<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Wildes Denken</title>
	<atom:link href="http://www.wildes-denken.de/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.wildes-denken.de</link>
	<description>Die Welt auf ethnologisch</description>
	<lastBuildDate>Fri, 20 Aug 2010 19:31:32 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.0.1</generator>
		<item>
		<title>Kommentar zur Ausschreibung der Universitätsprofessur W2 (Ethnologie) in Hamburg</title>
		<link>http://www.wildes-denken.de/2010/08/kommentar-ausschreibung-universitatsprofessur-hamburg/</link>
		<comments>http://www.wildes-denken.de/2010/08/kommentar-ausschreibung-universitatsprofessur-hamburg/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 19 Aug 2010 18:19:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Florian Mühlfried</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft & Technik]]></category>
		<category><![CDATA[Ausschreibung]]></category>
		<category><![CDATA[Ethnologie]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Lehre]]></category>
		<category><![CDATA[Professur]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.wildes-denken.de/?p=487</guid>
		<description><![CDATA[Liebe Lesende, mit diesem Eintrag möchte ich meiner Verwunderung über die aktuelle Ausschreibung einer W2-Professur am Hamburger Institut für Ethnologie Ausdruck verliehen und versuchen, eine Debatte zu diesem Thema anzustoßen (Ausschreibung angehängt). Da soll mal also in Lateinamerika UND in Afrika südlich der Sahara geforscht haben und noch eine Reihe weiterer Kriterien erfüllen. Eine solch [...]


Ähnliche Beiträge:<ol><li><a href='http://www.wildes-denken.de/2010/03/sundenbock-jugendamt-ein-kommentar/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Sündenbock Jugendamt?! &#8211; Ein Kommentar'>Sündenbock Jugendamt?! &#8211; Ein Kommentar</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Lesende,</p>
<p>mit diesem Eintrag möchte ich meiner Verwunderung über die aktuelle Ausschreibung einer W2-Professur am Hamburger Institut für Ethnologie Ausdruck verliehen und versuchen, eine Debatte zu diesem Thema anzustoßen (Ausschreibung angehängt). Da soll mal also in Lateinamerika UND in Afrika südlich der Sahara geforscht haben und noch eine Reihe weiterer Kriterien erfüllen. Eine solch enge Ausschreibung macht einen ausgewogenen, weitgehend objektiven Auswahlprozess doch sehr schwierig, um es vorsichtig zu sagen. Ob die Berufungskommission da wohl mitmacht?</p>
<p>Und dann gibt es da ja auch noch (mindestens) eine Vorgeschichte: Zum 1.10.2010 war eigentlich eine Juniorprofessur (W1) ausgeschrieben, sehr offen übrigens. Das Verfahren ist dann aber erstmal zum Stillstand gekommen, und jetzt gibt es also diese neue Stellenausschreibung …</p>
<p>Die Stellensituation für EthnologInnen ist (mit ganz wenigen Ausnahmen, z.B. Brasilien) sowieso ja schon mal einfach grauenhaft. Viele potentielle BewerberInnen kommen auf ohnehin schon sehr wenige verfügbare Stellen. Wenn dann die Stellenausschreibungen noch so verengt werden, dass nur ein quasi handverlesener Kreis (wenn überhaupt) in Frage kommt, dann schlägt das schon aufs Gemüt, oder?</p>
<p>Würde mich sehr freuen, wenn eine breitere Diskussion zu diesem – und ähnlichen – Verfahren zu Stande käme &#8211; es geht um unsere Zukunft!</p>
<p>Mit besten Grüßen aus Halle,</p>
<p>Florian Mühlfried.</p>
<p>_____</p>
<p>Hier gibt es die offizielle Ausschreibung als <a href="http://www.wildes-denken.de/uploads/Professur_HH.pdf">Download</a>.</p>
<p><a href="http://www.addtoany.com/add_to/facebook?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2010%2F08%2Fkommentar-ausschreibung-universitatsprofessur-hamburg%2F&amp;linkname=Kommentar%20zur%20Ausschreibung%20der%20Universit%C3%A4tsprofessur%20W2%20%28Ethnologie%29%20in%20Hamburg" title="Facebook" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/facebook.png" width="16" height="16" alt="Facebook"/></a> <a href="http://www.addtoany.com/add_to/twitter?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2010%2F08%2Fkommentar-ausschreibung-universitatsprofessur-hamburg%2F&amp;linkname=Kommentar%20zur%20Ausschreibung%20der%20Universit%C3%A4tsprofessur%20W2%20%28Ethnologie%29%20in%20Hamburg" title="Twitter" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/twitter.png" width="16" height="16" alt="Twitter"/></a> <a href="http://www.addtoany.com/add_to/google_buzz?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2010%2F08%2Fkommentar-ausschreibung-universitatsprofessur-hamburg%2F&amp;linkname=Kommentar%20zur%20Ausschreibung%20der%20Universit%C3%A4tsprofessur%20W2%20%28Ethnologie%29%20in%20Hamburg" title="Google Buzz" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/google_buzz.png" width="16" height="16" alt="Google Buzz"/></a> <a class="a2a_dd addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save">Weitersagen</a> </p>

<p>Ähnliche Beiträge:</p><ol><li><a href='http://www.wildes-denken.de/2010/03/sundenbock-jugendamt-ein-kommentar/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Sündenbock Jugendamt?! &#8211; Ein Kommentar'>Sündenbock Jugendamt?! &#8211; Ein Kommentar</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.wildes-denken.de/2010/08/kommentar-ausschreibung-universitatsprofessur-hamburg/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Michel Foucault: Kritik der Gouvernementalität &amp; Gouvernementalität als Chance</title>
		<link>http://www.wildes-denken.de/2010/07/michel-foucault-kritik-der-gouvernementalitat-gouvernementalitat-als-chance/</link>
		<comments>http://www.wildes-denken.de/2010/07/michel-foucault-kritik-der-gouvernementalitat-gouvernementalitat-als-chance/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 20 Jul 2010 11:34:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gregor Ritschel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft & Technik]]></category>
		<category><![CDATA[centres of calculation]]></category>
		<category><![CDATA[Foucault]]></category>
		<category><![CDATA[Gouvernementalität]]></category>
		<category><![CDATA[Leviathan]]></category>
		<category><![CDATA[Neoliberalismus]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.wildes-denken.de/?p=437</guid>
		<description><![CDATA[&#8220;Wie ist es möglich, daß man nicht derartig, im Namen dieser Prinzipien da, zu solchen Zwecken und mit solchen Verfahren regiert wird – daß man nicht so und nicht dafür und nicht von denen da regiert wird?&#8221;[1] So charakterisiert Michel Foucault die parallel zu den sich seit Anbeginn des 15. Jahrhunderts entwickelnden Regierungskünsten entstehende Intervention [...]


