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	<title>Wildes Denken &#187; Bücher</title>
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		<title>Buchbesprechung: Stefan Rickmeyer: Nach Europa via Tanger. Eine Ethnographie</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Dec 2011 21:58:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David Johannes Berchem</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2011/12/Rickmeyer_NachEuropaviaTanger.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-687" title="Rickmeyer_NachEuropaviaTanger" src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2011/12/Rickmeyer_NachEuropaviaTanger-211x300.jpg" alt="" width="211" height="300" /></a>Mit seiner von Bernd-Jürgen Warneken betreuten Magisterarbeit hat der Absolvent der Tübinger Schule der Empirischen Kulturwissenschaft[<a href="http://www.wildes-denken.de/2011/12/buchbesprechung-stefan-rickmeyer-nach-europa-via-tanger-eine-ethnographie/#footnote_0_683" id="identifier_0_683" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Johler, Reinhard/Tschofen, Bernhard (Hg.): Empirische Kulturwissenschaft. Eine T&uuml;binger Enzyklop&auml;die. Untersuchungen des Ludwig-Uhland-Instituts der Universit&auml;t T&uuml;bingen. Band 100. T&uuml;bingen 2008.">1</a>], Stefan Rickmeyer, eine materialgesättigte und schlüssig strukturierte empirische Studie über illegale afrikanische Immigranten vorgelegt, die über die im „Haupttransitland“ (S.8) Marokko gelegene Hafenstadt Tanger und auf unterschiedlichen Migrationsrouten Versuche unternehmen, sich Einlass in die <em>Fortress Europe</em> zu verschaffen, um an den Vorzügen des Abendlandes – Wohlstand, Menschenrechte und Sicherheit – zu partizipieren. Jedoch habe das „Migrationsmanagement“ (S. 10) der Europäischen Union gerade an diesen marginalen Außenposten und geopolitischen Schlupflöchern ein rigides, auf bilateralen Übereinkünften zwischen dem Westen und den maghrebinischen Staaten gründendes System der Abschottung installiert, dessen Kontroll- und Diskriminierungsinstanzen die vergleichsweise wirtschaftlich gut betuchten Länder des Nordens vor den Flüchtlingen, Boatpeople, Sans Papiers und Displaced Persons der Kriegs- und Krisenregionen dieser Welt beschützen sollen.</p>
<p>Aus theoretischer Perspektive argumentiert Rickmeyer mit den drei Grundsäulen „Globalisierung von unten“, „Transnationalismus“ und „globale ethnische Räume“, die in der Kulturanthropologie und Europäischen Ethnologie in erster Linie von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wie Arjun Appadurai, Ulf Hannerz und Nina Glick-Schiller Konkretisierungen erfahren haben. Entrechtete und stigmatisierte Migranten, hier verstanden als die wohl einflussreichsten Agenten der so genannten „Graswurzelglobalisierung“[<a href="http://www.wildes-denken.de/2011/12/buchbesprechung-stefan-rickmeyer-nach-europa-via-tanger-eine-ethnographie/#footnote_1_683" id="identifier_1_683" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Appadurai, Arjun: Fear of Small Numbers. An Essay on the Geography of Anger. Durham, Mass. 2006.">2</a>], seien gegenwärtig aufgrund von innovativen Computer- und Kommunikationstechnologien in der Lage, gleichzeitig an mehreren Lebenswirklichkeiten teilzunehmen. Dynamische Praxisformen der Enträumlichung machen es laut dem Autor möglich, eine „unabsehbare Menge möglicher Lebensvorstellungen“ (S. 16) mittels einer identitätsstiftenden Imaginationsleistung Wirklichkeit werden zu lassen, so dass für das Gros der afrikanischen Migranten die mythologisch überhöhte, idealisierte und fiktionalisierte Metapher Europa – einem Kontinent, in dem vorgeblich Mich und Honig fließe – zu einem unhinterfragten Eldorado avanciert, in dem eine verheißungsvolle Zukunft bevorstehe.<span id="more-683"></span></p>
<p>Während der Lektüre fällt mit auffallender Regelmäßigkeit ins Auge, dass der Autor seinem mehrwöchigen Aufenthalt im Untersuchungsfeld gesondert Aufmerksamkeit schenkt. Innerhalb der akademischen Zunft der <em>professional strangers[<a href="http://www.wildes-denken.de/2011/12/buchbesprechung-stefan-rickmeyer-nach-europa-via-tanger-eine-ethnographie/#footnote_2_683" id="identifier_2_683" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Agar, Michael: The Professional Stranger. An informal Introduction to Ethnography. New York 1980.">3</a>] </em>gilt die stationäre und erfahrungsintensive ethnographische Feldforschung als ein mit Abenteuern verbundenes Wagnis, eine persönlichkeitsbildende Bewährungsprobe sowie ein Initiationsritual, das nur selten ohne das Vergießen von Blut, Schweiß und Tränen zu realisieren ist. Erfrischend detailgetreu berichtet der Verfasser von seinen Erlebnissen in der nordafrikanischen Metropole und nimmt die Subjektivität des Feldforschers, der nicht selten in Drücker- und Klinkenputzermanier seine mit kulturellen Kompetenzen ausgestatteten Gewährsleute von seinem Projekt zu überzeugen hat, in den Fokus seiner Betrachtungen. Der Autor betont des Weiteren ungeschönt die Schwierigkeiten bei der Kontakt- und Kommunikationsaufnahme mit seinen Schlüsselinformanten (S. 35), berichtet von den die Forschung vorantreibenden Schwellenerlebnissen mit den so genannten <em>gatekeepers</em> und dokumentiert plastisch den Prozesscharakter einer auf kontraintuitiv generierten Erkenntnissen aufbauenden Ethnographie.</p>
<p>Das von Rickmeyer zum Einsatz gebrachte methodische Rüstzeug zur sinnverstehenden Durchdringung alltäglicher Lebenszusammenhänge der „Migrationswilligen“ (S. 37) erstreckt sich von der teilnehmenden Beobachtung über leitfadengestützte Expertengespräche bis hin zum protokollartigen Transformieren des sinnlich Wahrgenommenen in <em>fieldnotes[<a href="http://www.wildes-denken.de/2011/12/buchbesprechung-stefan-rickmeyer-nach-europa-via-tanger-eine-ethnographie/#footnote_3_683" id="identifier_3_683" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Sanjek, Roger (Hg.): Fieldnotes. The Making of Anthropology. Ithaca 1990.">4</a>]</em>. Direkte Kulturerfahrung „aus erster Hand“ (S. 54), zwischenmenschliche Interaktionen, mikroskopische Nuancenerfassung und das empathiegeleitete Lesen kulturell inskribierter Handlungszusammenhänge zählen zu den Stärken dieser Studie.</p>
<p>Im Hauptteil des Buches werden die Wanderer zwischen den Kontinenten in drei Gruppen kategorisiert: Schwarzafrikaner mit ungeahnten finanziellen Kapazitäten, vergleichsweise wohlhabende, mit Deutschen verheiratete Nordafrikaner sowie mittellose, aus den Slumvierteln von Casablanca stammende Marokkaner. Deren sozioökonomische Grundvoraussetzungen sind laut Rickmeyer genauso verschieden wie ihre Fluchtrouten und ihre kognitiv konstruierten Bilder vom „Paradies Europa“. Was diese vorwiegend jungen Männer verbindet, sind die Motivationen bzw. Beweggründe (Push-Faktoren), die sie dazu veranlassen, ihrem Heimatland den Rücken zu kehren. Mangelnde Zukunftsperspektiven, hohe Arbeitslosenquoten, ein allgegenwärtiger Verdruss gegenüber verkrusteten politischen Systemen, Korruption, unwürdige Lebensbedingungen und periodisch auftretende Hungerkatastrophen auf afrikanischer Seite stehen den stark geschönten Hoffnungen auf ein besseres Leben, gute Verdienstmöglichkeiten und einem von allen Gefahren und Risikofaktoren befreiten Leben in Europa gegenüber. Darüber hinaus gehört es zu Rickmeyers Verdiensten, die sinnstiftende Leitmetapher des „goldene[n] Norden[s]“ (S. 79) aus afrikanischer Sichtweise zu beleuchten sowie zur Entmythologisierung und Dekonstruktion dieses feststehenden und romantisierten Bildes beizutragen, auch wenn dies im Feld unweigerlich ethische Fragen aufwirft.</p>
