne dabei automatisch in 	rassistische Muster und Denkschienen zu verfallen? Wie sind 	Rassismen zufilmen, ohne mit der Kamera Jagd auf Andersaussehende zu 	machen? In einer Welt in der Wissen zu großen Teilen 	audiovisuell vermittelt wird (Bild und Ton in Wissenschaft, Technik, 	Werbung, Freizeit&#8230;), sind solche Fragen wichtige Schnittstellen 	zwischen ethnologischem Inhalt und audiovisueller Form.</li>
<li>Mit Bildern des Fremden und des 	Eigenen wird ungleich umgegangen. Seit einiger Zeit laufen große 	Debatten zu den Themen &#8216;Rechte am eigenen Bild&#8217;, &#8216;Recht auf 	informationelle Selbstbestimmung&#8217; und &#8216;Datensicherheit&#8217;. Wer sich 	dieser Dinge bewusst ist, wird sehr genau achten, welche privaten 	Informationen er von sich selbst in sozialen Netzwerken im Internet 	veröffentlicht. Mit Rücksicht darauf werden in 	wissenschaftlichen Texten (z.B. Ethnografien), wenn nötig, 	InformantInnen anonymisiert. Auf der Suche nach Nähe zu einem 	Protagonisten, die aus einem noch nicht geklärten Grund oft als 	Ziel ethnologischer Filme gilt, besteht die Gefahr diese Rechte zu 	verletzten. Auch im Film haben Menschen ein Recht darauf ihre 	Persönlichkeit vor dem Zugriff eines unbekannten Publikums in 	unbekannten und unvorhersehbaren Rezeptionssituationen zu schützen. 	Das gilt besonders, wenn Bilder zwischen Kulturen bewegt werden. 	Eine klassisch-kritische Debatte innerhalb der visuellen Ethnologie 	ist die Frage, ob Bilder von Frauen, für die es nicht schamhaft 	ist oben unbekleidet zu sein, ohne weiteres in Europa gezeigt werden 	sollten.</li>
<li>Film wird zu stark als Endprodukt 	verstanden. Film ist zum 	geringsten Teil Licht, was von einem Projektor auf eine Leinwand 	fällt, Film ist was vor- und nachher geschieht. Der Beitrag den 	ein Film zu einem Thema leisten kann wird minimiert, wenn der 	Produktionsprozess (Drehbedingungen, Entscheidungen in Dramaturgie, 	Schnitt, Szenenauswahl, Auswahl der Aussagen nicht zu diskutieren 	etc.) und der Rezeptionsprozess (Kontextwissen, Filmgeschichte, 	Filmanalyse etc.) nicht als Teil des Films verstanden werden.</li>
<li>„Viele Filme &#8216;funktionieren&#8217; 	einfach nicht, sie sind nicht &#8216;gut&#8217;.“ Mit solchen Aussagen ist 	gemeint, dass ein Film nicht spannend ist oder er &#8216;komisch&#8217; wirkt, 	weil wir ihn nicht intuitiv als angenehmes/verstehbares Seherlebnis 	empfinden. Dieser Umgang mit Film ist problematisch, wenn lediglich 	der Unterhaltungswert des Films aus einer Konsumentenperspektive 	beurteilt wird. Wissenschaftliche Texte werden im Idealfall auch 	nicht nach ihrem Funktionieren oder Unterhalten bewertet.</li>
</ul>
<h3><strong>Gibt es ein Fazit?</strong></h3>
<p style="text-align: justify">Selbst wenn die Argumentation Text sei streitbarer, expliziter, fokussierter und langlebiger und erlaube bessere theoretische Entfaltung als Film (was ich nicht glaube), ist es kein Weg die Bedeutung von Audiovisionen für die Gegenwart zu ignorieren. Wahrscheinlich hat jede Veränderung von Medien- und Kommunikationsgewohnheiten bei KritikerInnen Bedenken hervorgerufen. In der Lesesucht-Debatte des 18. Jahrhunderts wurde hinlänglich bekannt, dass Bücherlesen eine extreme Form des Eskapismus ist und die Lesekranken den Bezug zur realen Welt verlieren, wenn sie in die Welt der Drucklettern eintauchen. Platon kritisierte an der Schrift, sie trockne das Gedächtnis aus, weil sie die Tugend des Auswendiglernens unterwandere. Malerei zerstört die Phantasie, Fotografie zerstört die Malerei, der Spielfilm vernichtet das Theaterstück und SMS machen konversationsimpotent. Diese Erkenntnisse ziehe ich als Sicherheit heran, um zu behaupten, dass es nicht um eine Frage des Informationsträgers (Papier, miniDV oder Festplatte) geht, sondern um Kompetenzen im Umgang mit ihnen. Bilder