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	<title>Wildes Denken &#187; Kunst &amp; Musik</title>
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		<title>(c) Copyrights: Was willst du? Was wollen die? &#8211; Ein Kommentar zum Film Bad Copy Good Copy</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Dec 2009 23:01:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Schräpel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Achtung ein Experiment: Du drehst ein Video oder schreibst einen Text. Es gefällt dir was du produziert hast und du willst es der Welt zeigen. Zum Glück ist dies dank der neuen Technologien der letzten zehn Jahre beinahe kein Problem mehr. Innerhalb weniger Minuten kannst du dein Produkt weltweit zugänglich machen. Auch wenn die Konkurrenz [...]


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			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;">
<p>Achtung ein Experiment: Du drehst ein Video oder schreibst einen Text. Es gefällt dir was du produziert hast und du willst es der Welt zeigen. Zum Glück ist dies dank der neuen Technologien der letzten zehn Jahre beinahe kein Problem mehr. Innerhalb weniger Minuten kannst du dein Produkt weltweit zugänglich machen. Auch wenn die Konkurrenz groß ist, dein Video oder dein Text wird ein Erfolg. Millionen greifen darauf zu, kommentieren, reproduzieren, verändern. Nun die Frage: soll das so sein?</p>
<div id="attachment_99" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-99" title="charles_shop" src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2009/12/charles_shop-300x168.jpg" alt="" width="300" height="168" /><p class="wp-caption-text">Charles Igwe in Nollywood</p></div>
<p>Genau hier beginnt die Diskussion um den Schutz und den Anspruch auf den Besitz deines Produktes. Bist du ein multinationaler Konzern, abhängig von den Einnahmen die das Video oder der Text bringen kann, wirst du versuchen dein Produkt zu schützen. Nicht zuletzt musst du ein riesiges Netzwerk aufrechterhalten, welches nur überleben kann, wenn du die ausreichend finanzielle Mittel zu Verfügung stellst.<span id="more-85"></span></p>
<p>Vielleicht bist du aber auch (nur) ein kreativer Nutzer, der es gelernt hat die unterschiedlichsten Dinge miteinander zu verbinden und die Welt mit spannenden und neuen Produktionen zu bereichern. Du wirst versuchen deine Veröffentlichung so schnell wie möglich bekannt zu machen. Dir macht es nur wenig aus, wenn andere damit arbeiten, es verändern oder es weitergeben.</p>
<p>In einer dritten Variante bist du ein Künstler. Du lebst von den Dingen die du produzierst. Deine Arbeit ist es Neues zu schaffen, welches die du irgendwie recht breit und schnell unter die Leute bringen willst, weil du weißt das das was du machst gut ist. Gleichzeitig musst du darauf achten, dass du dafür Geld bekommst, sonst könntest du nicht überleben.</p>
<p>Dies sind drei unterschiedliche Perspektiven, die offensichtlich alle ihre eigene Logik besitzen. Der Film <a href="http://www.goodcopybadcopy.net/" target="_blank">Good Copy Bad Copy</a> von 2007 versucht genau diese unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. Seit kurzer Zeit ist der Film auch mit deutschen Untertiteln verfügbar und sollte von jedem, der sich für das Thema interessiert gesehen werden. Nicht zuletzt weil er eine anthropologische Perspektive, also aus den unterschiedlichen Blickrichtungen ohne direkt Anzuklagen oder zu Verurteilen, auf die Debatte um Urheberrechte bietet. In der Ethnologie wird das Thema in dieser Art und Weise bislang wenig diskutiert. Trotzdem finden sich einige Texte innerhalb der Medizinethnologie, die einen interessanten Vergleich zulassen. Das 1994 geschaffene