Keine ähnlichen Beiträge.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Wie ist es möglich, daß man nicht derartig, im Namen dieser Prinzipien da, zu solchen Zwecken und mit solchen Verfahren regiert wird – daß man nicht so und nicht dafür und nicht von denen da regiert wird?&#8221;[<a href="http://www.wildes-denken.de/2010/07/michel-foucault-kritik-der-gouvernementalitat-gouvernementalitat-als-chance/#footnote_0_437" id="identifier_0_437" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Foucault, Michel 1992: Was ist Kritik, Berlin: Merve Verlag. S. 11-12.">1</a>] So charakterisiert Michel Foucault die parallel zu den sich seit Anbeginn des 15. Jahrhunderts entwickelnden Regierungskünsten entstehende Intervention einer &#8220;kritischen Haltung&#8221;, die als Gegenstück der Regierungskunst, stets deren Partnerin und Wiedersacherin zugleich war.[<a href="http://www.wildes-denken.de/2010/07/michel-foucault-kritik-der-gouvernementalitat-gouvernementalitat-als-chance/#footnote_1_437" id="identifier_1_437" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. Foucault, Michel 1992: Was ist Kritik, Berlin: Merve Verlag. S. 12.">2</a>]</p>
<p><a href="#_ftn2"></a><img class="alignright size-medium wp-image-440" title="leviacault" src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/07/leviacault-300x249.jpg" alt="" width="300" height="249" /></p>
<p>Michel Foucaults historisches Interesse richtete sich Ende der siebziger Jahre auf die Frage nach der Möglichkeit einer guten Regierung, die ihrer Bevölkerung ein größtmögliches Maß an Freiheit anbietet. Kritik ist, und soll der Gegenpol und zugleich notwendiger Bezugspunkt einer solchen &#8216;Gouvernementalen Regierungskunst&#8217; sein. Bevor es hier im Weiteren darum geht aufzuzeigen, worin diese besteht, und wie sie sich entwickelt hat, bleibt festzuhalten, dass auch diese &#8216;gute Regierung&#8217; ohne Kritik an ihr nicht leben kann. In diesem Sinne schrieb Foucault: &#8220;Politik ist nicht mehr und nicht weniger als das, was mit dem Widerstand gegen die Gouvernementalität entsteht, die erste Erhebung, die erste Konfrontation.&#8221;[<a href="http://www.wildes-denken.de/2010/07/michel-foucault-kritik-der-gouvernementalitat-gouvernementalitat-als-chance/#footnote_2_437" id="identifier_2_437" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Foucault, Michel 2005: Die Geburt der Biopolitik, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag. S. 486.">3</a>]<span id="more-437"></span></p>
<p>Michel Foucaults analytisches Raster der &#8220;Gouvernementalität&#8221; versucht Regierungsrationalitäten und Programme historisch am Beispiel der Entwicklung der souveränen Staatsräson hin zur liberalen Regierungskunst aufzuzeigen. Nachlesbar ist seine Fahndung nach der Gouvernementalität in den Vorlesungen, die er Ende der siebziger Jahre am Collège de France in Paris hielt. Diese trugen den Titel &#8220;Sicherheit, Territorium, Bevölkerung&#8221; (1978) und &#8220;Die Geburt der Biopolitik&#8221; (1979). Beide Zusammen werden auch als die &#8220;Geschichte der Gouvernementalität&#8221; bezeichnet.</p>
<p>Schon der erste Titel hebt zwei entscheidende Elemente hervor: &#8216;das Territorium&#8217; und &#8216;die Bevölkerung&#8217;. Foucault meint hier einen historischen Wandel des Aufmerksamkeitsschwerpunktes der Regierung erkennen zu können. Die Sorge der Regierung galt immer weniger der eigenen territorialen Intergität und wandte sich stattdessen immer mehr der eigenen Bevölkerung zu. Was ist die Bevölkerung? Die Bevölkerung ist zunächst des Gegenteil einer anonymen Masse, sie ist etwas in Zeit und Raum Vermessenes und Kartographiertes. Das bedeutet, dass die Bevölkerung erst mit der historischen Erfindung der Statistik[<a href="http://www.wildes-denken.de/2010/07/michel-foucault-kritik-der-gouvernementalitat-gouvernementalitat-als-chance/#footnote_3_437" id="identifier_3_437" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Statistik kommt etymologisch betrachtet vom lateinischen Wort statisticum was soviel hei&szlig;t wie &amp;#8216;den Staat betreffend&amp;#8217;. Daher wurden die Staatswissenschaften bis ins 18 Jh. Auch Statistik genannt. Ihre Aufgabe war das Sammeln und Analysieren von quantitativen Daten der Bev&ouml;lkerung.">4</a>] und der Sozialwissenschaften im weitesten Sinne entstand bzw. epistemologisch sichtbar wurde. Die Regierung stützt sich seit dem auf ein bestimmtes Wissen, das in &#8220;centres of calculation&#8221; von Experten erstellt wird.[<a href="http://www.wildes-denken.de/2010/07/michel-foucault-kritik-der-gouvernementalitat-gouvernementalitat-als-chance/#footnote_4_437" id="identifier_4_437" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. Rose, Nikolas; Miller Peter 1992: Political Power beyond the State: Problematics of Government, British Journal of Sociology 43(2): 173-205. S.185.">5</a>] Diese innere Logik der Gouvernementalität birgt jedoch die Gefahr der Depolitisierung in sich, insofern es bestimmten &#8220;wissenschaftlichen&#8221; Schulen gelingt, diese &#8220;centres of calculation&#8221; hegemonial zu besetzen.[<a href="http://www.wildes-denken.de/2010/07/michel-foucault-kritik-der-gouvernementalitat-gouvernementalitat-als-chance/#footnote_5_437" id="identifier_5_437" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Gegenw&auml;rtig spricht alles daf&uuml;r, dass die &amp;#8220;Rational choice theory&amp;#8221; dies Position inne hat. Diese ist besonders strak im angloamerikanischen Raum vertreten und in der Tat scheint sich heute niemand in der Politikberatung zu finden, der nicht in den USA Wirtschaftswissenschaften studiert hat oder aber Vertreter der &amp;#8220;Rational choice theory&amp;#8221; ist.">6</a>] Foucault selbst, geht auf diese Problematik nicht weiter ein und beschränkt sich in seiner Vorlesung auf die Rolle des deskriptiv arbeitenden Historikers bzw. Genealogen der Machtformationen.</p>
<p>So konstantiert er einen Prinzipienwandel in der Regierungskunst: galt es der souveränen Macht, die sich nur um sich selbst sorgt, sinngemäß &#8220;sterben zu machen und leben zu lassen&#8221;, so geht es der modernen &#8220;biopolitischen Regierung&#8221;, die sich um die Bevölkerung sorgt, darum &#8220;sterben zu lassen und leben zu machen&#8221;. Die Zwischenschritte dieser historischen Entwicklung sind zunächst die Entwicklung vom naturrechtlichen Souveränitätsmodell über die &#8216;gute Policey&#8217; der frühen Neuzeit bis hin zur liberalen Kritik am Politzeistaat und schließlich der liberalen Regierungsformation. Nimmt man das Wort &#8216;Mentalität&#8217; aus der Gouvernementalität herraus,[<a href="http://www.wildes-denken.de/2010/07/michel-foucault-kritik-der-gouvernementalitat-gouvernementalitat-als-chance/#footnote_6_437" id="identifier_6_437" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ob dies von Foucault intendiert war oder nicht sei hier unbeachtet.">7</a>] wird ersichtlich, dass es der gouvernementalen Vernuft auch und vor allem auf die Bestimmung der Denkweise ihrer Subjekte, bzw. der Vorgabe eines Rahmens, innerhalb dessen das Denken ablaufen soll, ankommt. Dies steht im Gegensatz zu Theorie Hobbes &#8220;Der Leviathan&#8221; von 1651. Hobbes begnügte sich damit, die Menschen mit Furcht zu führen.</p>
<p>Warum sollten sich die Regierten aber auch mit ihrem Gehorsam gegenüber der Regierung völlig identifizieren? Auch hier ist der Schlüssel zum Verständis ein historischer. Folgt man Foucaults Ausführungen, so erkennt man, dass die klassische souveräne Staatsmacht, das Feudalsystem sowie auch die Kirche bzw. das bisher unhinterfragte monistische christliche Pastorat[<a href="http://www.wildes-denken.de/2010/07/michel-foucault-kritik-der-gouvernementalitat-gouvernementalitat-als-chance/#footnote_7_437" id="identifier_7_437" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Foucault definiert mit Pastorat die christliche gepr&auml;gte Technik einer aufopfernden F&uuml;hrerschaft der Seelen.">8</a>] im 16. und 17. Jahrundert in die Krise geriet. Die Reformation und schließlich der Dreißigjährige Krieg zerrissen jede bis dahin gewachsene Form von Ordnung. Der Boom der Regierungsratgeber des 16. und 17. Jahrhundert ist auch eine Reaktion darauf. Es galt die zersprengte Gesellschaft wieder einzufangen, eine neue Ordnung zu stiften und vor allem die Bevölkerung wieder produktiv zu machen, zum Wachsen zu bringen. Das Mittel dafür war das Zusammengehen von staatlicher Souveränität und der Technik des Pastorats. Wurden bisher die Körper vom Staat beherrscht und die Seelen vom christlichen Pastorat geführt, so übernahm die neue gouvernementale Regierungskunst als Hybrid beide Aufgaben zugleich und wachte über den &#8216;neuen Menschen&#8217;, den Bürger der bürgerlichen Gesellschaft der Seele und Körper zugleich war.</p>
<p>Bestes Beispiel für die neue gouvermentale Symbiose der alten ordungsstiftenden Regime sind die 1698 gegründeten Franckeschen Stiftungen zu Halle. Hier wurde mit fürstlichen Wohlwollen die pietistische Glaubensgruppe beim Bau einer Reformschule utopischen Ausmaßes unterstützt mit dem Ziel, neue Subjekte heranzubilden, die ihrereseits – bestärkt durch ihren Glauben und ihre Moral – alles daran setzen werden die Gesellschaft &#8216;zum Besseren&#8217; d.h. zu mehr Produktivität zu führen. Dies wiederum ist von Vorteil für den Fürsten, für sein Territorium, wie für seine gesamte Bevölkerung.[<a href="http://www.wildes-denken.de/2010/07/michel-foucault-kritik-der-gouvernementalitat-gouvernementalitat-als-chance/#footnote_8_437" id="identifier_8_437" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. R&uuml;diger, Axel 2005: Staatslehre und Staatsbildung. die Staatswissenschaft an der Universit&auml;t Halle im 18. Jahrhundert, T&uuml;bingen: Niemeyer. S. 100 &ndash; 103.">9</a>]</p>
<p>Das Instrument gouvernementaler Vernuft wurde die &#8216;Policey&#8217; (Verwaltungswissenschaft) des 18. Jahrhunderts die, anders als die heutige Polizei, mit allen Berreichen der Lebensführung betraut wurde. Politik griff über die Policey nun nicht mehr nur auf die obersten Schichten eines feudalen Systems zu, sondern grub sich tief hinein in kleinste lebenspraktische Fragen des Alltags. Typische Policeytheoretiker waren Samuel Pufendorf, Chistian Thomasius und Christian Wolff, die sich kritisch mit Thomas Hobbes und auch Niccolò Machiavellis bereits in die Krise geratenen Souveränitätsmodell auseinandersetzten.</p>
<p>Innerhalb Foucaults Vorlesungen nimmt der Begriff der Regierung eine immer größere Rolle gegenüber dem des Staates ein. Der Staat ist für ihn immer nur ein Netz von regierenden Instanzen. Macht wird für Foucault nie nur von oben über Potenz ausgeübt, sondern findet sich stets überall in den alltäglichsten Beziehungen. Würde man nur von einer Staatsmacht reden, so liefe man Gefahr zu essentialisieren und tatsächliche vielfältige und ambivalente Machtbeziehungen auszublenden. In diesem Sinne sollte sich – so Foucault – nun endlich auch die politische Theorie vom Souveränitästsmodell der Macht befreien und ihren Fokus auf alltägliche Machtbeziehungen und regierende Instanzen lenken, die sich weit unter der Staatsebene befinden: &#8220;Was wir brauchen ist eine politische Philosophie, die nicht um das Problem der Souveränität [...] herum aufgebaut ist; man muss dem König den Kopf abschlagen, und in der politischen Theorie hat man das noch nicht getan&#8221;.[<a href="http://www.wildes-denken.de/2010/07/michel-foucault-kritik-der-gouvernementalitat-gouvernementalitat-als-chance/#footnote_9_437" id="identifier_9_437" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Foucault, Michel; Fontana, A.; Pasquino, P. 1976: &amp;#8220;Gespr&auml;ch mit Michel Foucault&amp;#8221;, In: Defert, Daniel; Ewald, Franc&ccedil;ois (Hrsg.) 2003: Michel Foucault: Schriften, Band III. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag. S. 200.">10</a>]</p>
<p>Die liberale Bewegung hat ihren Ursprung in einer Kritik gegenüber diesem &#8216;zu viel regiert zu werden&#8217;, das typisch für den Policeystaat war. Frühe liberale Regierungsprogramme fußten auf der Grundannahme einer Sphäre, die selbst keiner Regierung bedarf, da sie sich selbst natürlich regiert und formt: sie beriefen sich auf die Gesellschaft des Marktes. Der Mensch innerhalb eines liberalen Regierungssystems muss also einzig dahin gebracht werden, frei zu sein, am Markt teilzunehmen. Dies ist die Essenz des liberalen Freiheitsbegriffes. Die Errungenschaft der bürgerlichen Revolutionen waren Rechte gegenüber dem Staat, der bis dahin fast willkürlich herrschte und der im Paradigma der souveränen und policeystaatlichen Regierungsrationalität Gefahr lief, durch ein &#8216;zu viel Herrschen&#8217; kreative unternehmerische Potentiale zu erdrücken. Der Staat soll nun einzig die Sicherheit des Marktplatzes vor Räubern und Dieben gewährleisten. Ein Meilenstein der Bürgerrechte war der 1679 in England beschlossene &#8220;Habeas Corpus Act”, der den englischen Bürgern das Recht gegenüber dem Staat garantierte, nicht ohne Grund und richterlichen Beschluss festgesetzt zu werden.</p>
<p>Die Freiheit der liberalen Gesellschaft hat jedoch auch eine züchtige Zwillingsschwester: Die Disziplin, die in ihren spinnennetzartig in der neuen Gesellschaft wuchernden Schulen, Krankenhäusern und Fabriken mit harter – und nicht immer direkt sichtbarer – Hand herrschte.[<a href="http://www.wildes-denken.de/2010/07/michel-foucault-kritik-der-gouvernementalitat-gouvernementalitat-als-chance/#footnote_10_437" id="identifier_10_437" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. Foucault, Michel 2008: &Uuml;berwachen und Strafen, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag. S. 285.">11</a>] Die Disziplin bildete die normierten Seelen heran, die zum &#8216;Gefängnis der Körper&#8217; wurden. Freiheit und Zwang innerhalb einer liberalen Gesellschaft sind notwendig eng ineinander verwoben und aufeinander angewiesen. Ohne Disziplin keine Akkumulation des Kapitals, und ohne diese kein Wachstum, kein staatslegitimierender &#8220;Wohlstand für Alle&#8221;. Eine jede liberale Regierung muss darauf bedacht sein, das richtige Gleichgewicht zwischen Zwang und Freiheit zu finden. Gelingt dies, so gibt es die Möglichkeit des Wohlstands, ohne dass eine faktische gesellschaftliche Gleichheit realisiert oder auch nur erwünscht ist. Soziale Unterschiede scheinen schon durch die Arbeitsteilung der industriellen Gesellschaft notwendig und inhärent. Armut beispielsweise wird vom Liberalismus nicht als systemimmanent, sondern als ein moralisches Problem pathologischer Individuen angesehen.</p>
<p>Die &#8220;Gouvernementalität der Gegenwart&#8221;[<a href="http://www.wildes-denken.de/2010/07/michel-foucault-kritik-der-gouvernementalitat-gouvernementalitat-als-chance/#footnote_11_437" id="identifier_11_437" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Siehe dazu: Br&ouml;ckling, Ulrich; Krasmann, Susanne; Lemke, Thomas (Hrsg.) 2000: Gouvernementalit&auml;t der Gegenwart. Studien zur &Ouml;konomisierung des Sozialen, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag.">12</a>] wird von Foucault weitgehend mit dem liberalen Programm einer &#8220;minimalen&#8221; Regierung indentifiziert. Es geht im libralen Regierungsprogramm darum, ihren Subjekten größtmögliche Freiheit anzubieten, ohne sie direkt und paradox zur Freiheit zu zwingen.[<a href="http://www.wildes-denken.de/2010/07/michel-foucault-kritik-der-gouvernementalitat-gouvernementalitat-als-chance/#footnote_12_437" id="identifier_12_437" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. Foucault, Michel 2005: Die Geburt der Biopolitik, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag. S. 97.">13</a>] Dafür bedient sich die Regierung administrativer Rahmensetzungen die Handlungsmöglichkeiten eingrenzen, aber auch aufzeigen sollen. Grundlegend ist hier Foucaults Auffassung, dass alle Subjekte, auf die Macht ausgeübt wird, notwendig frei sein müssen. Nur derjenige, der eine Auswahl treffen kann, ist frei und somit auch beeinflussbar. Auch die Regierungsmacht setzt daher immer freie Subjekte voraus und ist daher nie purer Zwang.[<a href="http://www.wildes-denken.de/2010/07/michel-foucault-kritik-der-gouvernementalitat-gouvernementalitat-als-chance/#footnote_13_437" id="identifier_13_437" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. Foucault, Michel: &amp;#8220;Subjekt und Macht&amp;#8221;, In: Defert, Daniel; Ewald, Franc&ccedil;ois (Hrsg.) 2005: Michel Foucault: Schriften, Band IV. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag. S. 286.">14</a>]</p>
<p>Die Freiheit, die die gegenwärtigen Regierungsrationalität zu realisieren versucht, ist allerdings nur in einem bestimmten Sinne: im liberalen bzw. ökonomischen Sinne zu verstehen. Die liberale Freiheit ist keine sozialsitische Freiheit, die als Gegenpol angeführt werden könnte.</p>
<p>Die liberale Gouvernementalität geriet – wie schon die Regierungsrationalitäten vor ihr – in die Krise, weil sie nicht nur Arbeistlosigkeit, Armut und Unzufriedenheit produzierte, sondern auch Wirtschaftskrisen nicht verhindern konnte. Der Markt brachte also keinen Wohlstand für alle, der Markt konnte sich nicht einmal von selbst halten. Scheinbar führte er sogar zu Kriegen und kolonialen Ausbeutugssystemen. So stellte es sich zumindest aus der Perspektive des Sozialismus der, der als Kritik des Liberalismus im 19. Jahrhundert entstand. Neben diesem rief der Liberalismus auch in gewisser Weise den Nationalismus, Rassismus und Nationalsozialismus hervor, die jeweils auf ihre eigene Art und Weise dem Partikularismus des Marktes eine neue Form von Gemeinschaft gegenüberstellten.</p>
<p>Der in die Defensive geratene Liberalismus suchte nun nach neuen Antworten. John Maynard Keynes entwarf in den neunzehndreißiger Jahren eine Form des Staatsinterventionismus. Der Keynesianismus unternahm den Versuch, mittels staatlicher Eingriffe die Wirtschaft anzukurbeln und mit Sozialhilfe den Konsum der Unterschichten zu sichern. Nach dem zweiten Weltkrieg, der in den Augen des Liberalismus ein für alle Mal die Gefahr &#8216;normativer Politik&#8217; aufgezeigt hatte, gewann der Liberalismus wieder die Oberhand, wenn auch in gemäßigter sozialverträglicher Form. Der neue Liberalismus der Nachkriegszeit (Foucault nennt ihn Neoliberalismus) stützte sich nicht nur auf Keynesianismus sondern entwickelte weitere neue Konzepte, wie den Ordoliberalismus in Deutschland. Der Ordoliberalismus ging davon aus, dass der Staat über den Markt herrschen müsse und diesen vor seinen inhärenten Selbstzerstörungs- und Monopolisierungslogiken beschützen müsste. Die Ordoliberalen sahen im Markt nichts Natürliches, sondern ein Kunstprodukt, das es mit Kunstfertigkeit zu erhalten galt. Der Staat selbst bezog seine Legitimation nach dem zweiten Weltkrieg nur noch aus seiner Fähigkeit, den Markt zu realisieren und mit dem Markt den Wohlstand. Der Staat diente dem Markt und somit den Menschen des Marktes. Auch die keynsianische Sozialliberale Koalition bis zur Regierung Helmut Schmidt fallen für Foucault unter die Regierungsrationalität des Neoliberalismus.</p>
<p>Heute meint man mit Neoliberalismus eher eine andere Schule, die parrallel verlief, und die den scheinbar automatisch Staatsschulden verursachenden Keynsianismus (den Foucault zum Neoliberalismus zählt) durchaus kritisch betrachtete. Diese Traditionslinie verläuft über die Ökonomen Ludwig von Mieses, Friedrich August von Hayek bis zu deren Schülern Margaret Thatcher und Ronald Reagen – und darüber hinaus. In dieser Traditionslinie ist das Vertrauen auf den Markt unbegrenzt. Alles, auch die Regierung, wird den Gesetzen des Marktes unterworfen, der im Gegensatz zum Keynsianismus und Ordoliberalismus wieder als etwas Naturwüchsiges konzeptualisiert wird. Gab es je eine Krise, so lag die Ursache nicht etwa in einer zu geringen Staatsintervention, sondern in der bloßen Tatsache einer Staatsintervention. Neoliberale dieser Traditionslinie sehen zwar die sozialen Probleme die durch die Zurücknahme des Sozialstaats produziert werden, nehmen diese aber aufgrund ihrer &#8216;Präferenzordnung&#8217; ohne weiters in Kauf: Ihrer Regierungsrationalität getreu folgend, war es Margaret Thatchers erste politische Amsthandlung als Kultus- und Wirtschaftsministerin, die staatlich sichergestellte Gratismilch an Primärschulen zu streichen, was ihr den Spitznamen &#8220;Margret Thatcher, the milk snatcher&#8221; einbrachte.</p>
<p>Diese normative Engführung der Freiheit basiert auf dem Menschenbild des Liberalismus. Das Subjekt und Objekt einer liberalen Regierungskunst ist der Homo oeconomicus, der stets seinen unmittelbaren Präferenzen folgt. Foucault verweist in seiner Vorlesung exemplarisch auf Gary S. Beckers &#8220;Human Capital Theory&#8221;, die in den siebziger Jahren einen wichtigen theoretischen Anstoss zum politischen Neoliberalismus gab.[<a href="http://www.wildes-denken.de/2010/07/michel-foucault-kritik-der-gouvernementalitat-gouvernementalitat-als-chance/#footnote_14_437" id="identifier_14_437" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Foucault, Michel 2005: Die Geburt der Biopolitik, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag. S. 307-324.">15</a>] Foucault schlussfolgert, dass der egoistische Homo oeconomicus gerade durch seine unmittelbare Präferenzenfixiereung durch negative und positive Anreizsysteme &#8220;eminent regierbar&#8221; ist. Die Schaffung von Rahmen ist das sogenannte gouvernementale Prinzip der &#8220;Führung der Führung&#8221;. So sollen besipielsweise Verbrecher (egal wie pathologisch) im liberalen System durch möglichst hohe &#8220;negative Anreize&#8221; (Strafen) dazu gebracht werden, vor Verbrechen zurrückzuschrecken, wobei immer zugleich bedacht werden muss, dass der Aufwand des Strafens und Überwachens nicht unökonomisch werden darf. Es geht also um eine permanente Berechnung des Grenznutzens auf allen Seiten der gesellschaftlichen Teilnehmer am Machtspiel.[<a href="http://www.wildes-denken.de/2010/07/michel-foucault-kritik-der-gouvernementalitat-gouvernementalitat-als-chance/#footnote_15_437" id="identifier_15_437" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. Foucault, Michel 2005: Die Geburt der Biopolitik, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag. S. 343-359.">16</a>]</p>
<p>In diesem Paradigma, das oftmals als purer Sozialdarwinismus kritisiert wird, ist jeder wieder &#8216;seines eigenen Glückes Schmied&#8217; oder aber &#8216;selbst Schuld&#8217;, der Staat oder das politische System ist jedenfalls nicht verantwortlich. Der politische Körper des Leviathans wird zunächt verschlankt,[<a href="http://www.wildes-denken.de/2010/07/michel-foucault-kritik-der-gouvernementalitat-gouvernementalitat-als-chance/#footnote_16_437" id="identifier_16_437" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. Fach, Wolfgang: Staatsk&ouml;rperkultur 2000. Ein Traktat &uuml;ber den schlanken Staat. In: Br&ouml;ckling, Ulrich; Krasmann, Susanne; Lemke, Thomas (Hrsg.): Gouvernementalit&auml;t der Gegenwart. Studien zur &Ouml;konomisierung des Sozialen, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag. S. 110 -130.">17</a>] und schließlich aufgelöst, bis sich alle Menschen ohne &#8216;normatives Regelwerk&#8217; einander gegenüberstehen und frei sind sich in &#8220;communities&#8221; zu engagieren.[<a href="http://www.wildes-denken.de/2010/07/michel-foucault-kritik-der-gouvernementalitat-gouvernementalitat-als-chance/#footnote_17_437" id="identifier_17_437" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. Kreissl, Reinhard: Community. In: Br&ouml;ckling, Ulrich; Susanne Krassmann; Lemke, Thomas (Hrsg.): Glossar der Gegenwart, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag.">18</a>] Die soziale Verantwortung, die der Staat aus Kostengründen nicht mehr tragen will, wird in die Subjekte selbst transferiert. Diese sollen Verantwortung gegenüber sich selbst und ihrer community übernehmen. Die Form der community ist kontingent, sie kann eine Familie, eine Versicherung, eine Abstammungsgemeinschaft oder eine &#8220;gated commuity&#8221; (eine von privaten Sicherheitsdiensten bewachte Siedlung) sein. Alle Formen sollen mehr oder weniger marktwirtschaftlich agieren. Es werden also durchaus Anreize zur Bildung von marktwirtschaftlichen Knotenpunkten gesetzt, die Teilgesellschaften regieren, aber der Staat als Meta-Instanz ist in der Regierungsmentalität des Neoliberalismus nicht erwünscht. Der Staat ist heute ideologisch das Schmuddelkind, das höchstens noch zum Nachtwächterstaat taugt und das obwohl seine faktische Macht bis heute weit hinein in den Körper – bis tief in unsere Pupille – hineinreicht.</p>
<p>Bisher wurde deutlich, dass die Gouvernementalität der Gegenwart, trotz ihres selbsterwählten Anspruchs &#8216;alles so einzurichten, dass ein jeder frei ist&#8217;,[<a href="http://www.wildes-denken.de/2010/07/michel-foucault-kritik-der-gouvernementalitat-gouvernementalitat-als-chance/#footnote_18_437" id="identifier_18_437" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. Foucault, Michel 2005: Die Geburt der Biopolitik, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag. S. 97.">19</a>] in Ambivalenzen schillert. Zusammenfassend gilt es daher zu erläutern, wo die konkreten Probleme und inhärenten Gefahren der Gouvernementalität der Gegenwart liegen könnten.</p>
<p>Trotz aller wissenschaftlicher sozialtechnischer Vermessung besteht die Schwierigkeit, dass die unmittelbare Präferenz des wählenden Wesens Homo oeconomicus immer erst im Nachhinein mit Sicherheit festgestellt werden kann. Problematisch ist auch der von der Regierung vorgegebene Handlungsrahmen, der außerhalb des postulierten Spektrums stehende Alternativen aus dem Sichtbarkeitsfeld verschwinden lässt. Emanzipatorisch oder revolutionär wäre hier ein Aufschiebendes &#8220;Ich möchte lieber nicht&#8221; Herman Melvilles Bartleby, oder eine Zurückweisung von vorgegebenen Alternativen, die – insofern sie akzeptiert werden – den Wählenden als einen Homo oeconomicus ausweisen. Jede Wahl ist hier ein Bekenntnis.</p>
<p>Zudem ist fraglich, ob ein liberaler Regierungskomplex, der eine Symbiose mit einer &#8216;sozialwissenschaftlich – statistisch – kommerziellen Feedbackmaschine&#8217; eingegangen ist, den Rahmen der Handlungsmöglichkeiten immer stärker verengt, oder besser immer enger auf die Regierten zuschneidet, bis er sie zur Bewegungslosigkeit verdammt. Gouvernementalität scheint aus ihrer Eigenlogik heraus zu einer &#8216;sachgerechten&#8217; Verwaltungslogik über die Dinge zum Zwecke der &#8220;Freiheit&#8221; zu verkommen. Der angebliche Scheinwiderspruch gouvernementaler Vernunft scheint beim Wiederspruch des erdrückenden &#8216;Imperativs zur Freiheit&#8217; stehenzubleiben, &#8220;bis wir alle immer tun müssen, was wir wollen&#8221;.[<a href="http://www.wildes-denken.de/2010/07/michel-foucault-kritik-der-gouvernementalitat-gouvernementalitat-als-chance/#footnote_19_437" id="identifier_19_437" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Br&ouml;ckling, Ulrich: &bdquo;Wir m&uuml;ssen immer tun, was wir wollen!&amp;#8221;, Vortrag gehalten am 24.03.2010 auf der Tagung: &amp;#8220;Vom Zwang zur Freiheit, Zur Unterscheidbarkeit von Freiheit und Zwang: Freisetzung und Vergesellschaftung des Subjekts von der Aufkl&auml;rung bis in die Gegenwart des 21. Jahrhunderts&rdquo;, Ein Kolloquium des Exzellenznetzwerks &bdquo;Aufkl&auml;rung &ndash; Religion &ndash; Wissen&ldquo;, des Interdisziplin&auml;ren Zentrums f&uuml;r die Erforschung der Europ&auml;ischen Aufkl&auml;rung (IZEA) und des Forschungszentrums &bdquo;Laboratorium Aufkl&auml;rung&ldquo;.">20</a>] Und falls doch etwas gewollt wird, was weniger rational erscheint als das, was nach statistischem Kalkül die Mitte der Gesellschaft eigentlich wollen müsste, so haben die Abweichler auch die Konsequenzen für ihre tendentiell pathologischen Wünsche zu tragen. Raucher werden beispielsweise aus Solidaritätsgemeinschaften wie Versicherungen herausgedrängt oder müssen, je nach individualisiertem Risiko, höhere Beiträge leisten.</p>
<p>Ein anderes Beispiel, das uns das &#8216;Paradox der erzwungenen Wahl&#8217;[<a href="http://www.wildes-denken.de/2010/07/michel-foucault-kritik-der-gouvernementalitat-gouvernementalitat-als-chance/#footnote_20_437" id="identifier_20_437" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Zizek, Slavoj 1991: Liebe dein Symptom wie dich selbst!, Merve Verlag: Berlin. S. 121-123.">21</a>] vor Augen führt: So kann sich der als pathologisch behandelte Hartz-IV-Empfänger zwar offiziell entscheiden, eine ihm angebotene Fortbildungsmaßnahme von möglicherweise zweifelhaftem Nutzen anzutreten. Faktisch aber kann er diese nicht ablehnen, da ihm sonst seine Sozialbezüge gekürzt werden. Zumindest in diesem Beispiel besteht somit der Verdacht, dass das gouvernementale Programm seinen eigenen Anspruch &#8216;Freiheit zu ermöglichen&#8217; ins Gegenteil verkehrt hat. Wo eine gouvernementale Regierungskunst sich vornahm, durch die Setzung von Rahmen &#8216;sanft zu führen&#8217;, läuft sie gegenwärtig Gefahr, diese Rahmen der Handlungsmöglichkeiten so zu verengen, dass nichts als ein ideologischer Anspruch eines freien Feldes der Möglichkeiten übrig bleibt.</p>
<p>Die Frage, die heute im Raum steht und die innerhalb der sogenannten „Gouvernmentality Studies“ diskutiert werden sollte, ist die Frage danach ob ein in seiner Tendenz scheinbar technokratisches kalkulierendes &#8216;gouvernementales&#8217; Regime, das bis auf kleinste Ebenen mit Anreizsetzungen regiert und stets darauf bedacht ist Risiken (aber auch Kosten) zu vermeiden, überhaupt noch Spielraum lässt für Politik im Sinne gesellschaftlicher Entscheidungen. Wo die Gouvernementalität Freiheit ermöglichen sollte, läuft sie Gefahr zu einem quasi &#8216;gouvernemen-totalitären&#8217; Überwachungssystem zu werden, das seinem Objekt nur die Freiheit zwischen zwei Alternativen lässt: sich &#8216;richtig&#8217; oder sich &#8216;falsch&#8217; zu entscheiden.</p>
<p>Um das einführende Zitat zu wiederholen, bleibt an dieser Stelle nur mit Foucault zu sagen: &#8220;Politik ist nicht mehr und nicht weniger als das, was mit dem Widerstand gegen die Gouvernementalität entsteht, die erst Erhebung, die erste Konfrontation.&#8221;[<a href="http://www.wildes-denken.de/2010/07/michel-foucault-kritik-der-gouvernementalitat-gouvernementalitat-als-chance/#footnote_21_437" id="identifier_21_437" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Foucault, Michel 2005: Die Geburt der Biopolitik, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag. S. 486.">22</a>]</p>
<p>Dennoch kann dies aber nicht heißen, die Gouvernementalität als Regierungsprogramm zu verdammen, vielmehr muss es darum gehen, sie durch konstruktive Kritik vom falschen Kurs einer Verengung auf liberale Freiheiten und das Menschenbild des Homo oeconomicus abzubringen und sie auch auf die Realisierung sozialer Freiheiten hinzuwenden. Es geht also darum, durch Kritik zu politisieren und das Bewusstsein dafür zu wahren, dass alles politisierbar ist. Wenn dies gelingt, kann die Gouvernementalität als Regierungskunst tatsächlich zu einer „singulären Allgemeingültigkeit“ werden, die Gesellschaft herstellt, anstatt sie in kalkulierenden Individuen aufzulösen.[<a href="http://www.wildes-denken.de/2010/07/michel-foucault-kritik-der-gouvernementalitat-gouvernementalitat-als-chance/#footnote_22_437" id="identifier_22_437" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Foucault, Michel 2005: Die Geburt der Biopolitik, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag. S. 482.">23</a>]</p>
<hr size="1" />
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_437" class="footnote">Foucault, Michel 1992: Was ist Kritik, Berlin: Merve Verlag. S. 11-12.</li><li id="footnote_1_437" class="footnote">Vgl. Foucault, Michel 1992: Was ist Kritik, Berlin: Merve Verlag. S. 12.</li><li id="footnote_2_437" class="footnote">Foucault, Michel 2005: Die Geburt der Biopolitik, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag. S. 486.</li><li id="footnote_3_437" class="footnote">Statistik kommt etymologisch betrachtet vom lateinischen Wort statisticum was soviel heißt wie &#8216;den Staat betreffend&#8217;. Daher wurden die Staatswissenschaften bis ins 18 Jh. Auch Statistik genannt. Ihre Aufgabe war das Sammeln und Analysieren von quantitativen Daten der Bevölkerung.</li><li id="footnote_4_437" class="footnote">Vgl. Rose, Nikolas; Miller Peter 1992: Political Power beyond the State: Problematics of Government, British Journal of Sociology 43(2): 173-205. S.185.</li><li id="footnote_5_437" class="footnote">Gegenwärtig spricht alles dafür, dass die &#8220;Rational choice theory&#8221; dies Position inne hat. Diese ist besonders strak im angloamerikanischen Raum vertreten und in der Tat scheint sich heute niemand in der Politikberatung zu finden, der nicht in den USA Wirtschaftswissenschaften studiert hat oder aber Vertreter der &#8220;Rational choice theory&#8221; ist.</li><li id="footnote_6_437" class="footnote">Ob dies von Foucault intendiert war oder nicht sei hier unbeachtet.</li><li id="footnote_7_437" class="footnote">Foucault definiert mit Pastorat die christliche geprägte Technik einer aufopfernden Führerschaft der Seelen.</li><li id="footnote_8_437" class="footnote">Vgl. Rüdiger, Axel 2005: Staatslehre und Staatsbildung. die Staatswissenschaft an der Universität Halle im 18. Jahrhundert, Tübingen: Niemeyer. S. 100 – 103.</li><li id="footnote_9_437" class="footnote">Foucault, Michel; Fontana, A.; Pasquino, P. 1976: &#8220;Gespräch mit Michel Foucault&#8221;, In: Defert, Daniel; Ewald, Francçois (Hrsg.) 2003: Michel Foucault: Schriften, Band III. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag. S. 200.</li><li id="footnote_10_437" class="footnote">Vgl. Foucault, Michel 2008: Überwachen und Strafen, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag. S. 285.</li><li id="footnote_11_437" class="footnote">Siehe dazu: Bröckling, Ulrich; Krasmann, Susanne; Lemke, Thomas (Hrsg.) 2000: Gouvernementalität der Gegenwart. Studien zur Ökonomisierung des Sozialen, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag.</li><li id="footnote_12_437" class="footnote">Vgl. Foucault, Michel 2005: Die Geburt der Biopolitik, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag. S. 97.</li><li id="footnote_13_437" class="footnote">Vgl. Foucault, Michel: &#8220;Subjekt und Macht&#8221;, In: Defert, Daniel; Ewald, Francçois (Hrsg.) 2005: Michel Foucault: Schriften, Band IV. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag. S. 286.</li><li id="footnote_14_437" class="footnote">Foucault, Michel 2005: Die Geburt der Biopolitik, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag. S. 307-324.</li><li id="footnote_15_437" class="footnote">Vgl. Foucault, Michel 2005: Die Geburt der Biopolitik, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag. S. 343-359.</li><li id="footnote_16_437" class="footnote">Vgl. Fach, Wolfgang: Staatskörperkultur 2000. Ein Traktat über den schlanken Staat. In: Bröckling, Ulrich; Krasmann, Susanne; Lemke, Thomas (Hrsg.): Gouvernementalität der Gegenwart. Studien zur Ökonomisierung des Sozialen, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag. S. 110 -130.</li><li id="footnote_17_437" class="footnote">Vgl. Kreissl, Reinhard: Community. In: Bröckling, Ulrich; Susanne Krassmann; Lemke, Thomas (Hrsg.): Glossar der Gegenwart, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag.</li><li id="footnote_18_437" class="footnote">Vgl. Foucault, Michel 2005: Die Geburt der Biopolitik, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag. S. 97.</li><li id="footnote_19_437" class="footnote">Bröckling, Ulrich: „Wir müssen immer tun, was wir wollen!&#8221;, Vortrag gehalten am 24.03.2010 auf der Tagung: &#8220;Vom Zwang zur Freiheit, Zur Unterscheidbarkeit von Freiheit und Zwang: Freisetzung und Vergesellschaftung des Subjekts von der Aufklärung bis in die Gegenwart des 21. Jahrhunderts”, Ein Kolloquium des Exzellenznetzwerks „Aufklärung – Religion – Wissen“, des Interdisziplinären Zentrums für die Erforschung der Europäischen Aufklärung (IZEA) und des Forschungszentrums „Laboratorium Aufklärung“.</li><li id="footnote_20_437" class="footnote">Zizek, Slavoj 1991: Liebe dein Symptom wie dich selbst!, Merve Verlag: Berlin. S. 121-123.</li><li id="footnote_21_437" class="footnote">Foucault, Michel 2005: Die Geburt der Biopolitik, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag. S. 486.</li><li id="footnote_22_437" class="footnote">Foucault, Michel 2005: Die Geburt der Biopolitik, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag. S. 482.</li></ol><p><a href="http://www.addtoany.com/add_to/facebook?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2010%2F07%2Fmichel-foucault-kritik-der-gouvernementalitat-gouvernementalitat-als-chance%2F&amp;linkname=Michel%20Foucault%3A%20Kritik%20der%20Gouvernementalit%C3%A4t%20%26%23038%3B%20Gouvernementalit%C3%A4t%20als%20Chance" title="Facebook" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/facebook.png" width="16" height="16" alt="Facebook"/></a> <a href="http://www.addtoany.com/add_to/twitter?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2010%2F07%2Fmichel-foucault-kritik-der-gouvernementalitat-gouvernementalitat-als-chance%2F&amp;linkname=Michel%20Foucault%3A%20Kritik%20der%20Gouvernementalit%C3%A4t%20%26%23038%3B%20Gouvernementalit%C3%A4t%20als%20Chance" title="Twitter" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/twitter.png" width="16" height="16" alt="Twitter"/></a> <a href="http://www.addtoany.com/add_to/google_buzz?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2010%2F07%2Fmichel-foucault-kritik-der-gouvernementalitat-gouvernementalitat-als-chance%2F&amp;linkname=Michel%20Foucault%3A%20Kritik%20der%20Gouvernementalit%C3%A4t%20%26%23038%3B%20Gouvernementalit%C3%A4t%20als%20Chance" title="Google Buzz" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/google_buzz.png" width="16" height="16" alt="Google Buzz"/></a> <a class="a2a_dd addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save">Weitersagen</a> </p>