und Ton pauschal ablehnen, weil sie irgendwie anders sind als Text, halte ich für eine bildungsresistente Haltung, die einer Geisteswissenschaft nicht steht. In diesem Sinne ist es erfrischender sich nach Gilles Deleuze einen Filmemacher als einen Philosophen vorzustellen, der mit Bildern und Tönen denkt. Der Druck, der auf audio-visueller Anthropologie lastet, rüht auch daher, dass audio-visuelle Rezeptionskompetenzen gegenüber einer ausgereiften wissenschaftlichen Schriftkultur schlicht aufgeholt werden müssen: sprachliche Stilfiguren sind Schulstoff, Paralellmontagen nicht.</p>
<p style="text-align: justify">Das Anliegen dieses Blogbeitrags in einem Satz, denke ich, lautet: audio-visuelle Anthropologie muss, um sich qualitativ entfalten zu können, den impressionistischen Wert von Filmen, jedes Genres, den auch Literatur hat, als Beitrag für Wissenschaft aufnehmen und gleichzeitig die theoretischen, analytischen und diskursiven Kompetenzen im Umgang mit Audiovisionen ausbauen.</p>
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<p style="margin-bottom: 0cm">zählen</p>
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<li><a href='http://www.wildes-denken.de/2009/12/c-copyrights/' rel='bookmark' title='(c) Copyrights: Was willst du? Was wollen die? &#8211; Ein Kommentar zum Film Bad Copy Good Copy'>(c) Copyrights: Was willst du? Was wollen die? &#8211; Ein Kommentar zum Film Bad Copy Good Copy</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Claude Levi-Strauss Comic</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Apr 2010 22:41:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedemann Ebelt</dc:creator>
				<category><![CDATA[In eigner Sache]]></category>
		<category><![CDATA[Claude Levi-Strauss]]></category>
		<category><![CDATA[Ethnologie]]></category>
		<category><![CDATA[Strukturalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Visuelle Anthropologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Jovan Maud von Culture Matters lobt den Claude Levi-Strauss Comic als „[the] most excellent tribute to Claude Levi-Strauss“. Die MacherInnen sind Apostolos Doxiadis, Alecos Papadatos und Annie Di Donna, die in Logicomix Bertrand Russel auf die Suche nach dem logischen Fundamenten der Mathematik schicken. Bemerkenswert: der Mathematik-Grundlagen Comic ist: „The New York Times #1 Bestselling [...]


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<li><a href='http://www.wildes-denken.de/2009/12/weihnachten-gabentausch-ubergangsriten-ahnen/' rel='bookmark' title='Weihnachten &#8211; Gabentausch, Übergangsriten und Ahnenbesuch'>Weihnachten &#8211; Gabentausch, Übergangsriten und Ahnenbesuch</a></li>
<li><a href='http://www.wildes-denken.de/2010/06/aufruf-zum-wilden-denken/' rel='bookmark' title='Aufruf zum wilden Denken'>Aufruf zum wilden Denken</a></li>
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			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><!-- 		@page { size: 21.59cm 27.94cm; margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } -->Jovan Maud von <a href="http://culturematters.wordpress.com/" target="_blank">Culture Matters</a> lobt den <a href="http://www.ft.com/cms/s/2/5284373a-1f94-11df-8975-00144feab49a.html" target="_blank">Claude Levi-Strauss Comic</a> als „[the] most excellent tribute to Claude Levi-Strauss“.</p>
<address><a rel="http://www.ft.com/cms/s/2/5284373a-1f94-11df-8975-00144feab49a.html" href="http://www.ft.com/cms/s/2/5284373a-1f94-11df-8975-00144feab49a.html" target="_blank"><img class="size-medium wp-image-298 alignleft" src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/04/CLS-Comic-Head-300x222.jpg" alt="" width="290" height="215" /></a><span style="color: #993300;">Die MacherInnen sind Apostolos Doxiadis, Alecos Papadatos und Annie Di Donna, die in <a href="http://www.logicomix.com/" target="_blank">Logicomix</a> Bertrand Russel auf die Suche nach dem logischen Fundamenten der Mathematik schicken. Bemerkenswert: der Mathematik-Grundlagen Comic ist: „The New York Times #1 Bestselling Graphic Novel!“</span></address>