<p>Der Hafen von Tanger mit seinen unzähligen Sicherheitszonen, polizeilich gehüteten Grenzregimes[<a href="http://www.wildes-denken.de/2011/12/buchbesprechung-stefan-rickmeyer-nach-europa-via-tanger-eine-ethnographie/#footnote_4_683" id="identifier_4_683" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hess, Sabine: Konturen des Europ&auml;ischen Grenzregimes. Grenzregimeforschung aus kulturanthropologischer Perspektive &ndash; eine Einf&uuml;hrung. In: Hengartner, Thomas/Moser, Johannes (Hg.): Grenzen &amp;amp; Differenzen. Zur Macht sozialer und kultureller Grenzziehung. 35. Kongress der Deutschen Gesellschaft f&uuml;r Volkskunde, Dresden 2006. Schriften zur s&auml;chsischen Geschichte und Volkskunde, Band 17. Leipzig 2006, S. 155-160.">5</a>] und Kontrollmechanismen zählt bei den illegal nach Europa einwandernden Afrikanern zum letzten Hindernis ihrer von Strapazen gekennzeichneten Odyssee, in dessen Einzugsbereich für die klandestinen Grenzgänger eine Vielzahl von Möglichkeiten existieren, sich den „Praktiken der Grenzpolitik“[<a href="http://www.wildes-denken.de/2011/12/buchbesprechung-stefan-rickmeyer-nach-europa-via-tanger-eine-ethnographie/#footnote_5_683" id="identifier_5_683" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="R&ouml;mhild, Regina: Turbulente R&auml;nder. Ethnographische Einsichten in die bewegten Grenzen Europas. In: Johler, Reinhard u.&nbsp;a. (Hg.): Europa und seine Fremden. Die Gestaltung kultureller Vielfalt als Herausforderung. Bielefeld 2007, S. 129-141, hier S. 130.">6</a>] zu entziehen und die Überfahrt zu bewältigen. Verstecke in Hohlräumen von Reisebussen, Viehtransportern oder Lastkraftwagen sind bevorzugte Varianten, um ans andere Ufer zu gelangen, wenngleich die blinden Passagiere vor der Überfahrt nur selten das Gefahrenpotential einschätzen können, das sie während des Transports erwartet.</p>
<p>Im letzten Abschnitt befasst sich der Autor mit drei aussagekräftigen Fallbeispielen, an denen er sowohl paradigmatisch die während des Lebens im Transit[<a href="http://www.wildes-denken.de/2011/12/buchbesprechung-stefan-rickmeyer-nach-europa-via-tanger-eine-ethnographie/#footnote_6_683" id="identifier_6_683" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="L&ouml;fgren, Orvar: Leben im Transit? Identit&auml;ten und Territorialit&auml;t in historischer Perspektive. In: Historische Anthropologie. Kultur &ndash; Gesellschaft &ndash; Alltag 3/3 (1995), S. 349-363.">7</a>] Wirklichkeit werdenden Prozesse widerspiegelt als auch geographisch variable Migrationsdynamiken und -versuche in helleres Licht setzt. Hierbei stechen neben den bei allen der drei Gewährspersonen äußerst heterogen gearteten Vorstellungsgebäuden über Europa ganz besonders die unterschiedlichen Routen der vorgeblich illegitimen Wanderungsbewegung heraus. Der in der nigerianischen Millionenmetropole Lagos geborene J. Kumalo investierte beispielsweise das Geld seines Universitätsstipendiums, um Schlepper zu bezahlen, Grenzposten zu korrumpieren, in der Wüste mit einem Jeep von einem Ort zum anderen zu gelangen oder mittels eines Schleusernetzwerkes von der nordafrikanischen Westküste zu der ihr vorgelagerten Kanareninsel Las Palmas überzusetzen. Diese hier skizzierte Bewegung im Raum findet zumeist unter risikoreichen Bedingungen statt, da die Migranten nicht selten auf offener See den unberechenbaren Kräften der Natur ausgesetzt sind oder im von Landminen durchsäten Territorium staatlicher Grenzgebiete ihren von Hoffnungen getriebenen Weg gen Norden suchen.</p>
<p>Insbesondere Schwarzafrikaner ziehen in Tanger nicht nur aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung als finanzkräftige Elite unter den zumeist minderbegüterten Flüchtlingen den Zorn auf sich. Maghrebiner nehmen unter Zuhilfenahme des „physiognomischen Blick[s]“[<a href="http://www.wildes-denken.de/2011/12/buchbesprechung-stefan-rickmeyer-nach-europa-via-tanger-eine-ethnographie/#footnote_7_683" id="identifier_7_683" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Schmidt-Lauber, Brigitta: Die verkehrte Hautfarbe. Ethnizit&auml;t deutscher Namibier als Alltagspraxis. Lebensformen. Ver&ouml;ffentlichungen des Instituts f&uuml;r Volkskunde der Universit&auml;t Hamburg, Band 10. Berlin, Hamburg 1998, S. 206.">8</a>] die äußerlichen Merkmale wie beispielsweise die vergleichsweise dunklere Hautfarbe zum Anlass, um kontrastive Ethnizitätsmerkmale zu konstruieren, die wiederum einen Nährboden für xenophobe Ängste und rassisch motivierte Stereotype bereitstellen. Dieser in nahezu allen Gesellschaftsschichten grassierende Alltagsrassismus, so fand der Autor in seiner Untersuchung heraus, zeichnet dafür verantwortlich, dass zahlreiche Glücksritter aus Regionen südlich der Sahara tagsüber das urbane Zentrum meiden und in Verstecken in nahegelegenen Waldgebieten verweilen.</p>
<p>Das alles in allem äußerst anregende Buch von Stefan Rickmeyer präsentiert seinen Lesern ein perspektivenreiches Bild von jenen sich im Raum bewegenden Menschen, die aus unterschiedlichsten Motivlagen ihre Heimat in Richtung Europa verlassen möchten, dafür kaum vorstellbare Erschwernisse auf sich nehmen, um am vorläufigen Ende ihres Lebens im Transit in „dauerhaft provisorischen“[<a href="http://www.wildes-denken.de/2011/12/buchbesprechung-stefan-rickmeyer-nach-europa-via-tanger-eine-ethnographie/#footnote_8_683" id="identifier_8_683" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Bauman, Zygmunt: Fl&uuml;chtige Zeiten. Leben in der Ungewissheit. Hamburg 2008, S. 70.">9</a>] Auffanglagern und von der Weltöffentlichkeit wenig wahrgenommenen<em> detention centres[<a href="http://www.wildes-denken.de/2011/12/buchbesprechung-stefan-rickmeyer-nach-europa-via-tanger-eine-ethnographie/#footnote_9_683" id="identifier_9_683" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Rembges, Almut: Who is a Refugee &ndash; Strategies of Visibilization in the Neighbourhood of a Refugee Reception Camp and a Detention Centre. In: Bischoff, Christine/Falk, Francesca/Kafehsy, Sylvia (Hg.): Images of Illegalized Immigration. Towards a Critical Iconology of Politics. Bielefeld 2010, S. 167-176, hier S. 167f.">10</a>]</em> den zählebigen Strukturen bürokratischer Verfahren ausgesetzt zu sein. Dem Willen der „illegalen Immigranten“, den strapaziösen Weg in ein besseres Leben aufzunehmen, stehen hier die Ambitionen der europäischen Wohlstandsstaaten gegenüber, den vermeintlichen Eindringlingen aus der kulturellen Fremde mittels immer „höhere[r] Mauern und Zäune“ (S. 120) den Weg nach Europa zu versperren.</p>