TRIPS-Abkommen (<em>Agreement on Trade-Related Aspects of Intellectual Property Rights) </em>wird in diesen Texten heftig in Bezug auf seine Anwendung bezüglich der Medikamente zur Behandlung von AIDS diskutiert. Auch hier steht die (Pharma)Industrie in der Kritik, die das Monopol für Medikamente besitzen die in Teilen der Welt gebraucht werden wo es nicht möglich ist die hohen Preise für die lebenswichtigen Medikamente zu bezahlen. Erst mit der Doha-Dekleration im Jahr 2001 wurde es unter bestimmten Umständen möglich die viel billigeren <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Generikum" target="_blank">Generika</a> zu produzieren und zu vertreiben. Freilich ist diese Debatte um Medikamente von ganz anderen ethischen und moralischen Dilemmata gezeichnet. Und doch wird klar – wie auch in dem Film, der sich vor allem auf die Film- und Musikindustrie bezieht –  in welcher Absurdität die verschiedenen Rechtslagen den Handlungsspielraum einschränken. Das Zusammenspiel der unterschiedlichen Akteure mit ihren unterschiedlichen Interessen kann nur gelingen, wenn die verschiedenen Perspektiven bekannt sind. Ein multinationaler Konzern muss verstehen warum ein Nutzer verweigert für ein Produkt Geld zu bezahlen (und eben andere Möglichkeiten und Märkte finden um die Produkte zu vertreiben) und gleichzeitig müssen Nutzer, Künstler, Produzenten, Händler,&#8230; die Blick in die unterschiedlichen Lebenswelten wagen. Die Ethnologie kann dabei helfen, sie muss nur gefragt werden.</p>
<p>Hier der Film in voller länger mit deutschen Untertiteln:</p>
<p style="text-align: center;">
<p style="text-align: center;"><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="601" height="338" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowfullscreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=7833058&amp;server=vimeo.com&amp;show_title=1&amp;show_byline=0&amp;show_portrait=0&amp;color=ff9933&amp;fullscreen=1" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="601" height="338" src="http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=7833058&amp;server=vimeo.com&amp;show_title=1&amp;show_byline=0&amp;show_portrait=0&amp;color=ff9933&amp;fullscreen=1" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
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		<pubDate>Wed, 23 Dec 2009 18:19:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Schräpel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Geschichte ist schnell erzählt: Auf der Suche nach neuen Ressourcen hat die Menschheit einen Planeten – Pandora – gefunden, auf dem ein wertvolles Gestein vorkommt. Die Kolonialisierung und Ausbeutung des Planten wird von dem gierigen Eroberer Parker Selfridge geleitet, der durch die Armee von Colonel Miles Quaritch unterstützt wird. Die angenommene Überlegenheit durch Technologien [...]


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			<content:encoded><![CDATA[<p><em><strong><img class="size-medium wp-image-26 alignright" style="margin-left: 4px; margin-right: 4px;" title="Avatar" src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/avatar-300x168.jpg" alt="" width="300" height="168" /> </strong></em>Die Geschichte ist schnell erzählt: Auf der Suche nach neuen Ressourcen hat die Menschheit einen Planeten – Pandora – gefunden, auf dem ein wertvolles <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Unobtainium" target="_blank">Gestein</a> vorkommt. Die Kolonialisierung und Ausbeutung des Planten wird von dem gierigen Eroberer Parker Selfridge geleitet, der durch die Armee von Colonel Miles Quaritch unterstützt wird. Die angenommene Überlegenheit durch Technologien und dem Wissen um die wertvollen Mineralien müssen vor allem gegenüber