<p>Keine ähnlichen Beiträge.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.wildes-denken.de/2010/07/michel-foucault-kritik-der-gouvernementalitat-gouvernementalitat-als-chance/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Lasst das Licht an. Gedanken zu Ethnologie und Film.</title>
		<link>http://www.wildes-denken.de/2010/07/lasst-das-licht-an-gedanken-zu-ethnologie-und-film/</link>
		<comments>http://www.wildes-denken.de/2010/07/lasst-das-licht-an-gedanken-zu-ethnologie-und-film/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 08 Jul 2010 19:09:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedemann Ebelt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[audi-visuelle Anthropologie]]></category>
		<category><![CDATA[Dokumentarfilm]]></category>
		<category><![CDATA[Ethnologie]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Visuelle Anthropologie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.wildes-denken.de/?p=399</guid>
		<description><![CDATA[﻿﻿Die audio-visuelle Anthropologie (gemeint ist wissenschaftliches Arbeiten über und mit Bild und Ton) hat sich innerhalb der Ethnologie zu einer Trenddisziplin entwickelt. Obwohl oder gerade weil sich Blogs, Seminare, Festivals, Sommerschulen und ganze Masterprogramme auf das Thema konzentrieren, ist die audio-visuelle Anthropologie einem Rechtfertigungsdruck ausgesetzt und muss darum ringen als wissenschaftliches Arbeiten anerkannt zu werden. [...]