<p>Rickmeyers bemerkenswerte ethnographische Studie zeigt meines Erachtens auch die Chancen einer akademischen Magisterarbeit, die eben nicht – wie leider allzu oft üblich bei diesem Genre – in der Schreibtischschublade verstaubt, sondern ihre Aufgabe darin sieht, die kulturwissenschaftlichen und zumal gesellschaftsrelevanten Ergebnisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bei dem für diese Abschlussarbeit gewählten kulturellen Phänomen ist die Veröffentlichung im Hausverlag der Tübinger Schule nicht zuletzt deshalb sinnvoll, weil ein eingehendes Verständnis über strukturelle Wesensmerkmale der „illegalen“ Immigration nach Europa insbesondere vor dem Hintergrund der tagesaktuellen Geschehnisse vor unserer Haustür ein dringendes Desiderat ist. Nicht zuletzt vor der Reflexionsfläche der von Seiten der Europäischen Union betriebenen gouvernementalen Praxisformen beim vorgeblich rationalen Regieren der vor Lampedusa in maroden Booten zusammengepferchten Hoffnungssuchenden, deren Ziel darin besteht, die „turbulenten Migrations- und Flüchtlingsbewegungen“[<a href="http://www.wildes-denken.de/2011/12/buchbesprechung-stefan-rickmeyer-nach-europa-via-tanger-eine-ethnographie/#footnote_10_683" id="identifier_10_683" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hess, Sabine: Das Wissen (von) der Migration. Zur Bedeutung von Wissensprozessen f&uuml;r die neue Kunst des Regierens der Migration in Europa. In: Simon, Michael u.&nbsp;a. (Hg.): Bilder. B&uuml;cher. Bytes. Zur Medialit&auml;t des Alltags. 36. Kongress der Deutschen Gesellschaft f&uuml;r Volkskunde in Mainz vom 23. bis 26.&nbsp;September 2007. Mainzer Beitr&auml;ge zur Kulturanthropologie/Volkskunde, Band 3. M&uuml;nster u.&nbsp;a. 2009, S. 136-142, hier S. 138. / Vgl. auch Transit Migration Forschungsgruppe (Hg.): Turbulente R&auml;nder. Neue Perspektiven auf Migration an den Grenzen Europas. 2., unver&auml;nderte Auflage. Bielefeld 2007.">11</a>] nach dem Sturz zahlreicher Despoten sowie dem sukzessiven Niedergang autokratischer Machtstrukturen im Zuge des arabischen Frühlings vom europäischen Festland fernzuhalten, bieten die in dieser Forschungsarbeit entfalteten ethnographischen Horizonte einen elementaren Wissensfundus, der maßgeblich zum Verstehen dieser gen Europa gerichteten Mobilitätsdynamiken beiträgt.</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_683" class="footnote">Johler, Reinhard/Tschofen, Bernhard (Hg.): Empirische Kulturwissenschaft. Eine Tübinger Enzyklopädie. Untersuchungen des Ludwig-Uhland-Instituts der Universität Tübingen. Band 100. Tübingen 2008.</li><li id="footnote_1_683" class="footnote">Appadurai, Arjun: Fear of Small Numbers. An Essay on the Geography of Anger. Durham, Mass. 2006.</li><li id="footnote_2_683" class="footnote">Agar, Michael: The Professional Stranger. An informal Introduction to Ethnography. New York 1980.</li><li id="footnote_3_683" class="footnote">Sanjek, Roger (Hg.): Fieldnotes. The Making of Anthropology. Ithaca 1990.</li><li id="footnote_4_683" class="footnote">Hess, Sabine: Konturen des Europäischen Grenzregimes. Grenzregimeforschung aus kulturanthropologischer Perspektive – eine Einführung. In: Hengartner, Thomas/Moser, Johannes (Hg.): Grenzen &amp; Differenzen. Zur Macht sozialer und kultureller Grenzziehung. 35. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde, Dresden 2006. Schriften zur sächsischen Geschichte und Volkskunde, Band 17. Leipzig 2006, S. 155-160.</li><li id="footnote_5_683" class="footnote">Römhild, Regina: Turbulente Ränder. Ethnographische Einsichten in die bewegten Grenzen Europas. In: Johler, Reinhard u. a. (Hg.): Europa und seine Fremden. Die Gestaltung kultureller Vielfalt als Herausforderung. Bielefeld 2007, S. 129-141, hier S. 130.</li><li id="footnote_6_683" class="footnote">Löfgren, Orvar: Leben im Transit? Identitäten und Territorialität in historischer Perspektive. In: Historische Anthropologie. Kultur – Gesellschaft – Alltag 3/3 (1995), S. 349-363.</li><li id="footnote_7_683" class="footnote">Schmidt-Lauber, Brigitta: Die verkehrte Hautfarbe. Ethnizität deutscher Namibier als Alltagspraxis. Lebensformen. Veröffentlichungen des Instituts für Volkskunde der Universität Hamburg, Band 10. Berlin, Hamburg 1998, S. 206.</li><li id="footnote_8_683" class="footnote">Bauman, Zygmunt: Flüchtige Zeiten. Leben in der Ungewissheit. Hamburg 2008, S. 70.</li><li id="footnote_9_683" class="footnote">Rembges, Almut: Who is a Refugee – Strategies of Visibilization in the Neighbourhood of a Refugee Reception Camp and a Detention Centre. In: Bischoff, Christine/Falk, Francesca/Kafehsy, Sylvia (Hg.): Images of Illegalized Immigration. Towards a Critical Iconology of Politics. Bielefeld 2010, S. 167-176, hier S. 167f.</li><li id="footnote_10_683" class="footnote">Hess, Sabine: Das Wissen (von) der Migration. Zur Bedeutung von Wissensprozessen für die neue Kunst des Regierens der Migration in Europa. In: Simon, Michael u. a. (Hg.): Bilder. Bücher. Bytes. Zur Medialität des Alltags. 36. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde in Mainz vom 23. bis 26. September 2007. Mainzer Beiträge zur Kulturanthropologie/Volkskunde, Band 3. Münster u. a. 2009, S. 136-142, hier S. 138. / Vgl. auch Transit Migration Forschungsgruppe (Hg.): Turbulente Ränder. Neue Perspektiven auf Migration an den Grenzen Europas. 2., unveränderte Auflage. Bielefeld 2007.</li></ol><p><!--[if IE]><iframe frameborder="0" allowTransparency="true" class="addtoany_special_service facebook_like" src="http://www.facebook.com/plugins/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2011%2F12%2Fbuchbesprechung-stefan-rickmeyer-nach-europa-via-tanger-eine-ethnographie%2F&amp;layout=button_count&amp;show_faces=false&amp;width=75&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;height=20&amp;ref=addtoany" scrolling="no" style="border:none;overflow:hidden;width:90px;height:21px"></iframe><![endif]--><!--[if !IE]><!--><iframe class="addtoany_special_service facebook_like" src="http://www.facebook.com/plugins/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2011%2F12%2Fbuchbesprechung-stefan-rickmeyer-nach-europa-via-tanger-eine-ethnographie%2F&amp;layout=button_count&amp;show_faces=false&amp;width=75&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;height=20&amp;ref=addtoany" scrolling="no" style="border:none;overflow:hidden;width:90px;height:21px"></iframe><!--<![endif]--><!--[if IE]><iframe frameborder="0" allowTransparency="true" class="addtoany_special_service twitter_tweet" src="http://platform.twitter.com/widgets/tweet_button.html?url=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2011%2F12%2Fbuchbesprechung-stefan-rickmeyer-nach-europa-via-tanger-eine-ethnographie%2F&amp;counturl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2011%2F12%2Fbuchbesprechung-stefan-rickmeyer-nach-europa-via-tanger-eine-ethnographie%2F&amp;count=none&amp;text=Buchbesprechung%3A%20Stefan%20Rickmeyer%3A%20Nach%20Europa%20via%20Tanger.%20Eine%20Ethnographie" scrolling="no" style="border:none;overflow:hidden;width:55px;height:20px"></iframe><![endif]--><!--[if !IE]><!--><iframe class="addtoany_special_service twitter_tweet" src="http://platform.twitter.com/widgets/tweet_button.html?url=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2011%2F12%2Fbuchbesprechung-stefan-rickmeyer-nach-europa-via-tanger-eine-ethnographie%2F&amp;counturl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2011%2F12%2Fbuchbesprechung-stefan-rickmeyer-nach-europa-via-tanger-eine-ethnographie%2F&amp;count=none&amp;text=Buchbesprechung%3A%20Stefan%20Rickmeyer%3A%20Nach%20Europa%20via%20Tanger.%20Eine%20Ethnographie" scrolling="no" style="border:none;overflow:hidden;width:55px;height:20px"></iframe><!--<![endif]--><!