<address> </address>
<address> </address>
<p style="text-align: justify;">
<p style="text-align: justify;">
<p style="text-align: justify;">
<p style="text-align: justify;">Im Cartoon gelingt es der Redaktion nicht, nicht strukturalistisch zu denken und wie könnte die geistige Wirkungsmächtigkeit von Strauss besser eingefangen werden, als mit einem Schnappschuss-Portrait eines Redakteurs, der es versucht und daran scheitert? Der Comic endet sinngemäß mit:“intellektueller Fortschritt ist nicht der Stein, der ins Wasser geworfen wird, sondern es sind die Wellen, die er erzeugt“.</p>
<p style="text-align: justify;">Jetzt geht es nicht anders als die Frage aufzuwerfen, ob Comics ein angemessener Weg sind, um ethnologisches Denken aus Bibliotheken zu befreien und Wellen im Alltag schlagen zu lassen?</p>
<p style="text-align: justify;"><span id="more-297"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Das Problem ist bekannt und oft diskutiert: die Wissenschaft, die sich mit dem Fremden beschäftigt, ist selbst in der eigenen Gesellschaft fremd. Sie spielt in den tagesaktuellen Medien die Figur des exotischen Anderen, der gern eine unangenehme Wahrheit sagen darf, weil der bunte Vogel Ethnologie problemlos überhört werden kann.</p>
<p style="text-align: justify;">Comics erreichen viele Menschen, weil sie schnell zu lesen sind und das Verlangen nach Bildern  befriedigten, die sowieso <a href="../2010/02/bildkonjunkturen-teil-i/">Konjunktur</a> haben. Aber gleichzeitig gelten sie, völlig zu unrecht, als unseriöse, unwissenschaftliche, unterhaltende Trivialliteratur für ein junges Publikum, welches aus Konzentrationsmangel keine langen Texte liest. Diese Comic-Szene verankert sich bildlich im Gedächtnis und macht Lust und Mut über Strukturalismus zu diskutieren, ohne alles über selbigen zu wissen. Ist das legitim, darf Claude Levi-Strauss-Inhalt in eine Cartoon-Formen gegossen werden, oder geht dabei etwas verloren?</p>
<p style="text-align: justify;">Oder wird hier sogar ethnologisches Wissen zur Ware für ein Eliten-Publikum, welches intellektuelle Unterhaltung verlangt? Ist also die <em>Financial Times</em> auf einen der grössten Ethnologen nur gekommen, weil dessen Tod ein großes Medienecho ausgelöst hat und jetzt Unzählige diesen Claude Levi-Strauss Comic lesen?</p>
<p style="text-align: justify;">Und schließlich: verändert sich Ethnologie, wenn die <a href="../2010/02/bildkonjunkturen-teil-i/">Bildkunjukturwelle</a> über sie schwappt und plötzlich alle EthnologInnen, die etwas auf sich halten, mit Foto, Film und Filzstift losziehen, um Bildwerke zu kreieren?</p>
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		<title>Eine Woche wildes Denken: Zeit für eine Reflexion?</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Dec 2009 22:14:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Schräpel</dc:creator>
				<category><![CDATA[In eigner Sache]]></category>
		<category><![CDATA[Ethnologie]]></category>
		<category><![CDATA[Methode]]></category>
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		<description><![CDATA[Jede wissenschaftliche Disziplin entwickelt, abhängig von aktuellen Trends, Debatten und Kontroversen, ein bestimmtes Vokabular und bestimmte Traditionen. Thomas Kuhn nannte dies Paradigmen. Auch die Ethnologie zehrt schon seit einigen Jahrzehnten an einem methodologischen Paradigma: der Selbstreflexion. Dabei werden eigen produzierten Texte kritisch hinterfragt und beurteilt. Zumeist hat solch eine Selbstreflexion einen Schutzmechanismus. Bestimmte Kritikpunkte sollen [...]