Ähnliche Beiträge:<ol><li><a href='http://www.wildes-denken.de/2009/12/c-copyrights/' rel='bookmark' title='Permanent Link: (c) Copyrights: Was willst du? Was wollen die? &#8211; Ein Kommentar zum Film Bad Copy Good Copy'>(c) Copyrights: Was willst du? Was wollen die? &#8211; Ein Kommentar zum Film Bad Copy Good Copy</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>﻿﻿Die audio-visuelle Anthropologie (gemeint ist wissenschaftliches Arbeiten über und mit Bild und Ton) hat sich innerhalb der Ethnologie zu einer <a href="http://www.google.com/search?hl=en&amp;q=visuelle+anthropologie&amp;aq=f&amp;aqi=g1&amp;aql=&amp;oq=&amp;gs_rfai">Trenddisziplin</a> entwickelt. Obwohl oder gerade weil sich Blogs, Seminare, Festivals, Sommerschulen und ganze Masterprogramme auf das Thema konzentrieren, ist die audio-visuelle Anthropologie einem Rechtfertigungsdruck ausgesetzt und muss darum ringen als wissenschaftliches Arbeiten anerkannt zu werden. Dabei geht es um die Frage, warum Film und nicht Text. Der audio-visuellen Anthropologie wird  Euphorie und Skepsis entgegengebracht, was ihr nur helfen kann bewusster mit Bild und Ton umzugehen. In diesem Sinn habe ich mich gefragt, was gegen das Präsentieren ethnologischer Arbeiten in Form von Audiovisionen spricht. Ich freue mich auf jeden Fall auf Kommentare, Links, Beispiele, Fragen und Kritik unter diesen Blogbeitrag und hoffe, dass er noch wächst.</p>
<p style="text-align: justify">Ich habe zwei Beispiele vom <a href="http://www.hkw.de/en/programm/2010/berlin_documentary_forum/projekt_detail.php">Berlin Documentary Forum I</a>, um besser verständlich zu machen, um was es mir geht. Weiter unten werde ich dann genereller und trage mehr oder weniger sortiert ein paar Gedanken zum Thema zusammen.<span id="more-399"></span></p>
<h3><strong>Beispiel 1: Der inszenierende Edgar Morin</strong></h3>
<h4><a href="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/07/6040099.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-394" style="margin-left: 10px;margin-right: 10px" src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/07/6040099-300x225.jpg" alt="" width="206" height="154" /></a></h4>
<p style="text-align: justify">Die Künstler Ayreen Anastas, Rene Gabri (<a href="http://liminalspaces.org/?page_id=11">Kurz CV</a>) und <a href="http://www.vdb.org/smackn.acgi$artistdetail?BUCHERF">Francois Buch</a><a href="http://www.vdb.org/smackn.acgi$artistdetail?BUCHERF">er</a> stellten auf dem Berlin Documentary Forum I ihre filmische Wiederauferstehung von <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Chronique_d%27un_%C3%A9t%C3%A9"><em>Chronicles of a Summer</em></a> von Edgar Morin und Jean Rouch vor. Sie haben Material, was Morin und Rouch im Film selbst nicht verwendetet haben, in Archiven gefunden und wieder in den Film eingefügt und damit sozusagen ein full-footage von <em>Chronicles of a Summer</em> hergestellt. In der restaurierten Abschlussdiskussion der ProtagonisInnen in einem Pariser Kino, die auch den originalen Film abschließt, kritisiert ein Mädchen Edgar Morin. Sie sagt, er habe in der Szene in der alle beim Abendessen zusammen sitzen und diskutieren, vorgegeben, was sie sagen sollten. Edgar Morin antworte darauf in etwa, dass er an dieser Stelle wahrscheinlich etwas zu sehr &#8216;den Rahmen vorgegeben&#8217; habe. Dieser Dialog taucht, obwohl er für einen selbstreflexiven Film durchaus relevant ist, in<a href="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/07/6040118.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-398" style="margin-left: 10px;margin-right: 10px" src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/07/6040118-300x225.jpg" alt="" width="195" height="146" /></a> <em>Chronicles of a Summer</em>, nicht auf.</p>
<p style="text-align: justify">Sind die selektiven Eingriffe in Film einfach zu schwerwiegend, um einer Filmaussage trauen zu können und wenn ja woran liegt das? Kann im Film zu viel verheimlicht, manipuliert und verdeckt werden? Ist Text eine dichtere und sichere Basis für wissenschaftliches Arbeiten?</p>
<p style="text-align: justify">
<h3><strong>Beispiel 2: Frederick Wiseman liest nicht, worüber er filmt.</strong></h3>
<p style="text-align: justify"><a href="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/07/6050146.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-395" style="margin-left: 10px;margin-right: 10px" src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/07/6050146-300x225.jpg" alt="" width="198" height="148" /></a>Es ist nichts neues, dass Frederick Wiseman von sich sagt, keine explizit politischenFilme zu machen. Wer <em>Titticut Follys</em> gesehen hat, mag vielleicht glauben, dass Wiseman <em>Überwachen und Strafen</em> von Michel Foucault oder Ähnliches gelesen hat, um diesen Film zu machen. Aber: im Gespräch nach dem Screening von <em>Primate </em>wurde klar, dass dem nicht so ist. Eyal Sivan fragte Frederik Wiseman nach Michel Foucault und erhielt in etwa die Antwort, dass er versucht habe Foucault zu lesen, er aber nicht das Gefühl hatte es gut zu verstehen und es sein lies. Im nächsten Satz sagte Wiseman über Erving Goffman, dass er so schlecht schreibe, dass er auch seine Bücher sein lies. Frederick Wiseman verkündete <em>Chroniken eines Sommers</em> nie gesehen zu haben und kommentierte das mit: „Is that a crime?“.</p>
<p style="text-align: justify">Mit seinem Pragmatismus brachte Frederick Wiseman die Hälfte der versammelten Intellektuellen zum Lachen und die andere Hälfte stieß er mächtig vor den Kopf.</p>
<p style="text-align: justify"><a href="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/07/6050183.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-396" style="margin-left: 10px;margin-right: 10px" src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/07/6050183-300x225.jpg" alt="" width="170" height="127" /></a>Ich fragte mich danach, ob die ganze Sozialkritik in Wisemans Filmen, nur eine von vielen Lesarten und nicht definitiv im Film angelegt sei. (Zu seiner Zeit waren Wisemans Filme kaum kritisch.) Ist es möglich ethnologisch wertvolle Filme ohne große Forschung zu machen? Verlieren die Filme von Wiseman dadurch an Wert, dass sie von einem Filmhandwerker und nicht von einem theoretisch und methodisch ausgebildeten Ethnologen gemacht wurden? Und überhaupt: wie kann ethnologisches Wissen in Filme eingebracht werden? Ist das der Grund, warum Text besser geeignet ist, weil er streitbar ist und Missinterpretationen in peniblen wissenschaftlichen Grabenkriegen diskutiert werden?</p>
<h3><strong>Gedankensammlung zur audio-visuellen Anthropologie</strong></h3>
<p style="text-align: justify">Sind die beiden Filme oben, als ethnologische oder wissenschaftliche Filme gescheitert, obwohl sie zu den Dinosauriern der Filmgeschichte zählen? Kann das    	 	 	 	 	überhaupt  sein, oder sind die Ansprüche an ethnologischen Film falsch gesetzt? Zu allem Überfluss gibt es noch mehr <a href="http://www.kunst-der-vermittlung.de/dossiers/bildforschung-farocki/harun-farocki-drueckebergerei-vor-der-wirklichkeit/"><em>Ärger mit den Bildern</em></a>, der es Film schwer macht einen Platz im wissenschaftlichen Arbeitsprozess zu finden, damit meine ich den Austausch von Wissen unter WissenschaftlerInnen und auch mit einem Publikum. Dafür gibt es gute und weniger gute Gründe:</p>
<ul style="text-align: justify">
<li>Film und Video sind zu wenig 	statisch: 24 bzw. 25 Bilder rasen pro Sekunde an den Augen vorbei 	ohne, dass sich das Publikum eine wichtige Stelle markieren kann, 	wie es in jedem Buch möglich ist. Dabei bleibt wenig Zeit zum 	innehalten um Inhalte aufzunehmen.</li>
<li>Ein Film lässt sich schwierig 	zitieren und damit schwierig diskutieren. Wie könnte eine 	Aussage eines Filmes in einem anderen Film ergänzt oder 	angegriffen werden? Kann filmisch überhaupt eine Diskussion, 	oder ein Diskurs geführt werden?</li>
<li>Mit Film wird in der Ethnologie 	noch nicht entsprechend wissenschaftlich umgegangen, wie mit Text. 	Als Beispiel eine Selbstbeobachtung: noch bevor der Film beginnt 	wird es dunkel und ich verrenke mich auf meinem Sitz, versuche meine 	Zettel etwas in Richtung der Leinwand zu drehen damit von ihr etwas 	Licht zum Notieren auf meine Blätter fällt. Schließlich 	sehe ich einen Film auf einem Festival vermutlich nur einmal und 	vertraue meinen (Bild)-gedächtnis nur eingeschränkt. Das 	dabei entstehende Gekritzel kann ich nachher kaum noch entziffern. 	Was ich mit dieser verknoteten Metapher sagen möchte ist: 	„lasst das Licht an“, denn Audiovisionen, im wissenschaftlichen 	Kontext, müssen genauso akribisch zerlegt werden, wie Texte. 	Beim einmaligen Betrachten eines Films bleibt wahrscheinlich genauso 	viel hängen, wie beim schnellen Überfliegen eines Texts in 	der S-Bahn. Film verstehen heißt Film zerlegen. Beim 	Rezipieren gehören Filme auf den Seziertisch, dessen 	Instrumente sich die audio-visuelle Anthropologie entweder bauen, 	oder klauen muss (aus der Film- und Medienwissenschaft?).</li>
<li>Die wirklich relevanten Themen 	sind nicht einfach spannende Verfilmungen von &#8216;exotischen&#8217; Thesen, 	sondern die Erkenntnisse die durch die Bearbeitung eines Themas mit 	Bild und Ton entstehen. Zum Beispiel sind das Fragen der 	Repräsentation und Darstellung. Wie kann ich mit einer Kamera 	losziehen und zu Rassismen filmen, ohne dabei automatisch in 	rassistische Muster und Denkschienen zu verfallen? Wie sind 	Rassismen zufilmen, ohne mit der Kamera Jagd auf Andersaussehende zu 	machen? In einer Welt in der Wissen zu großen Teilen 	audiovisuell vermittelt wird (Bild und Ton in Wissenschaft, Technik, 	Werbung, Freizeit&#8230;), sind solche Fragen wichtige Schnittstellen 	zwischen ethnologischem Inhalt und audiovisueller Form.</li>
<li>Mit Bildern des Fremden und des 	Eigenen wird ungleich umgegangen. Seit einiger Zeit laufen große 	Debatten zu den Themen &#8216;Rechte am eigenen Bild&#8217;, &#8216;Recht auf 	informationelle Selbstbestimmung&#8217; und &#8216;Datensicherheit&#8217;. Wer sich 	dieser Dinge bewusst ist, wird sehr genau achten, welche privaten 	Informationen er von sich selbst in sozialen Netzwerken im Internet 	veröffentlicht. Mit Rücksicht darauf werden in 	wissenschaftlichen Texten (z.B. Ethnografien), wenn nötig, 	InformantInnen anonymisiert. Auf der Suche nach Nähe zu einem 	Protagonisten, die aus einem noch nicht geklärten Grund oft als 	Ziel ethnologischer Filme gilt, besteht die Gefahr diese Rechte zu 	verletzten. Auch im Film haben Menschen ein Recht darauf ihre 	Persönlichkeit vor dem Zugriff eines unbekannten Publikums in 	unbekannten und unvorhersehbaren Rezeptionssituationen zu schützen. 	Das gilt besonders, wenn Bilder zwischen Kulturen bewegt werden. 	Eine klassisch-kritische Debatte innerhalb der visuellen Ethnologie 	ist die Frage, ob Bilder von Frauen, für die es nicht schamhaft 	ist oben unbekleidet zu sein, ohne weiteres in Europa gezeigt werden 	sollten.</li>
<li>Film wird zu stark als Endprodukt 	verstanden. Film ist zum 	geringsten Teil Licht, was von einem Projektor auf eine Leinwand 	fällt, Film ist was vor- und nachher geschieht. Der Beitrag den 	ein Film zu einem Thema leisten kann wird minimiert, wenn der 	Produktionsprozess (Drehbedingungen, Entscheidungen in Dramaturgie, 	Schnitt, Szenenauswahl, Auswahl der Aussagen nicht zu diskutieren 	etc.) und der Rezeptionsprozess (Kontextwissen, Filmgeschichte, 	Filmanalyse etc.) nicht als Teil des Films verstanden werden.</li>
<li>„Viele Filme &#8216;funktionieren&#8217; 	einfach nicht, sie sind nicht &#8216;gut&#8217;.“ Mit solchen Aussagen ist 	gemeint, dass ein Film nicht spannend ist oder er &#8216;komisch&#8217; wirkt, 	weil wir ihn nicht intuitiv als angenehmes/verstehbares Seherlebnis 	empfinden. Dieser Umgang mit Film ist problematisch, wenn lediglich 	der Unterhaltungswert des Films aus einer Konsumentenperspektive 	beurteilt wird. Wissenschaftliche Texte werden im Idealfall auch 	nicht nach ihrem Funktionieren oder Unterhalten bewertet.</li>
</ul>
<h3><strong>Gibt es ein Fazit?</strong></h3>
<p style="text-align: justify">Selbst wenn die Argumentation Text sei streitbarer, expliziter, fokussierter und langlebiger und erlaube bessere theoretische Entfaltung als Film (was ich nicht glaube), ist es kein Weg die Bedeutung von Audiovisionen für die Gegenwart zu ignorieren. Wahrscheinlich hat jede Veränderung von Medien- und Kommunikationsgewohnheiten bei KritikerInnen Bedenken hervorgerufen. In der Lesesucht-Debatte des 18. Jahrhunderts wurde hinlänglich bekannt, dass Bücherlesen eine extreme Form des Eskapismus ist und die Lesekranken den Bezug zur realen Welt verlieren, wenn sie in die Welt der Drucklettern eintauchen. Platon kritisierte an der Schrift, sie trockne das Gedächtnis aus, weil sie die Tugend des Auswendiglernens unterwandere. Malerei zerstört die Phantasie, Fotografie zerstört die Malerei, der Spielfilm vernichtet das Theaterstück und SMS machen konversationsimpotent. Diese Erkenntnisse ziehe ich als Sicherheit heran, um zu behaupten, dass es nicht um eine Frage des Informationsträgers (Papier, miniDV oder Festplatte) geht, sondern um Kompetenzen im Umgang mit ihnen. Bilder und Ton pauschal ablehnen, weil sie irgendwie anders sind als Text, halte ich für eine bildungsresistente Haltung, die einer Geisteswissenschaft nicht steht. In diesem Sinne ist es erfrischender sich nach Gilles Deleuze einen Filmemacher als einen Philosophen vorzustellen, der mit Bildern und Tönen denkt. Der Druck, der auf audio-visueller Anthropologie lastet, rüht auch daher, dass audio-visuelle Rezeptionskompetenzen gegenüber einer ausgereiften wissenschaftlichen Schriftkultur schlicht aufgeholt werden müssen: sprachliche Stilfiguren sind Schulstoff, Paralellmontagen nicht.</p>
<p style="text-align: justify">Das Anliegen dieses Blogbeitrags in einem Satz, denke ich, lautet: audio-visuelle Anthropologie muss, um sich qualitativ entfalten zu können, den impressionistischen Wert von Filmen, jedes Genres, den auch Literatur hat, als Beitrag für Wissenschaft aufnehmen und gleichzeitig die theoretischen, analytischen und diskursiven Kompetenzen im Umgang mit Audiovisionen ausbauen.</p>
<div style="overflow: hidden;width: 1px;height: 1px"><!-- 		@page { size: 21.59cm 27.94cm; margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --></p>
<p style="margin-bottom: 0cm">zählen</p>
</div>
<p><a href="http://www.addtoany.com/add_to/facebook?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2010%2F07%2Flasst-das-licht-an-gedanken-zu-ethnologie-und-film%2F&amp;linkname=Lasst%20das%20Licht%20an.%20Gedanken%20zu%20Ethnologie%20und%20Film." title="Facebook" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/facebook.png" width="16" height="16" alt="Facebook"/></a> <a href="http://www.addtoany.com/add_to/twitter?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2010%2F07%2Flasst-das-licht-an-gedanken-zu-ethnologie-und-film%2F&amp;linkname=Lasst%20das%20Licht%20an.%20Gedanken%20zu%20Ethnologie%20und%20Film." title="Twitter" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/twitter.png" width="16" height="16" alt="Twitter"/></a> <a href="http://www.addtoany.com/add_to/google_buzz?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2010%2F07%2Flasst-das-licht-an-gedanken-zu-ethnologie-und-film%2F&amp;linkname=Lasst%20das%20Licht%20an.%20Gedanken%20zu%20Ethnologie%20und%20Film." title="Google Buzz" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/google_buzz.png" width="16" height="16" alt="Google Buzz"/></a> <a class="a2a_dd addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save">Weitersagen</a> </p>

<p>Ähnliche Beiträge:</p><ol><li><a href='http://www.wildes-denken.de/2009/12/c-copyrights/' rel='bookmark' title='Permanent Link: (c) Copyrights: Was willst du? Was wollen die? &#8211; Ein Kommentar zum Film Bad Copy Good Copy'>(c) Copyrights: Was willst du? Was wollen die? &#8211; Ein Kommentar zum Film Bad Copy Good Copy</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.wildes-denken.de/2010/07/lasst-das-licht-an-gedanken-zu-ethnologie-und-film/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>13</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Über Vuvuzelarisierung und den Beginn einer neuen Weltordnung</title>
		<link>http://www.wildes-denken.de/2010/06/vuvuzelarisierung-und-neuen-weltordnung/</link>
		<comments>http://www.wildes-denken.de/2010/06/vuvuzelarisierung-und-neuen-weltordnung/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 19 Jun 2010 00:10:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Schräpel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feste]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft & Technik]]></category>
		<category><![CDATA[Fußball]]></category>
		<category><![CDATA[Süd vs Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Südafrika]]></category>
		<category><![CDATA[Vuvuzela]]></category>
		<category><![CDATA[WM 2010]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.wildes-denken.de/?p=378</guid>
		<description><![CDATA[Nein, die bisherigen Fußballspiele der WM in Südafrika halten bisher noch nicht, was sich die meisten Fans versprochen hatten. Viel zu wenig Tore, unüblich viele Unentschieden, keine Zauberfußball der Superstars. Was ist denn da los? Ein Blick in die Zeitungen und die Berichterstattung der letzen Woche entlarvt einen ‚afrikanischen’ Teilnehmer der WM als Schuldigen. Die [...]