--[if IE]><iframe frameborder="0" allowTransparency="true" class="addtoany_special_service google_plusone" src="https://plusone.google.com/u/0/_/%2B1/fastbutton?url=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2011%2F12%2Fbuchbesprechung-stefan-rickmeyer-nach-europa-via-tanger-eine-ethnographie%2F&amp;size=medium&amp;count=false" scrolling="no" style="border:none;overflow:hidden;width:32px;height:20px"></iframe><![endif]--><!--[if !IE]><!--><iframe class="addtoany_special_service google_plusone" src="https://plusone.google.com/u/0/_/%2B1/fastbutton?url=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2011%2F12%2Fbuchbesprechung-stefan-rickmeyer-nach-europa-via-tanger-eine-ethnographie%2F&amp;size=medium&amp;count=false" scrolling="no" style="border:none;overflow:hidden;width:32px;height:20px"></iframe><!--<![endif]--><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2011%2F12%2Fbuchbesprechung-stefan-rickmeyer-nach-europa-via-tanger-eine-ethnographie%2F&amp;title=Buchbesprechung%3A%20Stefan%20Rickmeyer%3A%20Nach%20Europa%20via%20Tanger.%20Eine%20Ethnographie" id="wpa2a_2">Weitersagen</a></p>

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		<title>Wie relativ ist der Kulturrelativismus? Wie universell ist der Universalismus?</title>
		<link>http://www.wildes-denken.de/2011/09/wie-relativ-ist-der-kulturrelativismus-wie-universell-ist-der-universalismus/</link>
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		<pubDate>Fri, 23 Sep 2011 11:31:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Janne Mende</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Universalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung / Genitalbeschneidung ist nach wie vor ein höchst kontroverses Thema. Während in anderen sozialwissenschaftlichen Bereichen längst Konsens über ihre Ablehnung herrscht, weisen vor allem Ethnolog/-innen auf die spezifischen Kontexte und Begründungskonstellationen der Praxis hin. Die Auseinandersetzungen berühren die dahinter liegende Frage nach dem Verhältnis von Kulturrelativismus und Universalismus. Soll eine [...]


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			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung / Genitalbeschneidung ist nach wie vor ein höchst kontroverses Thema. Während in anderen sozialwissenschaftlichen Bereichen längst Konsens über ihre Ablehnung herrscht, weisen vor allem Ethnolog/-innen auf die spezifischen Kontexte und Begründungskonstellationen der Praxis hin. Die Auseinandersetzungen berühren die dahinter liegende Frage nach dem Verhältnis von Kulturrelativismus und Universalismus. Soll eine Praxis, die zwar nicht dem ‚eigenen’ Selbstverständnis entspricht, aber eine hohe Bedeutung in den ausführenden Gesellschaften inne hat, anerkannt und als sozialer Mechanismus (mit jeweils verschiedenen Funktionen) respektiert werden? Oder soll ein universalistischer Bezug auf Menschenrechte und auf Menschenwürde das Leiden von Mädchen und Frauen an der Praxis hervorheben und ihre Abschaffung begründen?</p>
<p>Beide Positionen behalten – in gewisser Hinsicht – (gegeneinander) Recht: Körperliche, psychische, sexuelle und psychosoziale Schädigungen durch den Eingriff sind real und breit dokumentiert. Ebenso real ist die zentrale gesellschaftliche Funktion, die die Praxis in den betreffenden Gesellschaften einnimmt. Beide Positionen sind aber auch ihrer Unzulänglichkeit zu überführen:<span id="more-658"></span></p>
<div id="attachment_661" class="wp-caption alignleft" style="width: 187px"><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3837619117/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=ethnologiestu-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3837619117" target="_blank"><img class="size-medium wp-image-661  " title="Begründungsmuster weiblicher Genitalverstümmelung: Zur Vermittlung von Kulturrelativismus und Universalismus" src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2011/09/jannemende-197x300.jpg" alt="" width="177" height="270" /></a><p class="wp-caption-text">Janne Mende ist Autorin des kürzlich erschienen Buchs &quot;Begründungsmuster weiblicher Genitalverstümmelung&quot;</p></div>
<p>Die Anerkennung funktionaler Aspekte der Praxis ignoriert das Leiden, das der Eingriff verursacht. Der Versuch ihrer bedingungslosen und kontextlosen Abschaffung wird seinerseits repressiv, wenn er statisch, willkürlich und unter Missachtung gegebener Lebenswelten verfährt. Es führt daher in eine Sackgasse, möchte man nur auf dem Weg eines extremen Kulturrelativismus oder eines abstrakten Universalismus zu einer Lösung kommen. Um einen Umgang mit den sich diametral entgegenstehenden Aspekten gesellschaftlicher Funktionalität und individuellen Leidens zu finden, müssen die emanzipatorischen und die repressiven Aspekte beider Seiten, also sowohl von Kulturrelativismus als auch von Universalismus, in den Blick genommen werden. Dann lässt sich herausarbeiten, dass die Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung/Genitalbeschneidung in (mindestens) sieben Funktionsmustern auftritt, die allesamt trotz ihrer Unterschiedlichkeit hinsichtlich der Begründung, der Ausführung und der Relevanz ein gemeinsames Merkmal aufweisen: Sie dienen der Herstellung von Identität. Damit ist die Praxis für die Mädchen und Frauen alternativlos, sofern sie ein sozial akzeptiertes Leben führen, gesellschaftliche Anerkennung erlangen, Zugang zu Ressourcen erhalten oder überhaupt handlungsfähig sein wollen. Vor diesem Hintergrund lässt sich eine bewusste Entscheidung für die Praxis (sofern eine solche vorliegt) kaum als freie, autonome Wahl bezeichnen. Nun ist diese Alternativlosigkeit allerdings auch kein statisches Verhältnis. Vorstellbar wären beispielsweise die Erweiterung von Identitäts- und Handlungsmöglichkeiten und der abgesicherte Zugang zu Ressourcen für Frauen. Dabei ist zweierlei unabdingbar: Sowohl der Einbezug von lokalen, spezifischen Konstellationen und Gegebenheiten als auch ein Maßstab für Kritik, ein Bewusstsein von Leiden, das es betroffenen Frauen ermöglicht, sich für ihre Rechte und Interessen einzusetzen. Ein vermittelter, kontextsensibler Universalismus, der an der Notwendigkeit der Verminderung von Leiden festhält, kann einen analytischen Zugang bieten, der diese Aspekte im Blick behält und der weitergehende Reflexion nicht nur ermöglicht, sondern zur Voraussetzung hat.</p>
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		<title>Buchbesprechung: Joana Breidenbach &amp; Pál Nyíri: Seeing Culture Everywhere. From Genocide to Consumer Habits.</title>
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		<pubDate>Tue, 30 Aug 2011 20:32:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David Johannes Berchem</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Ethnizität]]></category>

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		<description><![CDATA[Auch wenn von Vertretern der Sozial- und Kulturanthropologie in kontinuierlichen Abständen die Abschaffung des Begriffs Kultur gefordert wird, verwiesen sei an dieser Stelle nur kursorisch auf den Aufsatz Writing against Culture der US-amerikanischen Kulturanthropologin Lila Abu-Lughod[1] oder den in der Zeitschrift für Kulturwissenschaften aus dem Jahr 2007 abgedruckten Beitrag von Chris Hann[2], bezieht das Autorenduo [...]