den <a href="http://james-camerons-avatar.wikia.com/wiki/Na%27vi" target="_blank">Na’vi</a> eingesetzt werden. Diese sind menschenähnlichen Bewohner des Planeten und blockieren mit ihrer Behausung (einem riesigen Baum) ein großes Vorkommen des wertvollen Gesteins. Da die Na’vi als primitiv gelten gibt es kein Bestreben ihnen Rechte zu gewährleisten und eine Umsiedlung steht außer Frage. Nur das Format der Umsiedlung ist unklar. Neben einem militärischen Angriff versucht ein Forscherteam mit den Na’vi in Kontakt zu treten, indem sie in die Körper dieser schlüpfen, bzw. in ihre Avatare.</p>
<p>Das alles klingt nach einer klassischen Situation aus der ethnologischen Fachgeschichte. Die primitiven Wilden (oder besser die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Edler_Wilder" target="_blank">edlen Wilden</a>) stehen der Kolonialisierung ihres Gebietes entgegen, so dass Wege und Formen gefunden werden müssen, diese aus dem Gebiet zu vertreiben oder sie durch Transformationsprozesse auf die Bedürfnisse der Neuankömmlinge einzustellen. Da das Einsetzen von Gewalt aus verschiedenen Gründen (im Film ethisch und aus PR-Gründen) nicht die angestrebte Lösung sein kann werden Wissenschaftler damit beauftragt so viel wie möglich über die Fremden zu erfahren. Als Methode dient die teilnehmende Beobachtung, dessen oberstes Ziel es ist den „Wald durch die Augen der Na’vi zu sehen“.<span id="more-6"></span></p>
<p>Diese letzten Sätze könnten leicht die Einleitung einer Ethnographie sein. Aus diesem Grund lohnt es sich den Film auf seine ethnologische Tiefe zu überprüfen. Dabei bleibt er freilich eine Hollywood-Produktion, ausgestattet mit einer bestimmten Dramaturgie über Liebe, Kriege und Intrigen. Zwei Fragen die auf die Probleme und Erfolge der Wissensproduktion um das Fremde hinweisen, sollen hier aber gestellt werden. Jack Sully, der Protagonist des Films, schafft es das Vertrauen der Na’vi zu bekommen. Anfänglich soll er dieses Nutzen um möglichst viele Informationen für einen Angriff zu sammeln, sollte eine Umsiedlung nicht gelingen. Dieses<em> going native</em> wird für ihn jedoch eine intensive Erfahrung, die ihn auf die Seite der Na’vi schlägt. Jetzt kämpft er gegen die Eindringlinge und versucht alles um die feindliche Übernahme zu verhindern. An dieser Stelle steht die Frage, welche Rolle die gesammelten Daten von Jake Sully für beide Seiten spielen. Tatsächlich kann damit der militärische Angriff vorbereitet werden, weil nun die Schwachstellen und mögliche Angriffspunkte bekannt sind. Viel wichtiger jedoch ist das Sully erst den ausschlaggebenden Punkt für den Angriff gibt. Nach mehreren Monaten bei den Na’vi eröffnet er in seinem Feldtagebuch (bzw. Video-Log), dass eine Umsiedlung nicht funktionieren wird. Damit wird eine &#8216;diplomatische Lösung&#8217; unmöglich und der Angriff beginnt. Auf der anderen Seite verliert Sully durch den Verat das vertrauen der Na’vi, weiß jedoch relativ schnell, wie er dieses zurück bekommen kann. Er nutzt eine vorher erlernte Symbolik, indem er schafft auf den größten aller Vögel (Toruk) zu fliegen und wird damit Anführer des Kampfes (und zu <a href="http://james-camerons-avatar.wikia.com/wiki/Toruk_Makto" target="_blank">Toruk Makto</a>). Sully hat sich einen Vorsprung gegenüber beiden Seiten geschaffen. Er weiß wie es um die Technologien und Waffen der Menschen gestellt ist und er weiß wie er die Na’vi motivieren kann sich gegen die Angreifer zu wehren. Dies ist eine klassische Situation innerhalb der Ethnologie. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hat ein solcher Wissensvorsprung  dazu geführt das Kolonien durch eine Minderheit unterdrückt und regiert werden konnten. Diese historische Negativbesetzung hängt dem Fach noch immer an, obwohl längst versucht wird solche multiplen Perspektiven zur Verfügung zu stellen um bessere politische oder wirtschaftliche Entscheidungen zu erzeugen.</p>