Ähnliche Beiträge:<ol><li><a href='http://www.wildes-denken.de/2009/12/avatar-film-ethnologie/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Avatar – Ein ethnologischer Blockbuster oder Von edlen Wilden, Kolonialismus und der Macht um Wissen'>Avatar – Ein ethnologischer Blockbuster oder Von edlen Wilden, Kolonialismus und der Macht um Wissen</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nein, die bisherigen Fußballspiele der WM in Südafrika halten bisher noch nicht, was sich die meisten Fans versprochen hatten. Viel zu wenig Tore, unüblich viele Unentschieden, keine Zauberfußball der Superstars. Was ist denn da los? Ein Blick in die Zeitungen und die Berichterstattung der letzen Woche entlarvt einen ‚afrikanischen’ Teilnehmer der WM als Schuldigen.<a href="http://www.wildes-denken.de/2010/06/vuvuzelarisierung-und-neuen-weltordnung/" target="_self"><img class="alignright size-medium wp-image-379" title="Vuvuzela" src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/06/vuvuzela2-300x186.jpg" alt="" width="300" height="186" /></a></p>
<p>Die Vuvuzela ist das Ärgernis der meisten Fußballkommentatoren, die es in der ersten Woche nicht lassen konnten die Fernsehzuschauer immer wieder darauf hinzuweisen, wie grausam diese Form des afrikanischen Fangesangs doch ist. Die Begründungen sind freilich ganz verschieden: da gibt es ein paar Nostalgiker, die sich an wunderbaren Fangesänge in europäischen Stadien erinnern, andere fürchten um die Qualität des Spiels, denn die „nervtrötende Dröhnung“ der Vuvuzelas zerstört die Kommunikation unter Spielern, Trainern und wahrscheinlich auch unter den Kommentatoren. Zuweilen glaubte man wohl, dass mit dieser Kritik, wenn sie nur oft genug gesagt würde, ein Verbot der Vuvuzelas in den Stadien zu erzwingen. Deshalb war es wohl auch nur ein logischer Schritt öffentliche Kritiker zu finden. Und tatsächlich Messi findet die Vuvuzelas nicht gut, auch Bierhoff nicht so richtig und die SPIEGEL-ONLINE-Leser sind auch unbedingt dagegen.<span id="more-378"></span></p>
<p>Alle Klagen haben bisher jedoch noch nicht gefruchtet, denn die Vuvuzelas sind hartnäckig, sie dröhnen weiter, wie Bienen in einem Nest. Dass die Forderung eines Verbots einen bedeutenden Widerspruch mit sich bringt, wird scheinbar einfach vergessen. Man stelle sich vor welch enormer Wettbewerbsnachteil entstehen würde, wenn eine solche Änderung erst in der Mitte des Turniers stattfindet. Vielleicht werden deshalb auch die Protestrufe (die im Übrigen fast noch lauter und nerviger sind als die Vuvuzelas jemals sein könnten) mit Beginn der zweiten WM-Woche etwas leiser. Bestimmt aber auch, weil dass „europäische Gehör“ jetzt doch noch anders gerettet werden kann. Die Angst der Fernsehmacher vor dem &#8220;Stadion-Tinnitus&#8221; wird durch einen neuen <a href="http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,700931,00.html" target="_blank">Anti-Vuvuzela-Filter</a> ausgeschaltet. Damit liegt die Kontrolle wieder in der Hand derjenigen die sie scheinbar auch haben müssen. <a href="http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,693190,00.html" target="_blank">123,9 Dezibel</a> Vuvuzelatröte werden durch einen Lautstärkeregler einfach wegretuschiert und Fangesänge, die wohl nur wenige Dezibel darunter liegen, werden etwas lauter gedreht. Mit dieser Lösung sollten doch (fast) alle zufrieden sein? „Die Afrikaner“ können weiter ihrem Kult tröten, jedoch nicht mehr ganz so laut, „die Europäer“ hören wieder ein paar Fangesänge, auch wenn mit ungewohnten Unterton und die Kommentatoren bekommen „Lippenmikrofone“ und hören den Stadionton sowieso über ihre Kopfhörer. Da die Vorstellung das Spieler über den Fußballplatz rufen „Hey, schieß mal den Ball rüber“ absurd ist, sollten diese eigentlich auch d’accord gehen und den wütenden Trainer am Seitenrand versteht man so oder so. Alle zufrieden, also?</p>
<p>Nein, denn <em>wir</em> sollten es nicht sein! Nimmt man einen solchen medial-konstruierten Diskurs nämlich ernst, auch wenn es um eine (naja, beinahe) unernste Sache geht, dann sollte dieser unbedingt kritisch hinterfragt werden. Genaugenommen sind die Vuvuzelas eben nicht Gegner des guten Spiels oder der fröhlichen Fangesänge, sondern der Fernsehmacher, Stadienbetreiber und Trommelverkäufer (wer fällt dir noch ein?) die eine Vuvuzelarisierung fürchten. Das Plastikhorn ist auch bei weitem nicht die oft proklamierte Form afrikanischen Fußball zu feiern.[<a href="http://www.wildes-denken.de/2010/06/vuvuzelarisierung-und-neuen-weltordnung/#footnote_0_378" id="identifier_0_378" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Leider fehlt bisher jedes Anzeichen einer &bdquo;Geschichte der Vuvuzela&ldquo;. Man wei&szlig; nur, dass sie ein amerikanisches Produkt ist, welches durch einen pfiffigen (indischen) Gesch&auml;ftsmann nach S&uuml;dafrika gekommen ist. Der niedrige Preis spielte bestimmt eine gro&szlig;e Rolle, dass die Vuvuzelas in den letzten vier, f&uuml;nf Jahren in einigen Stadien S&uuml;dafrikas Anh&auml;nger finden konnte. Ihren Ruhm und die weite Verbreitung erhielt sie jedoch erst mit der aufkommenden WM-Euphorie im letzen Jahr.">1</a>] Tatsächlich zeigt ein genauerer Blick: in den WM-Stadien tröten alle Nationen, in Deutschland hört man sie in den Kleingartenanlagen und erst recht auf den Public Viewing Plätzen.</p>
<p>Mit Beginn der nächsten Bundesligasaison stehen also zwei Szenarien zur Verfügung. Entweder haben alle genug getrötet und man besinnt sich aufs trommeln und singen, oder, und das ist die wahrscheinlichere Variante, Ööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööö auch in Hamburg, Stuttgart und München (nicht in Dortmund, denn dort haben sie bereits Stadionverbot, aus Sicherheitsgründen!). Aus gutem Grund beginnt man also früh die Vuvuzela zu verfluchen und sie zum <a href="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,700556,00.html" target="_blank">Hölleninstrument</a> zu machen.</p>
<p>Der Diskurs um die Vuvuzelas könnte auch auf eine andere Art gelesen werden, zugegeben etwas subtiler, dafür jedoch noch gefährlicher. Denn die scheinbare afrikanische Gelassenheit, der etwas tollpatschige Ausdruck der Freude, der immer wieder (wie oben schon gesagt fälschlicherweise) der Vuvuzela zugeschrieben wird, ist ein Erfolgsmodell. Somit wird die Vuvuzela also auch Ausdruck der Angst vor einer Afrikanisierung der europäischen Fankultur. Schlagen die ehemals Kolonialisierten zurück? Ja, denn die Welt trötet mit und das ist gut so!</p>
<p>Allein die Anzahl der Artikel auf SPIEGEL ONLINE zum Thema sind bemerkenswert:</p>
<ul>
<li><a href="# http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,700931,00.html" target="_blank">http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,700931,00.html</a></li>
<li><a href="# http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,700556,00.html" target="_blank">http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,700556,00.html</a></li>
<li><a href="# http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,700434,00.html" target="_blank">http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,700434,00.html</a></li>
<li><a href="# http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,700405,00.html" target="_blank">http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,700405,00.html</a></li>
<li><a href="# http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,700362,00.html" target="_blank">http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,700362,00.html</a></li>
<li><a href="# http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,700342,00.html" target="_blank">http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,700342,00.html</a></li>
<li><a href="# http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,700246,00.html" target="_blank">http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,700246,00.html</a></li>
<li><a href="# http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,693190,00.html" target="_blank">http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,693190,00.html</a></li>
<li><a href="# http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,675376,00.html" target="_blank">http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,675376,00.html</a></li>
</ul>
<hr size="1" /><a href="#_ftnref">[1]</a> Leider fehlt bisher jedes Anzeichen einer „Geschichte der Vuvuzela“. Man weiß nur, dass sie ein amerikanisches Produkt ist, welches durch einen pfiffigen (indischen) Geschäftsmann nach Südafrika gekommen ist. Der niedrige Preis spielte bestimmt eine große Rolle, dass die Vuvuzelas in den letzten vier, fünf Jahren in einigen Stadien Südafrikas Anhänger finden konnte. Ihren Ruhm und die weite Verbreitung erhielt sie jedoch erst mit der aufkommenden WM-Euphorie im letzen Jahr.</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_378" class="footnote">Leider fehlt bisher jedes Anzeichen einer „Geschichte der Vuvuzela“. Man weiß nur, dass sie ein amerikanisches Produkt ist, welches durch einen pfiffigen (indischen) Geschäftsmann nach Südafrika gekommen ist. Der niedrige Preis spielte bestimmt eine große Rolle, dass die Vuvuzelas in den letzten vier, fünf Jahren in einigen Stadien Südafrikas Anhänger finden konnte. Ihren Ruhm und die weite Verbreitung erhielt sie jedoch erst mit der aufkommenden WM-Euphorie im letzen Jahr.</li></ol><p><a href="http://www.addtoany.com/add_to/facebook?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2010%2F06%2Fvuvuzelarisierung-und-neuen-weltordnung%2F&amp;linkname=%C3%9Cber%20Vuvuzelarisierung%20und%20den%20Beginn%20einer%20neuen%20Weltordnung" title="Facebook" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/facebook.png" width="16" height="16" alt="Facebook"/></a> <a href="http://www.addtoany.com/add_to/twitter?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2010%2F06%2Fvuvuzelarisierung-und-neuen-weltordnung%2F&amp;linkname=%C3%9Cber%20Vuvuzelarisierung%20und%20den%20Beginn%20einer%20neuen%20Weltordnung" title="Twitter" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/twitter.png" width="16" height="16" alt="Twitter"/></a> <a href="http://www.addtoany.com/add_to/google_buzz?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2010%2F06%2Fvuvuzelarisierung-und-neuen-weltordnung%2F&amp;linkname=%C3%9Cber%20Vuvuzelarisierung%20und%20den%20Beginn%20einer%20neuen%20Weltordnung" title="Google Buzz" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/google_buzz.png" width="16" height="16" alt="Google Buzz"/></a> <a class="a2a_dd addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save">Weitersagen</a> </p>

<p>Ähnliche Beiträge:</p><ol><li><a href='http://www.wildes-denken.de/2009/12/avatar-film-ethnologie/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Avatar – Ein ethnologischer Blockbuster oder Von edlen Wilden, Kolonialismus und der Macht um Wissen'>Avatar – Ein ethnologischer Blockbuster oder Von edlen Wilden, Kolonialismus und der Macht um Wissen</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.wildes-denken.de/2010/06/vuvuzelarisierung-und-neuen-weltordnung/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Aufruf zum wilden Denken</title>
		<link>http://www.wildes-denken.de/2010/06/aufruf-zum-wilden-denken/</link>
		<comments>http://www.wildes-denken.de/2010/06/aufruf-zum-wilden-denken/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 13 Jun 2010 14:32:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Schräpel</dc:creator>
				<category><![CDATA[In eigner Sache]]></category>
		<category><![CDATA[Ethnologie. Blog]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.wildes-denken.de/?p=373</guid>
		<description><![CDATA[Es geht weiter! Nachdem fast zwei Monate keine Artikel auf wildes-denken.de veröffentlicht worden, wird es nun wieder regelmäßig Beiträge geben. Gleichzeitig suchen wir Gastautoren: Glaubst du, dass die Ethnologie mehr Öffentlichkeit braucht? Hast du häufig eine etwas andere Meinung zu aktuell diskutierten Themen? Bist du davon überzeugt, dass ethnologisches Wissen einen Mehrwert hat, der zugänglicher [...]


Ähnliche Beiträge:<ol><li><a href='http://www.wildes-denken.de/2010/01/wild-denken-gastbeitrage/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Wild denken &#8211; Gastbeiträge'>Wild denken &#8211; Gastbeiträge</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es geht weiter! Nachdem fast zwei Monate keine Artikel auf wildes-denken.de veröffentlicht worden, wird es nun wieder regelmäßig Beiträge geben. Gleichzeitig suchen wir Gastautoren:</p>
<ul>
<li> Glaubst du, dass die Ethnologie mehr Öffentlichkeit braucht?</li>
<li> Hast du häufig eine etwas andere Meinung zu aktuell diskutierten Themen?</li>
<li> Bist du davon überzeugt, dass ethnologisches Wissen einen Mehrwert hat, der zugänglicher gemacht werden sollte?</li>
</ul>
<p>Wenn du eine oder mehrere Fragen mit „Ja“ beantworten kannst, dann solltest du schnellstmöglich hier einen Artikel veröffentlichen.  Mitschreiben ist ganz einfach. Email an <a href="mailto:post@wildes-denken.de" target="_blank">post@wildes-denken.de</a> senden und persönliches LogIn zum veröffentlichen von Artikeln beantragen.</p>
<p><a href="http://www.addtoany.com/add_to/facebook?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2010%2F06%2Faufruf-zum-wilden-denken%2F&amp;linkname=Aufruf%20zum%20wilden%20Denken" title="Facebook" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/facebook.png" width="16" height="16" alt="Facebook"/></a> <a href="http://www.addtoany.com/add_to/twitter?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2010%2F06%2Faufruf-zum-wilden-denken%2F&amp;linkname=Aufruf%20zum%20wilden%20Denken" title="Twitter" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/twitter.png" width="16" height="16" alt="Twitter"/></a> <a href="http://www.addtoany.com/add_to/google_buzz?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2010%2F06%2Faufruf-zum-wilden-denken%2F&amp;linkname=Aufruf%20zum%20wilden%20Denken" title="Google Buzz" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/google_buzz.png" width="16" height="16" alt="Google Buzz"/></a> <a class="a2a_dd addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save">Weitersagen</a> </p>

<p>Ähnliche Beiträge:</p><ol><li><a href='http://www.wildes-denken.de/2010/01/wild-denken-gastbeitrage/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Wild denken &#8211; Gastbeiträge'>Wild denken &#8211; Gastbeiträge</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.wildes-denken.de/2010/06/aufruf-zum-wilden-denken/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>PR mit Knopfaugen</title>
		<link>http://www.wildes-denken.de/2010/06/pr-mit-knopfaugen/</link>
		<comments>http://www.wildes-denken.de/2010/06/pr-mit-knopfaugen/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 10 Jun 2010 09:09:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedemann Ebelt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Adbusters]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika]]></category>
		<category><![CDATA[Bildkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Fotografie]]></category>
		<category><![CDATA[Medienaktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Medienanalyse]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkritik]]></category>
		<category><![CDATA[PR]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismen]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Werbung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.wildes-denken.de/?p=344</guid>
		<description><![CDATA[﻿In Wien gibt es seit mehreren Jahren eine kritische Kampagne gegen das Markenzeichen der Julius Meinl AG. Die Initiative &#8220;Mein Julius&#8221; hat das Logo der Traditionsfirma in ein Protestzeichen umgewandelt und damit adbusting betrieben: „Mein Julius hat keine Lust mehr auf ein dienstbotenartig gesenktes Haupt. Er geht, wann er will. Und wohin er will. Wenn [...]


Ähnliche Beiträge:<ol><li><a href='http://www.wildes-denken.de/2010/01/scanne-mich-denn-es-ist-hubsch-uber-nacktscanner/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Scanne mich, denn es ist hübsch! &#8211; Über Nacktscanner'>Scanne mich, denn es ist hübsch! &#8211; Über Nacktscanner</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify">﻿In Wien gibt es seit mehreren Jahren eine kritische Kampagne gegen das Markenzeichen der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Meinl">Julius Meinl AG</a>. Die Initiative <a href="http://www.meinjulius.at/">&#8220;Mein Julius&#8221;</a> hat das Logo der Traditionsfirma in ein Protestzeichen umgewandelt und damit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Adbusters">adbusting</a> betrieben:</p>
<p style="text-align: justify"><img class="alignright" style="margin-left: 10px;margin-right: 10px" src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/06/meinjulius.gif" alt="Mein Julius" width="102" height="143" /><em>„Mein Julius hat keine Lust mehr auf ein dienstbotenartig gesenktes Haupt. Er geht,</em><em> wann er will. Und wohin er will. Wenn er nicht will, bleibt er. Sein Leben ist</em><em> kein</em><em> </em><em>Schicksal, und er nimmt es selbst in die Hand. Wie die Bilder, die in der Öffentlichkeit von ihm existieren.</em><em> Rassistische Klischees haben im öffentlichen Raum nichts verloren, egal ob es dabei um verhetzende Beschmierungen auf Hauswänden oder um das &#8220;traditionsreiche&#8221; Logo einer Kolonialwarenhandlung geht.“</em> (<a href="http://www.meinjulius.at/">Quelle</a>)</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify"><a href="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/06/kind1.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-349" style="border: 0pt none;margin: 10px" src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/06/kind1-205x300.jpg" alt="" width="103" height="151" /></a><br />
Der Dokumentarfilm  <em>Here to Stay &#8211;  Rassismus in Österreich</em> von Markus Wailand (<a href="http://www.youtube.com/watch?v=roLiPbr-JkU">ORF-Ausstrahlung auf Youtube</a>) beschäftigt sich unter anderem genau mit dieser Kampagne. Ob rassistische Sprüche an einer Wand, nach der Hautfarbe urteilende Türsteher oder plakative Werbebilder – Rassismen liegt oft eine extrem oberflächliche visuelle Verurteilung zu Grunde. &#8216;Auf den ersten Blick&#8217; wird das Aussehen eines Menschen erfasst, bewertet und beurteilt. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf fiel mir eine Werbetafel in Berlin auf&#8230;</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify"><span id="more-344"></span></p>
<p style="text-align: justify">Das Bild des kleinen Jungen wurde sicherlich nicht ohne Grund zum Teil der PR-Strategie der Firma. Das sind meine Gedanken zu dem Bild: der karge Hintergrund soll im Kontext der allgemeinen Stigmatisierung Afrikas als Problemkontinent Mitleid erzeugen und dem Kunden dieser Firma das gute Gefühl geben, beim Anmieten einer Wohnung dieser Firma, etwas pauschal Gutes und Wichtiges zu tun. Das sympathische, fotogene Lächeln des Jungen bestätigt diese Hoffnung und lässt jeden Kunden zu einem Teil einer philanthropischen Unternehmung werden.</p>
<p style="text-align: justify"><a href="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/06/wohnung2.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-348" src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/06/wohnung2-287x300.jpg" alt="" width="215" height="223" /></a><a href="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/06/wohnung1.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-347" src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/06/wohnung1-267x300.jpg" alt="" width="208" height="232" /></a></p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify"><!-- 		@page { size: 21.59cm 27.94cm; margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } -->Das Foto des Jungen steht nun im Schaufenster eines Unternehmens und ist Teil der Corporate Identity des Immobilienunternehmens, die bei den vorbeigehenden Passanten einen, im Sinne der PR-Strategie, positiven Eindruck hinterlassen soll. So funktionierte es zumindest bei mir. Ich sah den Jungen, erinnerte mich an die Julius Meindl-Kritik und wollte wissen, für was hier philantropisch-unternehmerisch-emotional geworben wird. Es geht um teure Wohnungen im Zentrum Berlins (Preisniveau siehe Bilder). Ich würde gern wissen, mit welchen Überlegungen die PR-Abteilung der Firma auf dieses plakative und klischeehafte Werbekonzept gekommen ist, das schließlich mit einem oberflächlichen Exotismus versucht Wohnungen zu vermieten und dabei das afrikanische Opferstigma wiederholt. Was sagen diese beiden Beispiele über unsere Werbe-Bildkultur? Überschreitet die Aufmerksamkeitsökonomie ethisch-moralische Grenzen? Mit welchen Bildern von Europa wird in Afrika geworben?<br />
<strong><br />
Ich habe dazu ein paar Seiten gefunden:</strong></p>
<p style="text-align: justify">Auf der Seite des Departement für Wirtschaft und Politik der Uni Hamburg hat Wulf D. Hund zu <a href="http://www.wulfdhund.de/forschung/?Werbung_Whiteness_Rassismus"> Werbung Whiteness Rassismus</a> einige Beispiele aus der Werbung analysiert.</p>
<p style="text-align: justify">Auf freiburg-postkolonial.de gibt es einen Artikel von  Adibeli Nduka-Agwu und Daniel Bendix : <a href="http://www.freiburg-postkolonial.de/Seiten/2007-Afrikabild.htm">Die  weiße Darstellung ‘Afrikas’ in der deutschen Öffentlichkeit.</a> Wie ein Kontinent genormt, verformt und verdunkelt wird.</p>
<p><a href="http://www.addtoany.com/add_to/facebook?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2010%2F06%2Fpr-mit-knopfaugen%2F&amp;linkname=PR%20mit%20Knopfaugen" title="Facebook" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/facebook.png" width="16" height="16" alt="Facebook"/></a> <a href="http://www.addtoany.com/add_to/twitter?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2010%2F06%2Fpr-mit-knopfaugen%2F&amp;linkname=PR%20mit%20Knopfaugen" title="Twitter" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/twitter.png" width="16" height="16" alt="Twitter"/></a> <a href="http://www.addtoany.com/add_to/google_buzz?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2010%2F06%2Fpr-mit-knopfaugen%2F&amp;linkname=PR%20mit%20Knopfaugen" title="Google Buzz" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/google_buzz.png" width="16" height="16" alt="Google Buzz"/></a> <a class="a2a_dd addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save">Weitersagen</a> </p>

<p>Ähnliche Beiträge:</p><ol><li><a href='http://www.wildes-denken.de/2010/01/scanne-mich-denn-es-ist-hubsch-uber-nacktscanner/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Scanne mich, denn es ist hübsch! &#8211; Über Nacktscanner'>Scanne mich, denn es ist hübsch! &#8211; Über Nacktscanner</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.wildes-denken.de/2010/06/pr-mit-knopfaugen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Bildkonjunkturen Teil II oder Eine Replik auf „das Leiden anderer betrachten“</title>
		<link>http://www.wildes-denken.de/2010/04/bildkonjunkturen-teil-ii-oder-eine-replik-auf-das-leiden-anderer-betrachten/</link>
		<comments>http://www.wildes-denken.de/2010/04/bildkonjunkturen-teil-ii-oder-eine-replik-auf-das-leiden-anderer-betrachten/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 10 Apr 2010 19:37:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Bildanthropologie]]></category>
		<category><![CDATA[Bilder]]></category>
		<category><![CDATA[Bildwissenschaft]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.wildes-denken.de/?p=332</guid>
		<description><![CDATA[Das fliegende Auge Das Fliegende Auge (1983) Trailer [Braddock and Murphy have watched Blue Thunder perform a selective firepower demonstration] Icelan: Well, look at that, all the red dummies are blown to hell. Frank Murphy: And a few white ones! Fletcher: One civilian dead for every ten terrorists. That&#8217;s an acceptable ratio. Frank Murphy : [...]