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			<content:encoded><![CDATA[<p>Jede wissenschaftliche Disziplin entwickelt, abhängig von aktuellen Trends, Debatten und Kontroversen, ein bestimmtes Vokabular und bestimmte Traditionen. Thomas Kuhn nannte dies <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Paradigmenwechsel" target="_blank">Paradigmen</a>. Auch die Ethnologie zehrt schon seit einigen Jahrzehnten an einem methodologischen Paradigma: der Selbstreflexion. Dabei werden eigen produzierten Texte kritisch hinterfragt und beurteilt. Zumeist hat solch eine Selbstreflexion einen Schutzmechanismus. Bestimmte Kritikpunkte sollen schon bevor sie überhaupt aufkommen benannt und verbannt werden. Außerdem muss sich die Ethnologie fast dreißig Jahre nach der <a href="http://books.google.de/books?id=i_Hr5j2ICYgC&amp;dq=writing+culture&amp;printsec=frontcover&amp;source=bn&amp;hl=de&amp;ei=KOs8S_frMcHFsgbLmey-Bw&amp;sa=X&amp;oi=book_result&amp;ct=result&amp;resnum=4&amp;ved=0CB0Q6AEwAw#v=onepage&amp;q=&amp;f=false" target="_blank">Writing Culture Debatte</a> immer noch ihrer Methode entschuldigen. Die Selbstreflexion ist dabei ein Entschuldigungstext, indem qualitative Forschungsmethoden gerechtfertigt werden und gleichzeitig auf ihre Grenzen hingewiesen wird.<span id="more-107"></span></p>
<p>Obwohl dieser Prozess der Ethnologie anhaftet wie ein unangenehmes Mitbringsel aus längst vergangenen Zeiten entstehen mit den Selbstreflexionen in den meisten Ethnographien ein Paratext der oft mehr über den Forscher aussagt, als über die eigentliche Forschung. Aus diesem Grund folgen auch hier einige Zeilen:</p>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wildes_Denken" target="_blank">Wildes Denken</a> ist der Titel der deutschen Übersetzung von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Claude_L%C3%A9vi-Strauss" target="_blank">Claude Levi-Strauss&#8217;</a> Eassay <em>La Pensée sauvage</em> von 1962. Dieses Denken verbindet Wesen, Dinge und Phänomene durch einen allumfassenden Zusammenhang miteinander, der rational nicht erklärbar oder zu begreifbar ist. Natürlich wurde der Titel des Blogs nicht nur aus diesem Grund gewählt. Wildes Denken will eben auch einfach nur der Versuch sein, verschiedene Nachrichten des Alltags aus einer ethnologischen Perspektive zu <a href="http://www.wildes-denken.de/2009/12/was-soll-das/" target="_self">kommentieren</a>. Der Blog <a href="http://savageminds.org/" target="_blank">Savage Minds</a> im englischsprachigen Raum benutzt ebenso den Titel. Auch dieser Blog hat zum Ziel das Fach Ethnologie einem breitem Publikum zugänglich zu machen.</p>
<p>Letzterer kam erst bei den Recherchen zum ersten Blogeintrag Avatar zum Vorschein und soll hier nicht kopiert werden. Im <a href="http://www.wildes-denken.de/2009/12/avatar-film-ethnologie/">Text zum Hollywood Blockbuster Avatar</a> wurde auch schnell klar, dass die Einträge mehr Text benötigen als erwartet. Gleichzeitig kann nur auf wenige Punkte eingegangen werden und viele andere, die auch Erwähnung verdient hätten, müssen rausgelassen werden. Für einen Ethnologen, wie oben bereits beschrieben, ist dies druchaus problematisch. Der Text sollte trotzdem darauf hinweisen, in welcher Weise ethnologisches Wissen in dem Film vorkommt und welche Vor- und Nachteile dieses mit sich bringt. In dem zweiten Beitrag <a href="http://www.wildes-denken.de/2009/12/weihnachten-gabentausch-ubergangsriten-ahnen/">Weihnachten</a> wird ein Text von Levi-Strauss zusammengefasst, der auch vielen Ethnologen nicht bekannt sein sollte. Durch Zufall bin ich auf eine portugiesische Übersetzung in einem Buchladen gestoßen, womit eben dieser zweite Eintrag geboren war, der freilich nur einige wenige ethnologische Aspekte des Weihnachtsfestes benennt. Und dann noch der dritte Beitrag zum <a href="http://www.wildes-denken.de/2009/12/c-copyrights/">Film Good Copy Bad Copy</a>. Dieser versucht vor allem auf die multiplen Perspektiven hinzuweisen. Ein Hinweis also auf eine bestimmte Komplexität die zu oft in Debatten zu solchen (oder ähnlichen) Themen ausgeblendet wird. Die Ethnologie sollte aus diesen Gründen wichtige Unterstützung in solchen Diskussionen geben können.</p>