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://www.amazon.de/dp/0295989505/ref=as_li_ss_til?tag=ethnologiestu-21&amp;camp=2906&amp;creative=19474&amp;linkCode=as4&amp;creativeASIN=0295989505&amp;adid=0TDQJVJQFXCMY34TMRF0&amp;" target="_blank"><img class="alignright size-medium wp-image-563" title="BREIDENBACH, Joana/NYÍRI, Pál: Seeing Culture Everywhere. From Genocide to Consumer Habits" src="http://www.wildes-denken.de/wp-content/uploads/2011/08/Joana-Breidenbach-200x300.jpg" alt="" width="200" height="300" /></a>Auch wenn von Vertretern der Sozial- und Kulturanthropologie in kontinuierlichen Abständen die Abschaffung des Begriffs <em><strong>Kultur</strong></em> gefordert wird, verwiesen sei an dieser Stelle nur kursorisch auf den Aufsatz <em><strong>Writing against Culture</strong></em> der US-amerikanischen Kulturanthropologin Lila Abu-Lughod[<a href="http://www.wildes-denken.de/2011/08/buchbesprechung-breidenbach-pal-seeing-culture-everywhere/#footnote_0_634" id="identifier_0_634" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Abu-Lughod, Lila: Writing Against Culture. In: Fox, Richard (Hg.): Recapturing Anthropology. Working in the Present. Santa Fe 1991, S. 137-162.">1</a>] oder den in der Zeitschrift für Kulturwissenschaften aus dem Jahr 2007 abgedruckten Beitrag von Chris Hann[<a href="http://www.wildes-denken.de/2011/08/buchbesprechung-breidenbach-pal-seeing-culture-everywhere/#footnote_1_634" id="identifier_1_634" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hann, Chris: Weder nach dem Revolver noch dem Scheckbuch, sondern nach dem Rotstift greifen: Pl&auml;doyer eines Ethnologen f&uuml;r die Abschaffung des Kulturbegriffs. In: Zeitschrift f&uuml;r Kulturwissenschaften 1 (2007), S. 125-146.">2</a>], bezieht das Autorenduo des hier besprochenen Buches im Hinblick auf das zyklische <em><strong>culture bashing</strong></em> eine konträre Position, denn Kultur hat nicht nur Hochkonjunktur, sondern <em><strong>culture matters</strong></em> (S. 24). Aus genuin ethnologisch argumentierender Warte appellieren Breidenbach und Pál unter Rekursnahme auf Ulf Hannerz daran, das Kulturwesen Mensch und dessen im alltäglichen Lebensvollzug erzeugten Bedeutungen und symbolischen Semantiken wieder in den Fokus der Betrachtungen zu rücken (S. 73), um damit nicht zuletzt mit nah an der sozialen Lebenswirklichkeit angesiedelten kritischen Kulturanalysen die Schlüsselkompetenzen der Ethnowissenschaften – hierunter subsumiere ich die Ethnologie, Kulturanthropologie, Europäischen Ethnologie und Volkskunde – herauszustreichen. Insbesondere die mit den gesellschaftlichen Umbrüchen der Dekolonisation, der Bürgerrechtsbewegung in den USA, dem Ende des Kalten Krieges und der Globalisierung einhergehenden Prozesse haben zur Proliferation der Begriffe Kultur und Ethnizität geführt, die sowohl bei ethnisch etikettierten Auseinandersetzungen auf dem Balkan als auch bei der Verteidigung indigener Wissensbestände im Mato Grosso als selbstevidente Gewissheiten in aller Munde sind. <span id="more-634"></span>Auch in den Wissenschaften vom Menschen blieben die oben genannten Transformationen und veränderten Rahmenbedingungen seit der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts insofern nicht ohne Auswirkungen, als dass sie einerseits zu einer Reihe von <em><strong>turns</strong></em> in den Kulturwissenschaften führten und andererseits revisionistische Diskussionen über die Adäquatheit des methodischen und theoretischen Instrumentariums zur Untersuchung wie Repräsentation von Kultur auslösten. Hierbei unterzog sich auch die Ethnologie einer Modifizierung, da sie gegenwärtig ihre Aufgabe nicht mehr darin sieht, vorgeblich abgeschlossene soziale Einheiten an fest definierten Orten wie pazifischen Inseln oder afrikanischen Dörfern zu erforschen. Vielmehr verschob sich ihr Kompetenzbereich in ein heterogenes Setting globaler Verflechtungen (<em><strong>global village</strong></em>), in dem sich ihre gesellschaftsrelevante Bestimmung darin erschöpfte – so zitieren die Autoren Thomas Hylland Eriksen –, es denjenigen, die simplifizierende Antworten auf komplexe Fragen geben wollen, schwieriger zu machen, diese zu rechtfertigen (S. 23).</p>
<p>In den sechs aufeinander folgenden Kapiteln werden mittels zahlreicher ethnografischer Beispiele sowie eines komparativ angelegten Blickwinkels einzelne thematische Akzentuierungen beleuchtet, um zu dokumentieren, welchen maßgeblichen Einfluss die anthropogene Grundkonstante <em><strong>cultura</strong></em> – verstanden mit dem semiotischen Ansatz von Geertz als eine Textlandschaft, deren innere Logik nur über die Untersuchung von konkreten menschlichen Handlungsabläufen in diesen Bedeutungsgeweben erschlossen werden kann[<a href="http://www.wildes-denken.de/2011/08/buchbesprechung-breidenbach-pal-seeing-culture-everywhere/#footnote_2_634" id="identifier_2_634" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Geertz, Clifford: Dichte Beschreibung. Bemerkungen zu einer deutenden Theorie von Kultur. In: Ders.: Dichte Beschreibung. Beitr&auml;ge zum Verstehen kultureller Systeme. 6. Auflage. Frankfurt a. M. 1999, S. 7-43, hier S. 9.">3</a>] – auf die soziale Wirklichkeit von Akteuren aus unterschiedlichen Winkeln der Erde besitzt. Das Kapitel <em><strong>Clashing Civilizations </strong></em>dekonstruiert die Anfang der 1990er Jahre aufgestellte These von Samuel Huntington, die vorgibt zu wissen, dass die Verwerfungslinien zwischen den „Zivilisationen“ die Kampflinien der Zukunft sein werden. Die die Bush Administration beim <em><strong>war against terror</strong></em> graduell legitimierenden Studien von Bernard Lewis und Raphael Patai, so schildern Breidenbach und Pál, bestechen nicht gerade durch Sensibilität und Reflexivität, sondern durch die Ausblendung intrakultureller Unterschiede sowie die – in der Tradition der <em><strong>culture and personality school</strong></em> (S. 62) stehende – generalisierende Konstruktion essentialistischer Entitäten und nationaler Charaktere. Dass diese medialen Zurschaustellungen monolithischer und durchgängig ahistorischer Kulturrepräsentationen – der islamische „Kulturraum“ ist dabei nur ein prominentes wie tagesaktuelles Beispiel unter vielen – ihre zum Teil ideologisch motivierte Sprengkraft nur aufgrund von Wirklichkeitsverzerrungen und stereotypen Komplexitätsreduzierungen generieren, darf hier vorausgesetzt werden.</p>