Ähnliche Beiträge:<ol><li><a href='http://www.wildes-denken.de/2010/02/bildkonjunkturen-teil-i/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Bildkonjunkturen &#8211; Unterwegs auf den Schnellstraßen des Ikonischen (Teil I)'>Bildkonjunkturen &#8211; Unterwegs auf den Schnellstraßen des Ikonischen (Teil I)</a></li>
<li><a href='http://www.wildes-denken.de/2010/04/leiden-anderer-betrachten-come-on-let-us-shoot/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Das Leiden anderer betrachten: „Come on, let us shoot!“'>Das Leiden anderer betrachten: „Come on, let us shoot!“</a></li>
<li><a href='http://www.wildes-denken.de/2010/01/scanne-mich-denn-es-ist-hubsch-uber-nacktscanner/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Scanne mich, denn es ist hübsch! &#8211; Über Nacktscanner'>Scanne mich, denn es ist hübsch! &#8211; Über Nacktscanner</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Das fliegende Auge</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.youtube.com/watch?v=sd3lDhyM21M&amp;feature=related" target="_blank">Das Fliegende Auge (1983) Trailer</a></p>
<p style="text-align: left;">[<em>Braddock and Murphy have watched Blue Thunder perform a selective firepower demonstration</em>]<br />
<span style="color: #000000;"><a href="http://www.imdb.com/name/nm0736259/" target="_blank">Icelan</a>: Well, look at that, all the red dummies are blown to hell.<br />
<a href="http://www.imdb.com/name/nm0001702/" target="_blank">Frank Murphy</a>: And a few white ones!<br />
<a href="http://www.imdb.com/name/nm0790905/" target="_blank">Fletcher</a>: One civilian dead for every ten terrorists. That&#8217;s an acceptable ratio.<br />
<a href="http://www.imdb.com/name/nm0001702/" target="_blank">Frank Murphy</a></span> : [<em>Leaning closer to Braddock</em>] Unless you&#8217;re one of the civilians!</p>
<p style="text-align: left;">Die oben zitierte Passage stammt aus dem Film Blue Thunder, aus dem Jahre 1983 und ist den deutschen Lesern wohl eher unter dem Titel: “Das fliegende Auge” (ein für unser Anliegen bemerkenswert, konsistenter Titel) bekannt. Die Szene aus der dieses Zitat stammt, zeigt einerseits den High-Tech Kampfhubschrauber „Blue Thunder“ wie er fachgerecht einen Schießplatz mit menschlichen Attrappen, mit Hilfe seiner Bordkanone ohne viel Mühe, in tausend Teile dividiert. Dies geht scheinbar ohne große Rücksicht darüber von statten, ob es sich bei den verschieden, farbig markierten Attrappen um imaginäre Opfer oder Täter handelt. Die hochgerüstete Maschine mit ihrer gewaltigen Bewaffnung ist trotz feinster Boardelektronik  und Überwachungstechnologie inklusive eines eigens dafür ausgebildeten Piloten, scheinbar nicht dazu gemacht worden, den „feinen Unterschied“ erkennen zu sollen. Die Actionsequenz wird goutiert von einer Personengruppe, scheinbar hochrangiger Vertreter von Militär und Sicherheitsinstitutionen postiert auf einer Zuschauertribüne. Sie scheinen durchaus beeindruckt von der Durchschlagskraft dieser „Wunderwaffe“ und die finale Replik des Protagonisten Frank Murphy (Roy Scheider): „Unless you’re one of the civilians!“, kann eher als sarkastischer Kommentar der indirekten Bewunderung, denn als wirklich ernst gemeinte Kritik an dem Gesehenen gewertet werden. Der Film, ein Mix aus Science Fiction (wissenschaftlicher Fiktion) und Actionthriller mit Roy Scheider in der Hauptrolle, soll genutzt werden als Ausgangspunkt, für eine Replik auf den Beitrag von Friedemann Ebelt „das Leiden anderer betrachten: „Come on, let us shoot!“. Gleichzeitig soll hiermit auch die Fortführung der Kolumne „Bildkonjunkturen – Auf den Schnellstraßen des Ikonischen“ voran getrieben werden.<span id="more-332"></span></p>
<p style="text-align: left;">Diese Zusammenführung macht daher Sinn, da ich im ersten Teil meiner Kolumne bereits von einem „mit Bildern bewaffneten Konflikt zum Erhalt unserer systemischen Ordnung“ sprach und damit durchaus, nicht nur im übertragenen Sinne, die propagandistischen Bilder, innerhalb bewaffneter Konflikte meinte. Es soll im Folgenden hier nun versucht werden den rezeptiven Mittelweg zu suchen, den Friedemann in seinem Beitrag als das Dazwischen eines „‘normalen Kriegsalltags’ (<a href="http://www.newsrealblog.com/2010/04/06/supporting-the-decision-of-the-soldiers-in-the-wikileaks-video/" target="_blank">NRB</a>) oder eines ‘unmenschlichen Gewaltexzesses’ (<a href="http://www.jungewelt.de/2010/04-07/063.php" target="_blank">JW</a>)“ beschrieben hat.</p>
<p style="text-align: left;">Das kollektive Gedächtnis der Kultur</p>
<p style="text-align: left;">Mein Ansatz lautet demnach: Das Einsetzen eines verantwortungsbewussten Umgangs mit diesen Bildern / Aufnahmen / medialen Repräsentationen ist erst dann möglich, wenn man beachtet, dass sie bereits eine tief im „kollektiven Gedächtnis unserer Kultur“ (Belting 2001: S.66) verankertes Pendant haben. Dieses verankerte Pendant von Bildern, wird von Hans Belting als ein möglicher Ort der Bilder klassifiziert, dem sich jeder Mensch nicht entziehen kann, da sein eigener Körper im Wechselspiel mit diesem kollektiven Gedächtnis, seine eigenen örtlichen und räumlichen Erfahrungen und Erinnerungen umwandelt in Bilder. Ein jeder Mensch kompensiert damit „die Flucht der Zeit und den Verlust des Raumes, den wir in unseren Körpern erleiden.“ (Belting 2001: S.65.)</p>
<p style="text-align: left;">Die Annahme die sich im Rekurs auf diese Argumentation, beim Sichten des Videos ergab, war das wir in unserem „kollektiven Gedächtnis“ bereits über ein mannigfaltiges Repertoire an ähnlichen Bildern verfügen. Dieses Repertoire ist dafür verantwortlich, uns den Umgang mit diesem Video, doch auf einer Seite erheblich zu erleichtern, und letztlich auf einer moralischen oder gewissenhaften Umgangsebene jedoch, extrem zu erschweren. Denn einerseits und dies ist doch beachtlich, versteht der geneigte Betrachter sehr schnell was scheinbar in diesem Dokument aus Bewegtbildern passiert. Die Assoziationen um die es hier letztlich geht, sind nämlich alle bereits scheinbar mehr oder weniger in uns verankert: Krieg, Tötung aus dem sicheren Hinterhalt der Aviationsperspektive, Luftaufnahmen der Überwachung, Explosionen und die Relation von Schuss und Einschlag ballistischer Projektile trotz gehemmter Geräuschkulisse etc.…</p>
<p style="text-align: left;">
<p style="text-align: left;">Kann das Gesehene noch authentisch sein?</p>
<p style="text-align: left;">Andererseits fragen sich bestimmt nicht wenige Betrachter ob es wirklich richtig ist, sich diesen Bildern auszusetzen, solange es sich  (wie es die Philosophie von Wikileaks, dem Distributor dieses Videos, vorschreibt) um authentisches Material handelt. Material also, in dem reale Menschen in einem realen Akt der Ungerechtigkeit ums Leben kamen. Doch die Frage die sich daraus ableitet ist doch ob wir, ganz ähnlich der enthobenen Perspektive der Piloten, überhaupt noch in der Lage sein können, diese Bilder als etwas wirklich Authentisches zu klassifizieren? Folgen wir Beltings Argumentation weiter, so lässt sich doch feststellen dass wir bei allen verinnerlichten und in zweiter Instanz erinnerten Bildern stets zum Regisseur unserer eigenen Bilderwelt werden und ganz automatisch zwischen Fakt und Fiktion eine muntere Montage betreiben, die der räumlichen Wirklichkeit in keinem Fall entsprechen kann. Der Körper bewegt sich zwar stets in einem eigenen Chronotopos, die Erinnerungen und demnach auch die erinnerten Bilder jedoch introspektiv ohne diese Konstanten auskommen müssen (wenn man von der Annahme absieht, dass ein sich erinnernder Mensch niemals ortsungebunden seine Erinnerungsphasen vollführen kann).</p>
<p style="text-align: left;">
<p style="text-align: left;">Die Trennung von Imagination und Fiktion und schließlich die Lossagung der selbst gemachten Erfahrung</p>
<p style="text-align: left;">Weiter mit Belting argumentiert, kommt aber noch ein weiterer wichtiger Aspekt hinzu der auch die Kernthese dieser Kolumne werden soll: Der Mensch hat in seinem Umgang mit den Bildern eine Trennung vollzogen, zwischen der Imagination und der Fiktion. Diese Trennung wird katalytisch befeuert durch die neuen Medien und ihren „Bildern von einer virtuellen Welt“ (Belting 2001: S.81). In dieser Welt gibt der menschliche Körper sich der Illusion hin, nur noch als Schnittstelle aufzutreten um die entkörperlichten Reize in Form von digitalen Bildern und Informationen zu verarbeiten. Ein wichtiger Punkt des menschlichen Seins scheint hier übersprungen und sich immer weiter fortwährend zu marginalisieren. Gemeint ist die Tatsache, dass ein Körper überhaupt noch dazu befähigt wird, Erfahrungen und Erlebnisse selbst tätigen zu können. Eine aktive körperliche Präsenz in der Raumzeit wird nach und nach ersetzt, durch eine avatarische Präsenz in virtuellen Räumen. Es geht dabei natürlich nicht darum eine dystopische Welt heraufzubeschwören, die tatsächlich ist wie die Welt in den Romanen der Neuromancer-Trilogie oder eben deren filmischer Entsprechung der Matrix-Trilogie. Es geht vielmehr darum diese Entwicklung transparent zu machen, die von der ausgiebigen Nutzung des Fernsehers über den Kinobesuch hinüberreicht, in die sich immer weiter auffächernden virtualisierten Erfahrungsumgebungen die, die neuen Medien bereithalten.</p>
<p style="text-align: left;">Eine Ikonografie und Bildgeschichte der anonymen Tötung aus der Luft</p>
<p style="text-align: left;">Zurück zum Beispiel des in Friedemann Ebelts Beitrag verhandelten Videos von der Tötung der vermeintlich Unschuldigen Personen durch den Kampfhubschrauber der US-Streitkräfte. Wie mein Eingangs präsentiertes Zitat zeigt, haben wir in unserem „kollektiven kulturellen Gedächtnis“ bereits mindestens ein Beispiel für den ungestümen Einsatz von Kampfhubschraubern auf einer fiktionalen Ebene. Sowohl eine Ausarbeitung der Ikonografie und der Bildgeschichte der anonymen Tötung aus der Luft und im speziellen, der totbringende Einsatz durch High-Tech Kampfhubschrauber alleine im Nordamerikanischen Kino, würde zahllose weitere Beispiele hier zu Tage fördern (Airwolf, Rambo, Platoon, Der Krieg des Charly Wilson etc.). Eine Erfassung von Videoformaten mit vergleichbarem Inhalt aus den verschiedenen Bereichen des World Wide Web, würde ebenso eine schwer quantifizierbare Aufgabe (eine einmalige Eingabe des Begriffs „Kampfhubschrauber“ ergab bei der Google-Videosuche bereits über 200 Resultate).</p>
<p style="text-align: left;">Das Privileg der von der Realität enthobenen Bilderkreisläufe</p>
<p style="text-align: left;">Die Frage die sich daraus ergibt ist: wieviele Menschen könnten sich hier einfinden, die von all diesen Dingen aus ihrer eigenen persönlichen Erfahrung heraus berichten könnten? Und damit möchte ich keineswegs den Umstand verharmlosen, dass viele Menschen auf dieser Welt täglich ihr Leben lassen in bewaffneten Konflikten und Kriegen. Doch wie Friedemann bereits erkannte, finden diese Umstände und deren Bilder davon zu aller erst in einer Umgebung statt, die sich eben nicht an dem Ort abspielen, in denen wir sie konsumieren und betrachten. Wir rezipieren diese Bilder die für die meisten Betrachter (außer den direkt Betroffenen und deren Verwandten, Angehörigen, Freunden, Kollegen und Familien) aus einer Perspektive in der diese Bilder lediglich Bilder „von einer virtuellen Welt sind“ an der wir keinen realen Bezug und Anteil mehr zu haben scheinen. Und hierin liegt das bereits im ersten Teil dieser Kolumne bereits angeführte Privileg von den enthobenen Bilderkreisläufen der westlichen Welt. Wir tragen unsere Konflikte, Kriege, Tötungen fort in eine Welt die weit genug entfernt zu sein scheint, dass wir sie als lediglich virtuell wahrnehmen können. Diese Front wird verteidigt bis zur letzten Patrone und letzten Cruise-Missile. Es bleibt ein Wink des Schicksals, wenn nicht sogar der schrecklichen Ironie, dass unter den Opfern dieser Szenerie wohl auch Journalisten waren. Manifestierte Repräsentanten der „alten (Bild)Weltordnung die noch in der unwirklich gewordenen Wirklichkeit nach den wahren Abbildern des „dort Draußen“ fahnden. Sie machten hierbei die schmerzliche Erfahrung, ganz genau wie alle anderen Beteiligten und Opfer des realen Krieges und der Zerstörung, dass die Welt ein tatsächlich gefährlicher Ort sein kann, in dem ein bloßes Betrachten vom „Leiden der Anderen“ reine Fiktion ist und ein gewaltiger Akt der arroganten Imagination sein muss, der pervertierter nicht sein kann. Die Frage scheint auf diese Weise einhellig beantwortet zu sein, ob wir nach derzeitigem Stand wirklich in der willentlichen Position sind, emanzipatorisch tätig zu werden, alle „Anderen“ in die Kreisläufe der westlichen Bildkonjunkturen aufzunehmen.</p>
<p style="text-align: left;">Im nächsten Teil der Kolumne stelle ich mich der Frage ob und wie die westlichen Bildkonjunkturen in der Lage sind, die anderen, die primitiven, die fremden Bilder am Ort ihres Entstehens zu verändern, zu manipulieren, zu verdrängen oder gar zu beseitigen.</p>
<p style="text-align: left;">
<p style="text-align: left;">Verwendete Literatur</p>
<p style="text-align: left;">Belting, Hans: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3770534492?ie=UTF8&amp;tag=ethnologiestu-21" target="_blank">Bild-Anthropologie</a>: Entwürfe für eine Bildwissenschaft / Hans Belting. – München: Fink, 2001.</p>
<p><a href="http://www.addtoany.com/add_to/facebook?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2010%2F04%2Fbildkonjunkturen-teil-ii-oder-eine-replik-auf-das-leiden-anderer-betrachten%2F&amp;linkname=Bildkonjunkturen%20Teil%20II%20oder%20Eine%20Replik%20auf%20%E2%80%9Edas%20Leiden%20anderer%20betrachten%E2%80%9C" title="Facebook" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/facebook.png" width="16" height="16" alt="Facebook"/></a> <a href="http://www.addtoany.com/add_to/twitter?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2010%2F04%2Fbildkonjunkturen-teil-ii-oder-eine-replik-auf-das-leiden-anderer-betrachten%2F&amp;linkname=Bildkonjunkturen%20Teil%20II%20oder%20Eine%20Replik%20auf%20%E2%80%9Edas%20Leiden%20anderer%20betrachten%E2%80%9C" title="Twitter" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/twitter.png" width="16" height="16" alt="Twitter"/></a> <a href="http://www.addtoany.com/add_to/google_buzz?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2010%2F04%2Fbildkonjunkturen-teil-ii-oder-eine-replik-auf-das-leiden-anderer-betrachten%2F&amp;linkname=Bildkonjunkturen%20Teil%20II%20oder%20Eine%20Replik%20auf%20%E2%80%9Edas%20Leiden%20anderer%20betrachten%E2%80%9C" title="Google Buzz" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/google_buzz.png" width="16" height="16" alt="Google Buzz"/></a> <a class="a2a_dd addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save">Weitersagen</a> </p>

<p>Ähnliche Beiträge:</p><ol><li><a href='http://www.wildes-denken.de/2010/02/bildkonjunkturen-teil-i/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Bildkonjunkturen &#8211; Unterwegs auf den Schnellstraßen des Ikonischen (Teil I)'>Bildkonjunkturen &#8211; Unterwegs auf den Schnellstraßen des Ikonischen (Teil I)</a></li>
<li><a href='http://www.wildes-denken.de/2010/04/leiden-anderer-betrachten-come-on-let-us-shoot/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Das Leiden anderer betrachten: „Come on, let us shoot!“'>Das Leiden anderer betrachten: „Come on, let us shoot!“</a></li>
<li><a href='http://www.wildes-denken.de/2010/01/scanne-mich-denn-es-ist-hubsch-uber-nacktscanner/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Scanne mich, denn es ist hübsch! &#8211; Über Nacktscanner'>Scanne mich, denn es ist hübsch! &#8211; Über Nacktscanner</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.wildes-denken.de/2010/04/bildkonjunkturen-teil-ii-oder-eine-replik-auf-das-leiden-anderer-betrachten/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Das Leiden anderer betrachten: „Come on, let us shoot!“</title>
		<link>http://www.wildes-denken.de/2010/04/leiden-anderer-betrachten-come-on-let-us-shoot/</link>
		<comments>http://www.wildes-denken.de/2010/04/leiden-anderer-betrachten-come-on-let-us-shoot/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 07 Apr 2010 14:35:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedemann Ebelt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[collateral murder]]></category>
		<category><![CDATA[Irak 2007]]></category>
		<category><![CDATA[US-Armee]]></category>
		<category><![CDATA[WikiLeaks Video]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.wildes-denken.de/?p=313</guid>
		<description><![CDATA[http://www.collateralmurder.com/ Amy Goodman im Gespräch mit Julian Assange Es ist perfide über diese Aufnahmen zu schreiben, weil die Gefahr groß ist, diese grausamen Bilder falsch zu interpretieren, voreilige Urteile zu fällen und pauschale Feindbilder zu erschaffen. Jedes Kommentieren der Bilder ist gewollt oder ungewollt ein Beitrag zu einer medialen Unterhaltung, in der &#8216;Krieg&#8217; und &#8216;Mord&#8217; [...]