<p>Die Geschichte ist also alt und man kann ihr sogar vorwerfen, dass sie im Film immer wieder an Komplexität verliert. Wenn sie nicht gerade in den Klassikern der Ethnologie gesucht wird, kann sie auch in den Büchern Karl Mays gefunden werden. In einer Rezension auf <a href="http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,666842,00.html" target="_blank">Spiegel Online</a> liest man:</p>
<blockquote><p>Denn natürlich muss in einem Indianerfilm weniger geforscht als gekämpft werden. Auch wenn sich Sully, wie Old Shatterhand, schließlich auf die Seite der Wilden schlägt. Nicht zuletzt deshalb weil er sich wie Old Shatterhand in eine von ihnen verliebt.</p></blockquote>
<p>Ist eine Geschichte erst einmal so angelegt begibt man sich auf einen schmalen Grad. Avatar bietet verschieden Angriffspunkte, die von Kommentatoren breit diskutiert werden. Auf der einen Seite ist da die Anklage des Rassismus. Die „edlen Wilden“ bzw. ihre computeranimierten Remakes werden fast ausschließlich von Afroamerikanern oder Schauspielern dessen Vorfahren Indianer waren gespielt (siehe: <a href="http://blogs.telegraph.co.uk/news/willheaven/100020488/james-camerons-avatar-is-a-stylish-film-marred-by-its-racist-subtext/" target="_blank">Heaven</a> &amp; <a href="http://filmkinotrailer.com/2009/11/avatar-rassistisch.html" target="_blank">filmkinotrailer.com</a>) . Diese Kritik scheint etwas weit hergeholt, nicht zuletzt, weil der Zuschauer nur schwer in der Lage sein wird dies mitzubekommen. Eine zweite Kritik von <a href="http://io9.com/5422666/when-will-white-people-stop-making-movies-like-avatar" target="_blank">Annalee Newitz</a> hinterfragt die Sichtweise aus der die Geschichte erzählt wird. Hier kann – wie oben beschrieben – tatsächlich hinterfragt werden, warum Jake Sully als Protagonist ausgewählt wurde und nicht etwa eine Na’vi Perspektive. Somit kommt sie zu dem Punkt:</p>
<blockquote><p>„Science fiction is exciting because it promises to show the world and the universe from perspectives radically unlike what we&#8217;ve seen before. But until white people stop making movies like <em>Avatar</em>, I fear that I&#8217;m doomed to see the same old story again and again.“</p></blockquote>
<p>Doch auch solch eine Kritik ist zu leicht. Avatar spielt mit den unterschiedlichen Perspektiven. Schließlich schlüpft Jake Sully in die Rolle der Na’vi (und das im wörtlichen Sinne, denn er bekommt auch ihren Körper) um dann mehrer Male kläglich zu Scheitern bevor er langsam versteht in was für einem Kontext er sich befindet. Gleichzeitig werden (auch wenn unzureichend) die verschiedenen Sichtweisen der Na’vi klar. Und so ist es tatsächlich ein Science Fiction Film, der es schafft die Probleme aber auch die Notwendigkeit um das Wissen des Fremden massentauglich zu machen. Und nicht zuletzt ist das Ende des Films ein Sieg über den Kolonialismus (im Gegensatzen zu den vielen Beispielen aus den Gesichtsbüchern) welcher nur durch das Schaffen und Zusammenbringen der verschiedenen Perspektiven ermöglich wird, eben durch die Nutzbarmachung ethnologischen Wissens.</p>
<p>+++</p>
<p>Mehr über die Beziehung des Films zur Ethnologie schreibt <a href="http://savageminds.org/2009/12/24/avatar/#more-2975" target="_blank">Kerim Friedman</a> &amp; <a href="http://www.counterpunch.org/price12232009.html" target="_blank">David Price</a></p>
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<p style="text-align: left;">Der Trailer zum Film:</p>
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