<p>Nachdem uns ein Kapitel darüber informiert hat, dass Entwicklungshilfeprojekte hautsächlich an der nur unzureichenden kulturellen Einbettung bzw. der mangelnden Vertrautheit mit lokalen Gegebenheiten (Bsp. Einhaltung traditioneller Distributionswege) scheitern, beschäftigt sich Kapitel drei mit den Ursachen und Folgen virulenter Ethnisierungsprozesse, bei denen insbesondere sozial marginalisierte bzw. stigmatisierte Gruppen mit dem strategischen Verweis auf <em><strong>ihre</strong></em> Kultur, Historie, Sprache, Hautfarbe und Zugehörigkeit erbittert um Autonomie, politische Rechte, natürliche Ressourcen und Macht kämpfen. Nach Günther Schlee, der als Direktor des Departments Integration und Konflikt des Max-Planck-Instituts für ethnologische Forschung in Halle an der Saale <em>Eine Theorie religiöser und ethnischer Konflikte</em>[<a href="http://www.wildes-denken.de/2011/08/buchbesprechung-breidenbach-pal-seeing-culture-everywhere/#footnote_3_634" id="identifier_3_634" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Schlee, G&uuml;nther: Wie Feindbilder entstehen. Eine Theorie religi&ouml;ser und ethnischer Konflikte. M&uuml;nchen 2006.">4</a>] vorgelegt hat, sind vor allen Dingen konstruierte Identitätsmarker dafür verantwortlich, dass Fremdbilder und damit ethnische Auseinandersetzungen in Sri Lanka, dem Irak und Srebrenica entstehen. Denn diese von den Akteuren als primordiale Gegebenheiten gehandelten Faktizitäten machen es erst möglich, eine Grenze zwischen den Hutu und den Tutsi (S. 126ff.) zu ziehen. Über jene ikonischen Bilder von der eigenen Ethnizität, die über politische Instrumentalisierung und mehr oder weniger historisch belegbare Traditions- wie Mythenbildung im Stil einer <em>invention of tradition</em>[<a href="http://www.wildes-denken.de/2011/08/buchbesprechung-breidenbach-pal-seeing-culture-everywhere/#footnote_4_634" id="identifier_4_634" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hobsbawm, Eric: Introduction: Inventing Traditions. In: Ders/Ranger, Terence (Hg.): The Invention of Tradition. Cambridge 1983, S. 1-14.">5</a>] zu den so genannten <em>primordial loyalities</em>[<a href="http://www.wildes-denken.de/2011/08/buchbesprechung-breidenbach-pal-seeing-culture-everywhere/#footnote_5_634" id="identifier_5_634" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Geertz, Clifford: Angestammte Loyalit&auml;ten, bestehende Einheiten. Anthropologische Reflexionen zur Identit&auml;tspolitik. In: Merkur. Deutsche Zeitschrift f&uuml;r europ&auml;isches Denken 48 (1994), S. 392-403.">6</a>] verdichtet werden, lassen sich imaginierte Gemeinschaften herstellen. Diese kulturelle Fabrikation von sich über Kontraste und Äquivalenzen definierenden Kollektiven nehmen solch radikale und menschenverachtende Züge an, dass sogar <em><strong>ordinary people</strong></em> (S. 133) – der frappierende und zugleich die eigene Kultur betreffende Zusammenhang zum Buch <em><strong>Ganz normale Männer</strong></em> von Christopher R. Browning fällt mir en passant auf[<a href="http://www.wildes-denken.de/2011/08/buchbesprechung-breidenbach-pal-seeing-culture-everywhere/#footnote_6_634" id="identifier_6_634" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Browning, Christopher R.: Ganz normale M&auml;nner. Das Reserve-Polizeibataillon 101 und die &bdquo;Endl&ouml;sung&ldquo; in Polen. 6. Auflage. Reinbek bei Hamburg 2005.">7</a>] – Kriegsgräuel gegenüber ihren Mitmenschen ausüben. Das Kapitel über den in vielen Teilen des alten Kontinents vorgeblich gescheiterten Multikulturalismus, dem klassische Einwanderungsländer wie Kanada und Australien bereits in den 1980er Jahren als erstrebenswerte Gesellschaftsform auch auf politischer Ebene eine Grundlage schufen, zeigt eindrucksvoll, weshalb dieser Begriff in vielen Ländern der Erde anhaltend kontroverse und nicht selten polemisch geführte Dispute nach sich zieht. Nicht nur das Kopftuch, als sichtbares wie symbolisches Emblem der religiösen oder modischen Identifikation, sondern auch Zwangsehen, Ehrenmorde, Karikaturenstreit, die Assimilationsbestrebungen gegenüber den australischen Ureinwohnern, die Folgen von 9/11 sowie die von afrikanischen Migrantinnen in Europa praktizierten Formen der Infibulation werden als Beispiele kulturwissenschaftlich analysiert, um das Wechselverhältnis zwischen dominierender Mehrheitsgesellschaft und minoritären Gruppen zu reflektieren. Nach dem Abschnitt über den Schutz indigener Wissensbestände – beispielsweise Heilpflanzen, <em><strong>haka</strong></em>, die Rekonstruktion der Buddhastatuen im afghanischen Bamiyan-Tal, der kulturelle Genozid des Geschichtsverständnisses und die <em><strong>heritage-ization</strong></em> (S. 247) von Fetischobjekten – setzt besonders der Abschnitt über die interkulturelle Kommunikation Akzente. In einer zunehmend global gestimmten Welt sei ein spezifisches Wissen über Kultur<em><strong>en</strong></em><strong><em> </em></strong>nicht nur bei mobilen <em><strong>Expatriats </strong></em>transnational operierender Konzerne eine absolute Notwendigkeit, um erstens die firmeninternen Wirtschaftsziele umzusetzen und zweitens kulturell bedingte Störungen der Arbeitsabläufe aufgrund der hieraus resultierenden Mehrkosten zu vermeiden. Die im Fahrwasser von Geert Hofstede manövrierende Ratgeberflut mit der selbstauferlegten Leitprämisse „<em><strong>cracking cultural codes</strong></em>“ (S. 302), die westlichen Wirtschaftsunternehmen in China eine verheißungsvolle, kulturelle Barrieren transzendierende und damit gewinnoptimierte zwischenmenschliche Interaktion garantiert, wird von den Autoren kritisch gegen den Strich gelesen und interpretiert.</p>
<p>Mein Fazit lautet: Breidenbach und Pál besitzen als ethnologisch geschulte Wissenschaftler das nachdrücklich formulierte Anliegen, die kulturell konditionierten Erscheinungen vor dem Hintergrund ihrer lebensweltlichen Rückbindung zu betrachten und zugleich die an der Entstehung kultureller Wissensordnungen beteiligten Deutungs- und Sinnstiftungsagenturen ans Licht zu bringen. Die im Buch eingenommene Perspektive auf Welt verdient deshalb ausdrückliches Lob, weil sie von der Grundannahme ausgeht, dass kontraintuitive Erkenntnisse nur dann zu Tage gefördert werden können, wenn man dem Facettenreichtum der Realität gesondert Rechnung trägt. Jene in <em><strong>Seeing Culture Everywhere</strong></em> unternommenen sozial- und kulturanthropologischen Vorstöße in die gelebte Wirklichkeit tun sich insofern hervor, als dass sie mittels ethnografisch dichter Verfahrensweisen gleichzeitig das vorgeblich Bekannte verfremden und das vermeintlich Exotische vertraut werden lassen. Bei