Ähnliche Beiträge:<ol><li><a href='http://www.wildes-denken.de/2010/04/bildkonjunkturen-teil-ii-oder-eine-replik-auf-das-leiden-anderer-betrachten/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Bildkonjunkturen Teil II oder Eine Replik auf „das Leiden anderer betrachten“'>Bildkonjunkturen Teil II oder Eine Replik auf „das Leiden anderer betrachten“</a></li>
<li><a href='http://www.wildes-denken.de/2010/01/die-nacktscan-performance-podcast/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Die Show vor dem Körperscanner. Warum Scannen und nicht Ausziehen?'>Die Show vor dem Körperscanner. Warum Scannen und nicht Ausziehen?</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { size: 21.59cm 27.94cm; margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --></p>
<p style="text-align: justify"><!-- 		@page { size: 21.59cm 27.94cm; margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --></p>
<p style="margin-bottom: 0cm"><a href="http://www.democracynow.org/2010/4/6/massacre_caught_on_tape_us_mili" target="_blank">http://www.collateralmurder.com/</a></p>
<p><!-- 		@page { size: 21.59cm 27.94cm; margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --><a href="http://www.democracynow.org/2010/4/6/massacre_caught_on_tape_us_mili" target="_blank">Amy Goodman im Gespräch mit Julian Assange</a></p>
<p style="margin-bottom: 0cm">
<p style="margin-bottom: 0cm">
<p style="text-align: justify">Es ist perfide über diese Aufnahmen zu schreiben, weil die Gefahr groß ist, diese grausamen Bilder falsch zu interpretieren, voreilige Urteile zu fällen und pauschale Feindbilder zu erschaffen. Jedes Kommentieren der Bilder ist gewollt oder ungewollt ein Beitrag zu einer medialen Unterhaltung, in der &#8216;Krieg&#8217; und &#8216;Mord&#8217; Schlagworte sind, die Erfolg in einer Aufmerksamkeitsökonomie versprechen.</p>
<p style="text-align: justify"><a href="http://www.collateralmurder.com/" target="_blank"><img class="alignright size-medium wp-image-314" src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/04/let_us_shoot_klein_00_08_09-300x218.jpg" alt="" width="261" height="189" /></a>Nichts ist bequemer und moralisch befriedigender, als eine kontroverse politische oder wissenschaftliche Diskussion über dieses Material aus sicherer Entfernung zu führen. Ein Einklinken in das kurzfristige Aufmerksamkeitshoch, das von der politischen Brisanz und menschlichen Grausamkeit der Aufnahmen genährt wird, widerspricht einer kritischen und vor allem selbstkritischen Auseinandersetzung mit Schuld im Krieg. Dennoch müssen Geistes- und Sozialwissenschaften zu dieser Diskussion etwas sagen, weil in ihr die Haltung der Gesellschaft zu Gewalt, Krieg und Militär ausgehandelt wird. Es geht darum zu verhindern, dass Gewalt, egal von wem sie ausgeht, als Konfliktlösung interpretiert und gerechtfertigt wird.</p>
<p style="text-align: justify"><span id="more-313"></span></p>
<p style="text-align: justify">Dabei ist es nicht möglich, dieses Video zu diskutieren, ohne sich selbst Voyeurismus und Anmaßung vorzuwerfen und die eigene Interpretation kritisch zu hinterfragen. Aber genau das geschieht zu selten, wenn Schüsse mit Schlagzeilen reflexiert werden. Dahinter verbirgt sich die große Gefahr einer einseitigen und verkürzten Interpretation eines Krieges, die lediglich eine politische Agenda unterstützt aber wichtige Probleme übersieht. Zum Beispiel die Frage, die sich stellen muss, wer die Aufnahmen der Bordkamera gesehen hat: Was hat das mit mir zu tun?</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">Was kann über die gesagt werden, die das<em> „Leiden anderer betrachten“ </em>(S.Sontag) und das Verhalten ihrer Peiniger interpretieren und verurteilen?</p>
<p style="text-align: justify">Ich denke, die Aufnahmen sind Teil eines ganzen Netzes von verurteilenden Interpretationen.</p>
<p style="text-align: justify">George Bush und seine Regierung haben den Irak als Bedrohung für die westliche Welt interpretiert und daraufhin den Irak und die U.S.A. zu einem Krieg verurteilt. In den Aufnahmen der Bordkanone interpretieren die Soldaten die Menschen am Boden als bewaffnete Teilnehmer in einem Gefecht und verurteilen sie mit einem Angriff aus der Luft. Medien interpretieren das Verhalten der Hubschrauberbesatzungen entweder im Kontext eines &#8216;normalen Kriegsalltags&#8217; (<a href="http://www.newsrealblog.com/2010/04/06/supporting-the-decision-of-the-soldiers-in-the-wikileaks-video/" target="_blank">NRB</a>) oder eines &#8216;unmenschlichen Gewaltexzesses&#8217; (<a href="http://www.jungewelt.de/2010/04-07/063.php" target="_blank">JW</a>). Die U.S. Soldaten werden entsprechend entweder als ordentlich reagierende Militärs oder als skrupellose Mörder verurteilt. Mit einiger Sicherheit werden diese Interpretationen illegitim verallgemeinert und das Verhalten und &#8216;<em>die</em> Mentalität <em>der</em> Amerikaner&#8217; wird als &#8216;feige&#8217;, &#8216;imperialistisch&#8217; oder &#8216;aggressiv&#8217; verurteilt.<br />
Hauptsächlich wird eine editierte, 17 minütige Videoaufnahme diskutiert. Den Aufnahmen der Bordkamera wurden mit Zugabe von Texten, Fotos, Pfeilen, Untertiteln, Vergroesserungen, Wiederholungen und Schnitten dramaturgisch bearbeitet. Im Abspann werden jeweils ein creative director, story development, visual editor und producer genannt, die das Material dramaturgisch bearbeitet haben. Besonders deutlich ist die wiederholte Szene ab 00:15:54. Ein Mann öffnet die seitliche Schiebetür des Autos, mit welchem mindestens ein Verwundeter abtransportiert werden soll. Ein digitaler Zoom fasst die Rettungsaktion näher, als im Material davor. Zwei Pfeile und ein Hinweis, dass sich in dem Auto zwei Kinder befinden erscheinen. Funkspruch: „I try to get permission to engage, come on let us shoot“. Zwei Männer nehmen den Verletzten vom Gehweg auf. Sie tragen ihn vorn um das Auto herum in Richtung der offenen Tür. Beim sehen ist sofort antizipierbar was folgt: die tödlichen Schüsse aus den Hubschraubern durchschlagen das Auto in dem die Kinder sitzen. Diese antizipierte Zoom-Einstellung der einschlagenden Kugeln lässt ein grauenhaftes Bild vor dem inneren Auge entstehen. Doch statt der Schüsse folgt eine Schwarzblende und ein Zitat von Ahmad Sahib.</p>
<p style="text-align: justify">Das heißt, das Material wurde in verschiedener Hinsicht editiert und ihm wurde eine Aussage eingeschrieben, es wurde also auf die Verbreitung und Interpretation im Internet vorbereitet. Erreicht WikiLeaks damit eine wirkungsreiche, notwendige Berichterstattung, die das etablierte Mediensystem nicht gewährleistet? Das Medium ist die Botschaft. (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Marshall_McLuhan" target="_blank">Marshall McLuhan</a>)</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">Susan Sontag schreibt in <em><a href="http://www.lyrikwelt.de/gedichte/sontagg2.htm" target="_blank">Das Leiden anderer betrachten</a>:</em></p>
<p style="text-align: justify;padding-left: 60px"><span style="color: #000000">„Das Fernsehen, dessen Zugang zum Schauplatz durch staatliche Kontrolle und Selbstzensur beschränkt ist, serviert den Krieg in Gestalt von Bildern. Aber auch der Krieg selbst wird soweit wie möglich aus der Distanz geführt – durch Bombenangriffe, deren Ziele dank der neuen Technologien zur blitzschnellen Informations- und Bildverarbeitung auf einem anderen Erdteil ausgewählt werden können: Die täglichen Bomberoperationen in Afghanistan Ende 2001 und Anfang 2002 wurden vom amerikanischen Central Command in Tampa, Florida, gesteuert. Das Ziel besteht darin, dem Feind hinreichend schmerzhafte Verluste zuzufügen und gleichzeitig seine Möglichkeiten zu minimieren, den eigenen Kräften überhaupt Verluste zuzufügen; amerikanische und verbündete Soldaten, die bei Fahrzeugunfällen oder durch Beschuß aus den eigenen Reihen, sogenanntes »friendly fire«, umkommen, zählen und zählen zugleich auch nicht. Auch in der Ära des ferngelenkten Krieges gegen die unzähligen Feinde der amerikanischen Macht werden noch Regeln darüber aufgestellt, was die Öffentlichkeit sehen darf und was nicht.“</span></p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify">Damit Krieg einen Nachrichtenwert in unserem Mediensystem erhält und Aufmerksamkeit erweckt, muss er personalisiert und konkretisiert werden. Die Bearbeitung des Materials versucht in die Bilder den Faktor Mensch hineinzubringen, die die moderne Kriegstechnik mit Kameras, Messtechnik und Displays verstellt. Es ist naiv anzunehmen, dass Kriege ohne solche Vorfälle stattfindet und dennoch sind es Bilder, die das für die kurze Zeit, in denen sie in den Medien kursieren, deutlich machen.</p>
<p style="text-align: justify">Verschiedene medienkulturelle Krisen werden sichtbar. Beispielsweise existiert eine gefährliche Vorstellungen eines &#8216;entfernten, notwendigen, gerechten, sauberen und humanen Krieges&#8217;, die durch &#8216;alltägliche&#8217; Kriegsberichterstattung bestätigt, zumindest jedoch nicht widerlegt wird.</p>
<p style="text-align: justify">Der selbe Luftangriff erregte 2007 als Wort- oder Textmeldung bedeutend weniger Aufmerksamkeit. Wie wichtig ist die also die Verpackung von Inhalten in einer von Bildern dominierten und kurzlebigen Medienlandschaft?</p>
<p style="text-align: justify">Die kollektiven, gesellschaftlichen Verdrängungsmechanismen scheinen diese vom WikiLeaks-Team für eine öffentliche Diskussion bearbeiteten Aufnahmen schwieriger zu verdauen, als anders gefilterte Kriegsberichterstattung.</p>
<p style="text-align: justify">Stärker als in den Artikeln der großen tagesaktuellen Zeitungen sind es Leser-Kommentare in denen immer wieder die Frage enthalten ist, wie die Gesellschaft dieses Material verarbeiten wird:</p>
<p style="text-align: justify">
<p style="text-align: justify;padding-left: 30px"><a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/706/507858/text/" target="_blank">Kommentar von <em>Sinnfurt</em></a></p>
<p style="text-align: left;padding-left: 30px"><span style="color: #333333">„Vermutlich wird das Thema von den Amerikanern aufgearbeitet in dem Hollywood sich die Filmrechte der beiden Kinder kauft und einen Actionfilm über den Jungen dreht, der den Tot seiner Familie blutig rächt und dafür die Piloten in Amerika aufspürt. Natürlich bekommt der Film dann einen Oscar, weil er sich traut einen Iraker als Helden zu zeigen!“</span></p>
<p style="text-align: justify;padding-left: 30px">
<p style="text-align: justify;padding-left: 30px"><em><a href="http://www.heise.de/tp/blogs/foren/S-Welches-BIldungsniveau-laesst-man-hier-schiessen/forum-177342/msg-18352352/read/" target="_blank">ManagedDemocracy</a></em></p>
<p style="text-align: left;padding-left: 30px"><span style="color: #333333">„Dafür gehören eigentlich Offiziershälse gekürzt, aber Kirche und<br />
Militär stehen da wohl etwas über dem Recht, gell?“</span></p>
<p style="text-align: justify;padding-left: 30px">
<p style="text-align: justify;padding-left: 30px"><em><a href="http://www.heise.de/tp/blogs/foren/S-Heuchler/forum-177342/msg-18352288/read/" target="_blank">Loisek</a></em></p>
<p style="text-align: left;padding-left: 30px"><span style="color: #333333">„Das passiert jeden Tag. Das ist jedem klar, der sich Gedanken darüber macht. Wer den Krieg bisher ignoriert hat, dem wird es auch zukünftig egal sein. Viele werden im Schützenverein mit ihren Kameraden gegröhlt haben, am nächsten Tag auf Arbeit wurde Betroffenheit geheuchelt. Nachdem unsere Massenmedien den Fall aufgegriffen und als einmaligen Unfall heruntergespielt haben, kann der Großteil der Bevölkerung im freien Westen wieder zum Alltag übergehen und weiter Botoxbehandlungen von Prominenten im Fernsehen kosumieren. Schön, dass dieses Video zusammengeschnitten und zensiert den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hatte (schließlich muß auch der Mainstream auf sowas reagieren) und wenn man es nicht täglich senden muß, hat es auch einen gewissen Mehrwert gegenüber einer Brustvergrößerung, aber es wird sich nicht lange im Gedächtnis der breiten Masse befinden.“</span></p>
<p style="text-align: justify;padding-left: 30px">
<p style="text-align: justify;padding-left: 30px"><em><a href="http://www.heise.de/tp/blogs/foren/S-Geheimdienste/forum-177342/msg-18351712/read/" target="_blank">janste</a></em></p>
<p style="text-align: left;padding-left: 30px"><span style="color: #333333">„Beim Lesen kam mir der Gedanke, das Wikileaks eine Methode eines Geheimdienstes sein könnte, Lecks im eigenen Dienst zu identifizieren. Das was ich bisher von dort gehört habe ist zwar schlimm, aber es scheint letztlich doch beherrschbar.  Andererseits wird dort auch berichtet wie in Frankreich und Deutschland gezielt manipuliert werden soll um in der Bevölkerung mehr Zustimmung zum Krieg zu erreichen. Seltsamerweise erreicht diese Nachricht in Deutschland nicht die dieselbe Öffentlickeit, wie das Video. Für mich bedeutet das: Den Krieg schonungslos in der Öffentlichkeit darzustellen soll uns für zukünftiges Abhärten, ist also vertretbar. “</span></p>
<p style="text-align: justify;padding-left: 30px">
<p style="text-align: left;padding-left: 30px"><a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/759/507911/text/" target="_blank">Anton969: schreibt unter „Kriegskultur“</a> <span style="color: #333333">zur medialen Halbwertszeit der Aufnahmen: „Überdies demonstriert der Fall, dass verstörende Wirklichkeiten wie diese konsequent vertuscht werden, dass sie nur über Umwege (wikileaks) an die Öffentlichkeit kommen und dass die Berichterstattung in den Leitmedien selbst dann zurückhaltend ist. Gestern wurde zögerlich berichtet, heute ist das Thema medial kaum noch präsent (dass die Süddeutsche heute noch einen Artikel bringt, stellt eine Ausnahme dar; sp, zeit, faz haben nichts mehr, stattdessen geht es um die Ausstattung der Bundeswehr).“</span></p>
<p style="text-align: justify;padding-left: 30px">
<p style="text-align: justify">Ich bin wirklich sehr interessiert an Kommentaren und Meinungen zu der Frage von oben: Was gibt es zu sagen, über die, die das<em> „Leiden anderer betrachten“ </em>(S.Sontag). Mit anderen Worten: Wie urteilen wir über uns selber, die wir uns mit diesen Aufnahmen beschäftigen, über sie lesen und schreiben, sie für wichtig halten und doch irgendwie nicht wissen wie wir mit ihnen umgehen sollen. Wir als Individuen und als Gesellschaft. FE</p>
<p><a href="http://www.addtoany.com/add_to/facebook?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2010%2F04%2Fleiden-anderer-betrachten-come-on-let-us-shoot%2F&amp;linkname=Das%20Leiden%20anderer%20betrachten%3A%20%E2%80%9ECome%20on%2C%20let%20us%20shoot%21%E2%80%9C" title="Facebook" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/facebook.png" width="16" height="16" alt="Facebook"/></a> <a href="http://www.addtoany.com/add_to/twitter?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2010%2F04%2Fleiden-anderer-betrachten-come-on-let-us-shoot%2F&amp;linkname=Das%20Leiden%20anderer%20betrachten%3A%20%E2%80%9ECome%20on%2C%20let%20us%20shoot%21%E2%80%9C" title="Twitter" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/twitter.png" width="16" height="16" alt="Twitter"/></a> <a href="http://www.addtoany.com/add_to/google_buzz?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2010%2F04%2Fleiden-anderer-betrachten-come-on-let-us-shoot%2F&amp;linkname=Das%20Leiden%20anderer%20betrachten%3A%20%E2%80%9ECome%20on%2C%20let%20us%20shoot%21%E2%80%9C" title="Google Buzz" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/google_buzz.png" width="16" height="16" alt="Google Buzz"/></a> <a class="a2a_dd addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save">Weitersagen</a> </p>

<p>Ähnliche Beiträge:</p><ol><li><a href='http://www.wildes-denken.de/2010/04/bildkonjunkturen-teil-ii-oder-eine-replik-auf-das-leiden-anderer-betrachten/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Bildkonjunkturen Teil II oder Eine Replik auf „das Leiden anderer betrachten“'>Bildkonjunkturen Teil II oder Eine Replik auf „das Leiden anderer betrachten“</a></li>
<li><a href='http://www.wildes-denken.de/2010/01/die-nacktscan-performance-podcast/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Die Show vor dem Körperscanner. Warum Scannen und nicht Ausziehen?'>Die Show vor dem Körperscanner. Warum Scannen und nicht Ausziehen?</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.wildes-denken.de/2010/04/leiden-anderer-betrachten-come-on-let-us-shoot/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>11</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Claude Levi-Strauss Comic</title>
		<link>http://www.wildes-denken.de/2010/04/claude-levi-strauss-comic/</link>
		<comments>http://www.wildes-denken.de/2010/04/claude-levi-strauss-comic/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 05 Apr 2010 22:41:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Friedemann Ebelt</dc:creator>
				<category><![CDATA[In eigner Sache]]></category>
		<category><![CDATA[Claude Levi-Strauss]]></category>
		<category><![CDATA[Ethnologie]]></category>
		<category><![CDATA[Strukturalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Visuelle Anthropologie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.wildes-denken.de/?p=297</guid>
		<description><![CDATA[Jovan Maud von Culture Matters lobt den Claude Levi-Strauss Comic als „[the] most excellent tribute to Claude Levi-Strauss“. Die MacherInnen sind Apostolos Doxiadis, Alecos Papadatos und Annie Di Donna, die in Logicomix Bertrand Russel auf die Suche nach dem logischen Fundamenten der Mathematik schicken. Bemerkenswert: der Mathematik-Grundlagen Comic ist: „The New York Times #1 Bestselling [...]