<p>Und so sind die ersten drei Beiträge die ersten Versuche Texte zu produzieren, die andere und neue Blickrichtungen zur Verfügung stellen. Dabei muss noch ausprobiert werden wie solche Texte am besten aussehen sollten. Erstaunlicherweise haben es in der ersten Woche über 150 Besucher aus 10 Ländern auf die Webseite geschafft (vielleicht ist solch ein erstaunen auch unangebracht). Gedankt sei dafür vor allem Lorenz Khazaleh von <a href="http://www.antropologi.info/blog/ethnologie/2009/wildes-denken" target="_blank">www.antropologi.info</a> der schneller als alle anderen einige Beiträge bereits auf seinen Blog verlinkt hat. Alle zukünftigen Besucher sind dazu angehalten Kommentare zu hinterlassen, so dass eine Reflexion zu den Beiträgen nicht allein geschehen muss.</p>
<p>Es ist längst Zeit für ein Paradigmenwechsel, so dass ein solcher Beiträg überflüssig wird.</p>
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		<title>Über diesen Blog</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Dec 2009 13:57:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Schräpel</dc:creator>
				<category><![CDATA[In eigner Sache]]></category>
		<category><![CDATA[Ethnologie]]></category>
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		<description><![CDATA[Dieser Blog kommentiert den Alltag. Die Kommentare sind dabei nicht nur Wertungen und Urteile sondern bieten eine Blickrichtung, die in einer breiten Öffentlichkeit zumeist überhaupt nicht wahrgenommen wird. Wildes Denken nähert sich verschiedenen Bereichen wie Politik, Sport, Wissenschaft oder Medien aus einer ethnologischen Perspektive. Dies klingt auf den ersten Blick trivial, doch die Autoren dieses [...]


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			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Dieser Blog kommentiert den Alltag. Die Kommentare sind dabei nicht nur Wertungen und Urteile sondern bieten eine Blickrichtung, die in einer breiten Öffentlichkeit zumeist überhaupt nicht wahrgenommen wird. Wildes Denken nähert sich verschiedenen Bereichen wie Politik, Sport, Wissenschaft oder Medien aus einer ethnologischen Perspektive. Dies klingt auf den ersten Blick trivial, doch die Autoren dieses Blogs sind der Meinung, dass die Ethnologie, und das von ihr produzierte Wissen, vielmehr bereitstellt als die wenigen Stereotypen auf die das Fach häufig reduziert wird. <span id="more-1"></span>Die Ethnologie (dies ist für den fachfremden Leser) ist längst nicht mehr die Wissenschaften der „nackten Wilden“ in den exotischen Teilen unserer Erde. Eine oft zitierte Definition als Wissenschaft des „kulturell Fremden“ (<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3406448054?ie=UTF8&amp;tag=ethnologiestu-21" target="_blank">Kohl 2000</a>) mag einige Hinweise geben, dass die Ethnologie ihre Gegenstandsbereiche in beinahe allen Teilen der Gesellschaft finden kann. Kulturell fremd sind eben nicht nur die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Himba" target="_blank">Ova-Himba</a> im nördlichen Namibia (und Angola) oder die unbekannten <a href="http://www.welt.de/vermischtes/article915505/Unbekannter_Indianerstamm_im_Amazonasgebiet_entdeckt.html" target="_self">Kayapo</a> im Amazonas. Oft kann das kulturell Fremde eben auch im Haus des Nachbarn, in einem Molekularlabor oder im Fußballstadion gefunden werden. Längst sind dies die Forschungsfelder vieler Ethnologen und sie bieten spannende und wichtige Blicke auf Kultur und Gesellschaft. Die Unübersichtlichkeit der vielen Beziehungen in einer vernetzten Welt müssen regelrecht dazu führen die Erkenntnisse aus der Ethnologie zu Rate zu ziehen. Und doch sind es oft andere Fächer, die durch ihre Daten Aussagen über die Welt machen. Selbst in den &#8220;klassischen&#8221; Bereichen wie Migrationsforschung, Interkulturalität oder Konfliktforschung sind es Psychologen, Soziologen oder Politikwissenschafter die in der Öffentlichkeit stehen. Dieser Verlust der Stimme ist zum Teil selbst verschuldet. Die Reflexion des Eigenem bis zur Selbstzerstörung ist in keinen anderen Fach so eminent wie in der Ethnologie. Diesem Prozess entgegen zu wirken ist die Aufgabe des Blogs: <em>Wild Denken</em>!</p>
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