der Lösung von signifikanten Fragen in unserem globalisierten Zeitalter, so weiß das Autorenduo zu berichten, seien weder monokausale Erklärungsversuche noch pauschalisierende Bewertungsallianzen zielführend, sondern vielmehr sei ein über ethnografisch-induktive Verfahrensweisen generiertes Gespür für die Kontextualitäten und die Wechselwirkungen von konfliktträchtigen kulturellen Zerklüftungen von Nöten. Bei der Auseinandersetzung mit Phänomenen wie etwa die Verwendbarkeit ethnologischer Wissensbestände im Kriegseinsatz (S. 152) oder die Ursachen der vergleichsweise niedrigen Lebenserwartung bei australischen Aborigines (S. 314ff.) wird in den Kulturanthropologie mit Nachdruck an die Renaissance eines dekonstruktivistischen Blicks appelliert, den der Forscher in seinem Untersuchungsfeld einnehmen soll. Diese erfahrungsgesättigte und auf die lokal-kulturellen Mikrobereiche fokussierte Sehweise lässt sich nicht von der Bilder- und Symbolpolitik der Aufmerksamkeitsindustrie blenden. Methodisch im Erbe von Malinowskis und Mead ausgebildet, begibt sich der Forscher persönlich mit <em><strong>Leib und Seele</strong></em> in die wenig hinterfragten „Unterwelten der Kultur“[<a href="http://www.wildes-denken.de/2011/08/buchbesprechung-breidenbach-pal-seeing-culture-everywhere/#footnote_7_634" id="identifier_7_634" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Maase, Kaspar/Warneken, Bernd J&uuml;rgen (Hg.): Unterwelten der Kultur. Themen und Theorien der volkskundlichen Kulturwissenschaft. K&ouml;ln u. a. 2003.">8</a>] bzw. populärkulturellen Niederungen des menschlichen Alltags und ist aufgrund seiner „vor Ort“ gesammelten Wissenserkenntnisse als interkulturell sensibilisierte Autorität in der Lage, ein genaues Bild vom Welt- und Selbstverständnis, welches nicht selten unter Zuhilfenahme von Narrativen, rituellen Handlungen und Symbolen zu einem stimmigen und mit Sinn angereicherten Gesamtkonstrukt verdichtet wird[<a href="http://www.wildes-denken.de/2011/08/buchbesprechung-breidenbach-pal-seeing-culture-everywhere/#footnote_8_634" id="identifier_8_634" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Eriksen, Thomas Hylland: What is Anthropology? London 2004, S. 169.">9</a>], der dort lebenden „Anderen“ zu zeichnen. Diese Expertise macht die vorliegende Publikation nicht nur für ein akademisches Publikum interessant, sondern auch empfehlenswert für Menschen, die eine demaskierende Sichtweise auf Kultur erlernen möchten.</p>
<p><a href="https://www.amazon.de/dp/0295989505/ref=as_li_ss_til?tag=ethnologiestu-21&amp;camp=2906&amp;creative=19474&amp;linkCode=as4&amp;creativeASIN=0295989505&amp;adid=0TDQJVJQFXCMY34TMRF0&amp;" target="_blank">Breidenbach, Joana/Nyíri, Pál: Seeing Culture Everywhere. From Genocide to Consumer Habits. University of Washington Press. Washington 2009, 416 S., 17.95 €.</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_634" class="footnote">Abu-Lughod, Lila: Writing Against Culture. In: Fox, Richard (Hg.): Recapturing Anthropology. Working in the Present. Santa Fe 1991, S. 137-162.</li><li id="footnote_1_634" class="footnote">Hann, Chris: Weder nach dem Revolver noch dem Scheckbuch, sondern nach dem Rotstift greifen: Plädoyer eines Ethnologen für die Abschaffung des Kulturbegriffs. In: Zeitschrift für Kulturwissenschaften 1 (2007), S. 125-146.</li><li id="footnote_2_634" class="footnote">Geertz, Clifford: Dichte Beschreibung. Bemerkungen zu einer deutenden Theorie von Kultur. In: Ders.: Dichte Beschreibung. Beiträge zum Verstehen kultureller Systeme. 6. Auflage. Frankfurt a. M. 1999, S. 7-43, hier S. 9.</li><li id="footnote_3_634" class="footnote">Schlee, Günther: Wie Feindbilder entstehen. Eine Theorie religiöser und ethnischer Konflikte. München 2006.</li><li id="footnote_4_634" class="footnote">Hobsbawm, Eric: Introduction: Inventing Traditions. In: Ders/Ranger, Terence (Hg.): The Invention of Tradition. Cambridge 1983, S. 1-14.</li><li id="footnote_5_634" class="footnote">Geertz, Clifford: Angestammte Loyalitäten, bestehende Einheiten. Anthropologische Reflexionen zur Identitätspolitik. In: Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken 48 (1994), S. 392-403.</li><li id="footnote_6_634" class="footnote">Browning, Christopher R.: Ganz normale Männer. Das Reserve-Polizeibataillon 101 und die „Endlösung“ in Polen. 6. Auflage. Reinbek bei Hamburg 2005.</li><li id="footnote_7_634" class="footnote">Maase, Kaspar/Warneken, Bernd Jürgen (Hg.): Unterwelten der Kultur. Themen und Theorien der volkskundlichen Kulturwissenschaft. Köln u. a. 2003.</li><li id="footnote_8_634" class="footnote">Eriksen, Thomas Hylland: What is Anthropology? London 2004, S. 169.</li></ol><p><!--[if IE]><iframe frameborder="0" allowTransparency="true" class="addtoany_special_service facebook_like" src="http://www.facebook.com/plugins/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2011%2F08%2Fbuchbesprechung-breidenbach-pal-seeing-culture-everywhere%2F&amp;layout=button_count&amp;show_faces=false&amp;width=75&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;height=20&amp;ref=addtoany" scrolling="no" style="border:none;overflow:hidden;width:90px;height:21px"></iframe><![endif]--><!--[if !IE]><!--><iframe class="addtoany_special_service facebook_like" src="http://www.facebook.com/plugins/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2011%2F08%2Fbuchbesprechung-breidenbach-pal-seeing-culture-everywhere%2F&amp;layout=button_count&amp;show_faces=false&amp;width=75&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;height=20&amp;ref=addtoany" scrolling="no" style="border:none;overflow:hidden;width:90px;height:21px"></iframe><!--<![endif]--><!--[if IE]><iframe frameborder="0" allowTransparency="true" class="addtoany_special_service twitter_tweet" src="http://platform.twitter.com/widgets/tweet_button.html?url=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2011%2F08%2Fbuchbesprechung-breidenbach-pal-seeing-culture-everywhere%2F&amp;counturl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2011%2F08%2Fbuchbesprechung-breidenbach-pal-seeing-culture-everywhere%2F&amp;count=none&amp;text=Buchbesprechung%3A%20Joana%20Breidenbach%20%26%23038%3B%20P%C3%A1l%20Ny%C3%ADri%3A%20Seeing%20Culture%20Everywhere.%20From%20Genocide%20to%20Consumer%20Habits." scrolling="no" style="border:none;overflow:hidden;width:55px;height:20px"></iframe><![endif]--><!--[if !IE]><!