Ähnliche Beiträge:<ol><li><a href='http://www.wildes-denken.de/2009/12/eine-woche-wildes-denken-zeit-fur-eine-reflexion/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Eine Woche wildes Denken: Zeit für eine Reflexion?'>Eine Woche wildes Denken: Zeit für eine Reflexion?</a></li>
<li><a href='http://www.wildes-denken.de/2009/12/weihnachten-gabentausch-ubergangsriten-ahnen/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Weihnachten &#8211; Gabentausch, Übergangsriten und Ahnenbesuch'>Weihnachten &#8211; Gabentausch, Übergangsriten und Ahnenbesuch</a></li>
<li><a href='http://www.wildes-denken.de/2010/06/aufruf-zum-wilden-denken/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Aufruf zum wilden Denken'>Aufruf zum wilden Denken</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><!-- 		@page { size: 21.59cm 27.94cm; margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } -->Jovan Maud von <a href="http://culturematters.wordpress.com/" target="_blank">Culture Matters</a> lobt den <a href="http://www.ft.com/cms/s/2/5284373a-1f94-11df-8975-00144feab49a.html" target="_blank">Claude Levi-Strauss Comic</a> als „[the] most excellent tribute to Claude Levi-Strauss“.</p>
<address><a rel="http://www.ft.com/cms/s/2/5284373a-1f94-11df-8975-00144feab49a.html" href="http://www.ft.com/cms/s/2/5284373a-1f94-11df-8975-00144feab49a.html" target="_blank"><img class="size-medium wp-image-298 alignleft" src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2010/04/CLS-Comic-Head-300x222.jpg" alt="" width="290" height="215" /></a><span style="color: #993300;">Die MacherInnen sind Apostolos Doxiadis, Alecos Papadatos und Annie Di Donna, die in <a href="http://www.logicomix.com/" target="_blank">Logicomix</a> Bertrand Russel auf die Suche nach dem logischen Fundamenten der Mathematik schicken. Bemerkenswert: der Mathematik-Grundlagen Comic ist: „The New York Times #1 Bestselling Graphic Novel!“</span></address>
<address> </address>
<address> </address>
<p style="text-align: justify;">
<p style="text-align: justify;">
<p style="text-align: justify;">
<p style="text-align: justify;">Im Cartoon gelingt es der Redaktion nicht, nicht strukturalistisch zu denken und wie könnte die geistige Wirkungsmächtigkeit von Strauss besser eingefangen werden, als mit einem Schnappschuss-Portrait eines Redakteurs, der es versucht und daran scheitert? Der Comic endet sinngemäß mit:“intellektueller Fortschritt ist nicht der Stein, der ins Wasser geworfen wird, sondern es sind die Wellen, die er erzeugt“.</p>
<p style="text-align: justify;">Jetzt geht es nicht anders als die Frage aufzuwerfen, ob Comics ein angemessener Weg sind, um ethnologisches Denken aus Bibliotheken zu befreien und Wellen im Alltag schlagen zu lassen?</p>
<p style="text-align: justify;"><span id="more-297"></span></p>
<p style="text-align: justify;">Das Problem ist bekannt und oft diskutiert: die Wissenschaft, die sich mit dem Fremden beschäftigt, ist selbst in der eigenen Gesellschaft fremd. Sie spielt in den tagesaktuellen Medien die Figur des exotischen Anderen, der gern eine unangenehme Wahrheit sagen darf, weil der bunte Vogel Ethnologie problemlos überhört werden kann.</p>
<p style="text-align: justify;">Comics erreichen viele Menschen, weil sie schnell zu lesen sind und das Verlangen nach Bildern  befriedigten, die sowieso <a href="../2010/02/bildkonjunkturen-teil-i/">Konjunktur</a> haben. Aber gleichzeitig gelten sie, völlig zu unrecht, als unseriöse, unwissenschaftliche, unterhaltende Trivialliteratur für ein junges Publikum, welches aus Konzentrationsmangel keine langen Texte liest. Diese Comic-Szene verankert sich bildlich im Gedächtnis und macht Lust und Mut über Strukturalismus zu diskutieren, ohne alles über selbigen zu wissen. Ist das legitim, darf Claude Levi-Strauss-Inhalt in eine Cartoon-Formen gegossen werden, oder geht dabei etwas verloren?</p>
<p style="text-align: justify;">Oder wird hier sogar ethnologisches Wissen zur Ware für ein Eliten-Publikum, welches intellektuelle Unterhaltung verlangt? Ist also die <em>Financial Times</em> auf einen der grössten Ethnologen nur gekommen, weil dessen Tod ein großes Medienecho ausgelöst hat und jetzt Unzählige diesen Claude Levi-Strauss Comic lesen?</p>
<p style="text-align: justify;">Und schließlich: verändert sich Ethnologie, wenn die <a href="../2010/02/bildkonjunkturen-teil-i/">Bildkunjukturwelle</a> über sie schwappt und plötzlich alle EthnologInnen, die etwas auf sich halten, mit Foto, Film und Filzstift losziehen, um Bildwerke zu kreieren?</p>
<p><a href="http://www.addtoany.com/add_to/facebook?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2010%2F04%2Fclaude-levi-strauss-comic%2F&amp;linkname=Claude%20Levi-Strauss%20Comic" title="Facebook" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/facebook.png" width="16" height="16" alt="Facebook"/></a> <a href="http://www.addtoany.com/add_to/twitter?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2010%2F04%2Fclaude-levi-strauss-comic%2F&amp;linkname=Claude%20Levi-Strauss%20Comic" title="Twitter" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/twitter.png" width="16" height="16" alt="Twitter"/></a> <a href="http://www.addtoany.com/add_to/google_buzz?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2010%2F04%2Fclaude-levi-strauss-comic%2F&amp;linkname=Claude%20Levi-Strauss%20Comic" title="Google Buzz" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/google_buzz.png" width="16" height="16" alt="Google Buzz"/></a> <a class="a2a_dd addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save">Weitersagen</a> </p>

<p>Ähnliche Beiträge:</p><ol><li><a href='http://www.wildes-denken.de/2009/12/eine-woche-wildes-denken-zeit-fur-eine-reflexion/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Eine Woche wildes Denken: Zeit für eine Reflexion?'>Eine Woche wildes Denken: Zeit für eine Reflexion?</a></li>
<li><a href='http://www.wildes-denken.de/2009/12/weihnachten-gabentausch-ubergangsriten-ahnen/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Weihnachten &#8211; Gabentausch, Übergangsriten und Ahnenbesuch'>Weihnachten &#8211; Gabentausch, Übergangsriten und Ahnenbesuch</a></li>
<li><a href='http://www.wildes-denken.de/2010/06/aufruf-zum-wilden-denken/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Aufruf zum wilden Denken'>Aufruf zum wilden Denken</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.wildes-denken.de/2010/04/claude-levi-strauss-comic/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>4</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Sündenbock Jugendamt?! &#8211; Ein Kommentar</title>
		<link>http://www.wildes-denken.de/2010/03/sundenbock-jugendamt-ein-kommentar/</link>
		<comments>http://www.wildes-denken.de/2010/03/sundenbock-jugendamt-ein-kommentar/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 31 Mar 2010 18:06:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anne Scheschonk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Institutionen]]></category>
		<category><![CDATA[Jugendamt]]></category>
		<category><![CDATA[Kinder]]></category>
		<category><![CDATA[Staat]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.wildes-denken.de/?p=292</guid>
		<description><![CDATA[Am vergangenen Samstag starb im oberpfälzischen Tischenreuth ein zweijähriges Mädchen in der Obhut ihrer allein erziehenden Mutter. Die kleine Lea litt an verschiedenen Krankheiten und hatte wahrscheinlich deshalb die Nahrung verweigert. Ein Arztbesuch hätte sie retten können, ihre Mutter ergriff jedoch nicht die Initiative. Das Mädchen verhungerte. Die 21-jährige Frau wurde festgenommen und ein Verfahren [...]


Keine ähnlichen Beiträge.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am vergangenen Samstag starb im oberpfälzischen Tischenreuth ein zweijähriges Mädchen in der Obhut ihrer allein erziehenden Mutter. Die kleine Lea litt an verschiedenen Krankheiten und hatte wahrscheinlich deshalb die Nahrung verweigert. Ein Arztbesuch hätte sie retten können, ihre Mutter ergriff jedoch nicht die Initiative. Das Mädchen verhungerte. Die 21-jährige Frau wurde festgenommen und ein Verfahren wegen Totschlags durch Unterlassen gegen sie eingeleitet.</p>
<p>Fälle von Kindstötungen und Vernachlässigungen mit Todesfolge traten in der Vergangenheit immer wieder auf. Sie lösen in der Öffentlichkeit emotional stark aufgeladene Diskussionen über die möglichen Gründe und wie sie zu verhindern gewesen wären aus. Dabei geraten vor allem die unterstützenden Hilfesysteme für so genannte „Problemfamilien“ oder „Risikoeltern“ in den Fokus der Kritik. Stimmen werden laut: Warum werden diese Familien nicht mehr kontrolliert? Wer ist schlussendlich verantwortlich für den Tod von Kindern wie Lea? Die Schuldigen scheinen schnell ausgemacht zu sein: eine zu junge, überforderte Mutter; Jugendamtsmitarbeiter, die den Aufforderungen einer Nachbarin nicht nachkamen, die Familienverhältnisse im Hinblick auf eine mögliche Kindeswohlgefährdung zu klären. Und obwohl das zuständige Jugendamt mittlerweile Versäumnisse und somit eine Mitverantwortung am Tod des Mädchens eingeräumt hat, kratzen die Erklärungsversuche nur an der Oberfläche eines tiefer liegenden Problems &#8211; in der Regel sind die Hintergründe dieser tragischen Fälle von Kindesvernachlässigungen komplexer und müssen aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden.<span id="more-292"></span></p>
<p>Das Problem wurzelt zum einen in einem grundsätzlichen Dilemma des deutschen Wohlfahrtstaates, der die Verantwortung für das Wohlergehen und die Fürsorge seiner Bürger und Bürgerinnen übernehmen will und gleichzeitig deren Integrität wahren muss. Der Staat schafft Strukturen, die gewährleisten sollen, dass Familien, die Hilfe bei der Versorgung und Erziehung ihrer Kinder brauchen, diese auch erhalten, so dass mögliche Kindeswohlgefährdungen ausgeschlossen sind. Das Dilemma entfaltet sich in den folgenden Fragestellungen: Wann wird Unterstützung zu bloßer Kontrolle durch staatliche Institutionen und wie viel davon kann man Familien zumuten? Wann ist ein Eingreifen durch Behörden legitim und wann stellt es eine Verletzung der individuellen Grundrechte dar? Sollte man pauschal alle Eltern kontrollieren (man denke an so überzogene Forderungen wie die Einführung eines „Führerscheins“ für Eltern)? Oder gibt es tatsächlich klar definierbare (ergo für jeden identifizierbare) Risikoeltern, bei denen Kinder per se in Gefahr sind und die besondere Betreuung, aber eben auch ein starkes Maß an Kontrolle erfahren sollten?</p>
<p>Der Staat respektive seine Institutionen respektive Menschen (!), die ja zu guter Letzt die staatlichen Vorgaben und Regelungen umzusetzen suchen, betreten einen schmalen Grat. Sie laufen stets Gefahr, bereits stigmatisierte Personengruppen zusätzlich zu stigmatisieren und so deren soziale Ungleichbehandlung zu untermauern. Ein „Paradebeispiel“ bildet die Gruppe der geistig beeinträchtigten Menschen – ihnen wird per se die Fähigkeit, Kinder zu erziehen, abgesprochen.<a href="#_ftn1">[1]</a> Aber auch arme Menschen oder Personen mit psychischen oder chronischen Krankheiten geraten schnell unter den argwöhnenden Blick von Behörden. Schlussendlich müssen jedoch Menschen über Menschen Urteile fällen, Lebensweisen und Kompetenzen bewerten, für die es keine genauen Maßstäbe gibt, Entscheidungen für andere treffen und Verantwortungen übernehmen. Und Menschen sind fehlbar – das ist keine Entschuldigung für ein Versagen mit fatalen Konsequenzen, auch möchte ich in meinen Ausführungen keine Lanze für das Vorgehen oder Nicht-Vorgehen von Jugendämtern brechen, denn die Situationen innerhalb dieser Institutionen sind häufig desolat.<a href="#_ftn2">[2]</a> Aber ich bin für einen differenzierteren Blick. Viele Faktoren spielen eine Rolle, wenn Eltern(teile) ihre Kinder vernachlässigen: unzureichende soziale Unterstützungsnetzwerke, materielle Armut oder psycho-soziale Belastungen (z.B. keine positive elterliche Autorität und/oder innerfamiliäre Gewalt im eigenen Elternhaus) sind nur einige davon.</p>
<p>Es steht mir nicht zu, Mutmaßungen darüber anzustellen, warum Leas Mutter sie nicht ärztlich versorgen lassen hat oder warum die zuständige Jugendamtsmitarbeiterin sich gegen einen Besuch bei der Familie entschied. Der Fall erinnert unsere Gesellschaft auf traurige Weise daran, dass die existierenden staatlichen Strukturen nicht ausreichen, um alle Kinder zu schützen, aber die Etablierung eines omni-präsenten „Kontrollorgans Jugendamt“ kann keine Lösung sein. Alternativen müssen den konventionellen Vorgehensmustern und Institutionen entgegengestellt werden oder sie zumindest ergänzen. Statt das Pferd von hinten aufzusatteln, indem man Familien „begutachtet“, die bereits auffällig sind, sollten junge Menschen, also die potenziellen Mütter und Väter der Zukunft, stark gemacht werden, damit sie ihre Kinder ausreichend versorgen können oder zumindest wissen, wo sie (jederzeit) Unterstützung bekommen können. Kinder zu schützen ist nicht die Aufgabe einer einzelnen Institution, sondern die der gesamten Gesellschaft. Im Fall von Leas Mutter hat sie versagt.</p>
<hr size="1" /><a href="#_ftnref">[1]</a> In Untersuchungen von Gerichtsakten zu Sorgerechtsfällen in Australien und Großbritannien, in denen über eine Fremdplatzierung des Kindes entschieden wurde, fand man eine offensichtliche Ungleichbehandlung von Eltern mit geistiger Behinderung heraus (McConnell et al. 2000; Booth et al. 2005). Die Ergebnisse zeigten, dass die Kinder mit geistig behinderten Eltern in der Regel schneller, aufgrund geringfügiger Ursachen und für einen längeren Zeitraum aus den Familien genommen wurden, als dies bei Familien ohne geistig behindertes Elternteil der Fall war. Es ist davon auszugehen, dass auch in Deutschland so geurteilt wurde.</p>
<p><a href="#_ftnref">[2]</a> In meiner Forschung zu Elternschaften von Menschen mit geistiger Behinderung habe ich selbst Vorfälle von behördlicher Willkür beobachtet, die für die betroffenen Familienmitglieder sehr traumatisch waren.</p>
<p><a href="http://www.addtoany.com/add_to/facebook?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2010%2F03%2Fsundenbock-jugendamt-ein-kommentar%2F&amp;linkname=S%C3%BCndenbock%20Jugendamt%3F%21%20%26%238211%3B%20Ein%20Kommentar" title="Facebook" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/facebook.png" width="16" height="16" alt="Facebook"/></a> <a href="http://www.addtoany.com/add_to/twitter?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2010%2F03%2Fsundenbock-jugendamt-ein-kommentar%2F&amp;linkname=S%C3%BCndenbock%20Jugendamt%3F%21%20%26%238211%3B%20Ein%20Kommentar" title="Twitter" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/twitter.png" width="16" height="16" alt="Twitter"/></a> <a href="http://www.addtoany.com/add_to/google_buzz?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2010%2F03%2Fsundenbock-jugendamt-ein-kommentar%2F&amp;linkname=S%C3%BCndenbock%20Jugendamt%3F%21%20%26%238211%3B%20Ein%20Kommentar" title="Google Buzz" rel="nofollow" target="_blank"><img src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/plugins/add-to-any/icons/google_buzz.png" width="16" height="16" alt="Google Buzz"/></a> <a class="a2a_dd addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save">Weitersagen</a> </p>

<p>Keine ähnlichen Beiträge.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.wildes-denken.de/2010/03/sundenbock-jugendamt-ein-kommentar/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