--><iframe class="addtoany_special_service twitter_tweet" src="http://platform.twitter.com/widgets/tweet_button.html?url=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2011%2F08%2Fbuchbesprechung-breidenbach-pal-seeing-culture-everywhere%2F&amp;counturl=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2011%2F08%2Fbuchbesprechung-breidenbach-pal-seeing-culture-everywhere%2F&amp;count=none&amp;text=Buchbesprechung%3A%20Joana%20Breidenbach%20%26%23038%3B%20P%C3%A1l%20Ny%C3%ADri%3A%20Seeing%20Culture%20Everywhere.%20From%20Genocide%20to%20Consumer%20Habits." scrolling="no" style="border:none;overflow:hidden;width:55px;height:20px"></iframe><!--<![endif]--><!--[if IE]><iframe frameborder="0" allowTransparency="true" class="addtoany_special_service google_plusone" src="https://plusone.google.com/u/0/_/%2B1/fastbutton?url=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2011%2F08%2Fbuchbesprechung-breidenbach-pal-seeing-culture-everywhere%2F&amp;size=medium&amp;count=false" scrolling="no" style="border:none;overflow:hidden;width:32px;height:20px"></iframe><![endif]--><!--[if !IE]><!--><iframe class="addtoany_special_service google_plusone" src="https://plusone.google.com/u/0/_/%2B1/fastbutton?url=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2011%2F08%2Fbuchbesprechung-breidenbach-pal-seeing-culture-everywhere%2F&amp;size=medium&amp;count=false" scrolling="no" style="border:none;overflow:hidden;width:32px;height:20px"></iframe><!--<![endif]--><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fwww.wildes-denken.de%2F2011%2F08%2Fbuchbesprechung-breidenbach-pal-seeing-culture-everywhere%2F&amp;title=Buchbesprechung%3A%20Joana%20Breidenbach%20%26%23038%3B%20P%C3%A1l%20Ny%C3%ADri%3A%20Seeing%20Culture%20Everywhere.%20From%20Genocide%20to%20Consumer%20Habits." id="wpa2a_6">Weitersagen</a></p>

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		<title>&#8216;Geocultural&#8217; Literatur und andere Szenarien über die Welt</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Jan 2010 21:34:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norman Schräpel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle finden in regelmäßigen Abständen Konferenzen und Vorträge statt. Der erste Vortrag in diesem Jahr wurde von dem schwedischen Ethnologen <a href="http://www.socant.su.se/pub/jsp/polopoly.jsp?d=6216" target="_blank">Ulf Hannerz</a> gehalten. Unter dem Titel <a href="http://www.eth.mpg.de/events/current/1262876400.html" target="_blank">Images of the World, Now and Next: global scenarios as texts and transnational cultural phenomena</a> stellte er eine Reihe von Büchern (oder vielmehr eine Textgattung) vor, in denen (ethnologische) Themen scheinbar populistisch diskutiert werden. Hannerz versuchte zu zeigen, dass zumeist im englischsprachigen Raum immer wieder Werke in den „Buchläden der Flughafen“ liegen, die im politisch-rechten Spektrum eine fragliche Sicht auf die unterschiedlichsten Themen wie kulturelle Vielfalt (<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3442151902?ie=UTF8&amp;tag=ethnologiestu-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3442151902" target="_blank">Huntington</a>) oder die politische Rolle der USA (<a href="http://www.amazon.de/gp/product/0393061353?ie=UTF8&amp;tag=ethnologiestu-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=0393061353" target="_blank">Joffe</a>) haben. Vor allem aber, werden in diesen Texten globale Zukunftsszenarien geschaffen, was Hannerz dazu veranlasst diese Bücher als „geocultural“ Literatur zu bezeichnen. <span id="more-161"></span></p>
<p>Etwas überraschend zeigt er in seinem Vortrag, wie viele solcher Texte existieren. Er wiederholt einige Male, dass sich vor allem vor den Flughafenbuchläden in Acht genommen werden muss. Diese sind Herd für fundamentale, amerika-zentristische, rechtspopulistische Literatur die zumeist die Welt aus den Angeln heben will.</p>
<p>Am ende bleiben zwei Fragen. Die eine sucht nach den Auswirkungen dieser Literatur. Folgt man nämlich den Utopien und Dystopien in den Büchern, ist schnell der Ausnahmezustand hergestellt, in dem ungewollte Interventionen und politische Handlungen entstehen können. Hannerz gibt jedoch nur wenige Informationen inwieweit solche Ideen öffentlich Diskurse tatsächlich beeinflussen.</p>
<p>In der zweiten Frage versucht er nachzuvollziehen, warum genau diese Literatur auf den Ladentischen landet. Auch hier gibt Hannerz nur ein paar wenige Hinweise. Auf der einen Seite haben große Verlage (und ihr Marketing) die Möglichkeit diese Bücher zu verbreiten. Gleichzeitig findet sich der Leserkreis in der amerikanischen Elite, die vor allem die Nachfrage nach solcher Literatur ankurbelt.</p>
<p>In der Tat ist die Idee spannend. Es ist der Versuch nachzuvollziehen welche Bücher in hohen Auflagen verkauft werden und wie diese öffentliche Diskurse beeinflussen bzw. schaffen (nicht zuletzt wenn man auch weiß, dass die meisten ethnologischen Werke eine eher geringe Auflage haben). Schnell stellt sich heraus, dass dies zumeist Literatur ist, die mit „<a href="http://www.amazon.de/gp/product/0552151297?ie=UTF8&amp;tag=ethnologiestu-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=0552151297" target="_blank">catchy phrases</a>“ arbeitet und eine These auf wenige Punkte reduziert. Doch es scheint etwas weit hergeholt, dass diese Methodik auf einen bestimmten Bereich beschränkt sein soll. Findet man doch auch schnell Werke, die ähnliche Themen ansprechen, aber nicht unbedingt auf ihre politische Richtung (und ihr fundamentalistischen Weltzeitszenarien) reduziert werden können. Nicht zuletzt ist ein zusätzlicher Faktor von erfolgreichen Sachbüchern gezielt aktuelle Probleme aufzunehmen und etwas brachial anzuklagen. Vielleicht sollte dies als eine Übung verstanden werden, in der man diese Literatur auf Grund ihrer Klarheit (in Text und Argumentation) zum Vorbild nimmt um dann Antworten in der gleichen Art und Weise auf solche Reduktionen gibt. Denn bedauerlicherweise ist festzustellen, dass es in den letzten Jahren kein Ethnologe geschafft hat in den Bestsellerlisten (und demzufolge auch nicht in den Buchläden der Flughäfen) zu landen.</p>
<p>Der Vortrag von Ulf Hannerz hat mich dazu angeregt ab sofort regelmäßig Bücher vorzustellen, die ich für lesenswert halte. Auf der rechten Seite werden in unregelmäßigen Abständen Buchempfehlungen erscheinen, die anders als die von Hannerz vorgestellten Bücher, recht komplexe, anti-fundamentalistische, angenehme Literatur ist. Deshalb sollten diese es auch unbedingt schaffen öffentliche Diskurse zu beeinflussen oder sie sogar beginnen.</p>
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